Gitarre Hersteller_PRS
Test
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11.07.2018

Praxis

Die Gitarre hat mit 3,5 kg ein angenehmes Gewicht und ist, wie bereits erwähnt, gut ausbalanciert. Die Bespielbarkeit ist für Freunde von flachen Hälsen erste Sahne, Puristen und beinharte Blueser, die auf etwas mehr Holz vor der Hütte stehen, werden sich hier vermutlich nicht wohlfühlen. Ebenso verhält es sich mit dem leicht höhenbetonenden Primärklang, der ein mittelmäßiges Sustain bietet, das in den oberen Lagen leicht an Fahrt verliert. Gut, die Gitarre ist ab Werk mit einem 09er Satz bestückt und das freischwebende Floyd Rose ist auch nicht gerade für eine optimale Schwingungsübertragung berühmt. Trotzdem kann ich mir gut vorstellen, dass man mit einem 010er Satz dem Ton insgesamt etwas mehr Substanz gibt. Der Fokus wurde bei der Konstruktion der Gitarre in erster Linie auf eine optimale Bespielbarkeit gerichtet und in dieser Disziplin kann die Gitarre auch absolut punkten.

Kommen wir zu den Sounds, die sich mit der Gitarre realisieren lassen. Bei diesem Test gibt zu jeder Pickup-Einstellung zwei Audiobeispiele. Zuerst hört ihr die Singlecoil-Einstellung mit dem gezogenen Tone-Poti und im zweiten Beispiel das entsprechende Beispiel im Humbuckermodus. Hier der Bridgepickup am cleanen Gitarrenamp.

Der Singlecoil-Modus unterscheidet sich gewaltig von der Humbuckereinstellung. Neben einem deutlichen geringeren Ausgangspegel wirkt der gesplittete Sound wesentlich höhenreicher mit einer leichten Tendenz zur Glasigkeit. Wenn die beiden Pickups gleichzeitig arbeiten, tendiert der Singlecoilsound in Richtung Telecaster, während der Humbuckersound im weitesten Sinne an die Les Paul erinnert. Das sind aber nur Richtwerte, denn die beiden Klassiker haben andere Mensuren und arbeiten ohne Tremolo.

Die Pickups bieten im Humbuckermodus reichlich Ausgangsleistung, aber gleichzeitig auch einen recht komprimierten Sound. Deshalb bringt auch der Halstonabnehmer einen ähnlich statischen Cleansound wie der Stegtonabnehmer, was in Anbetracht des Primärklangs aber nicht verwunderlich ist.

Erst am verzerrten Kanal kann die Gitarre ihre Vorzüge präsentieren. Kein Wunder, schließlich wurde die Gitarre für diesen Zweck konzipiert. Der Sound ist zwar fett, gleichzeitig liefert er einen gewissen Twäng im Anschlag, der besonders im Singecoilmodus gut zur Geltung kommt. Hier der Stegtonabnehmer zuerst mit herausgezogenem Tone-Regler und danach in der Humbuckereinstellung.

Selbst wenn beide Pickups aktiviert sind, bleibt der Ton weitestgehend transparent. Auch wenn mich die Sounds am cleanen Amp nicht überzeugen, klingt es am High-Gain-Amp umso besser. In der Humbuckerstellung verschwindet zwar ein Teil vom eben erwähnten Twäng, dafür wird der Ton umso sahniger.

Da der Halstonabnehmer naturgemäß etwas fetter klingt als sein Pendant in der Stegposition, hat mir hier die Singlecoil-Einstellung etwas besser gefallen. Aber auch der Humbuckermodus hat seinen Reiz, denn mit der entsprechenden Verzerrung singt die Gitarre hier bis zum Sankt-Nimmerleinstag.

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