Hersteller_Pioneer
Test
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15.07.2011

DETAILS

 Erster Eindruck 

Der Nexus ist ein Gerät, das sich die Bezeichnung „clubtaugliche Konstruktion“ redlich verdient. Das beginnt beim robusten Metall-Chassis mit seinen seitlichen Kunststoffleisten und der schützenden frontalen Zierblende, führt über die Rückseite mit ihren festsitzenden Anschlussbuchsen und fußt bei Fadern, Potis und Buttons, die im Trockenlauf angenehme Widerstände aufzeigen und mit ausreichendem Abstand zueinander positioniert wurden. Sein Layout orientiert sich am Clubstandard, was natürlich nicht verwunderlich ist, wenn man diesen selbst setzt. Aber Spaß beiseite. Grundsätzlich ist der DJM-900 wie seine Vorgänger aufgebaut. Das bedeutet: links Mikros, Preview und Color FX, in der Mitte das Mischpult und eine Master- und Effekt-Sektion auf der rechten Außenseite. Der Kandidat bringt ein Lebendgewicht von 7,2 Kilo auf die Waage und misst 331 x 108 x 409 mm. Das nachtschwarz-anthrazitfarbene Design gefällt mir persönlich sehr, und somit macht der Nexus auch im Studio eine echt gute Figur. Zum Lieferumfang unseres Testmusters gehören ein Netz- und ein USB-Kabel sowie ein Handbuch. 

Rein und Raus

Werfen wir nun einen Blick auf das Backpanel. Eingangseitig springen mir als erstes vier mal zwei Stereo-Cinch-Paare ins Auge, die für externe Zuspieler gedacht sind. Die beiden Äußeren sind mit Phono-Vorverstärkern nebst Erdungsschrauben ausgestattet, was einen formalen Einschnitt zum 600er Modell bedeutet, welches mit drei Phono-Preamps bestückt ist. Zusätzlich stehen ein LAN-Port und vier digitale S/PDIF-Inputs bereit. Es scheint, als wären die Zeiten für Multi-Turntable-Artisten langsam gezählt - zumindest bei Pioneer. Wer jedoch nicht ohne einen dritten oder vierten „analogen“ Teller arbeiten will, kann natürlich auch einen externen Preamp oder ein Line- taugliches Plattenspieler-Modell verwenden. Was ich etwas schade finde: Pioneer verzichtet leider auf Faderstart-Buchsen und realisiert die Fernsteuerung über die RJ-45 System-Link Schnittstelle, die sich an den Top-Produkten der eigenen Tabletop-Reihe CDJ-900 und CDJ-2000 befindet. Für meine CDX-Geräte von Vestax bedeutet das unweigerlich: Ihr müsst draußen bleiben.

Raus geht’s über XLR (Master 1), Stereo-Cinch (Master 2), Record-Out (Cinch) und zwei 6,3 mm Klinkenbuchsen für die Monitoranlage. Ein digitaler koaxialer Master-Ausgang ist ebenfalls vorhanden. Damit ist man für professionelle PAs und die heimische Studioanlage gleichermaßen gut gewappnet. Der Schalter für die Abtastfrequenz (48/96 kHz) ist im Zuge des Redesigns dem Rotstift zum Opfer gefallen und findet sich nun als Softwareeinstellung im Setup wieder, wo wir auch die zuvor hardwareseitige Master-Dämpfung antreffen. Links neben der Netzteilbuchse und dem schutzumrandeten Power-Switch sind die Klinkeneingänge für die Effektschleife positioniert. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich eine MIDI-Out-Buchse, der Mikrofoneingang Mic-2 und eine Ausfräsung für einen Kensington-Diebstahlschutz.

Mixer

Zentrales Element eines Clubmixers ist die Kanalsektion. Jeder Channel beginnt mit einem Matrix-Drehregler zur Quellenauswahl. Ein sehr praktisches Upgrade, lassen sich doch alle Zuspieler wahlfrei auf die Kanäle routen. Dank seiner vollständig digitalen Signalverarbeitung verfügt der Mischer über eine umschaltbare Klangregelung, die ihres Zeichens im EQ-Mode den Standard-Pioneer Cut/Boost von -26/+12 dB präsentiert. Im Isolator-Mode erfolgt die tonale Absenkung des gesamten Frequenzbandes. Die griffigen gummierten Potis weisen einen natürlichen Regelwiderstand auf und kennzeichnen die einrastende Nullstellung mit einer weißen Nabe. Ein Meter, bestehend aus 15 LEDs, informiert über die Pegelverhältnisse an den einzelnen Kanalzügen (-24 bis +10 dB). Toll. Etwas weiter südlich ist der Color-Regler für die gleichnamigen Effekte sowie CUE zum Vorhören des Audiostroms auf dem Kopfhörer positioniert. Die untere Mischpulthälfte belegen vier sanfte 45 Millimeter Channelfader mit Zuweisungsschalter für die Crossfader-Pole (A, B, Through). Der Überblendregler selbst ist Scratch-taugliche 40 Millimeter kurz, sehr weich und kann in drei Modi betrieben werden. Sämtliche Faderkappen sind mit Pioneers P-Lock System ausgestattet, so dass es quasi unmöglich ist, die Kappe während wilder Attacken vom Fader zu rupfen. Ebenfalls vorteilhaft, wenn der Club-Inhaber oder PA-Verleih nicht in regelmäßigen Abständen einen neuen Satz mysteriös verschwundener Caps besorgen will.

Im Westen…

Der Neunhunderter verfügt über zwei separate Mikrofoneingänge. Die Kombibuchse (XLR/Klinke)  bleibt auf der Mixeroberfläche, die Klinkenbuchse wandert nach hinten. Beide Mikrofone teilen sich eine Subgruppe. Eingepegelt wird über separate Lautstärkeregler, gefolgt von einem gemeinsam benutzten +/- 12 dB British-EQ (High/ Low-Shelf). Die Mikrofonvorverstärker arbeiten sehr natürlich mit einem äußerst geringen Eingangsrauschen. Ferner ist moderationsfreudigen DJs eine Talkover-Funktion anheimgestellt. Sie senkt die Lautstärke der Musik um einen voreingestellten Wert ab, sobald ein der einstellbare Schwellwert überstiegen wird. Möglich sind 24, 18, 12 oder 6 dB Kanal-Dämpfung.

Dass die Potis der Baugruppe etwas klein geraten sind, ist schade und sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Ich habe wahrlich keine Riesenpranken, sondern eher Hände europäischen Durchschnittsmaßes, muss hier aber – und zwar sehr bestimmt - mit den Fingerspitzen drehen. Die Auslegung der Bedienelemente für die Mikrofonsektion 1 gefällt mir bei meinem altgedienten DJM-600 etwas besser (große Potis für Mike1, Submic auf Kanalzug 4 schaltbar). Aber mein langjähriger Mitstreiter muss ja auch nicht bei nahezu identischen Maßen so viele Features wie sein Urenkel und dazu noch DVS-Tauglichkeit on Top präsentieren. Manchmal ist der Mensch halt ein Gewohnheitstier. Ich bin mir sicher, dass man sich mit dem DJM-900 Nexus nach kurzer Zeit sehr gut, sozusagen blind versteht.  

Die Mikrofonsignale können im Übrigen nicht mit den Color-FX beackert werden, sie können auch leider nicht zu diesem Zweck auf einen der vier Hauptkanäle geroutet werden. Ihnen steht jedoch die volle Palette der Beat-FX zur Verfügung, die in dieser Hinsicht so ziemlich alles hergibt, was der sangesfreudige Live-Act am Mixer verlangen könnte. Auf geht’s, ihr Rapper, MCs und House-Divas. It´s time to rhyme.

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