Test
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18.02.2019

Praxis

Es ließe sich sicherlich einige Abende lang mit Drummern über ihre unterschiedlichen Aufbau-Präferenzen diskutieren. So mancher pragmatisch veranlagte Schlagzeuger nimmt zum Beispiel aus Schleppfaulheit oder Mangel an Bühnenplatz in kleinen Locations von vornherein nur ein Hängetom mit, das dann entweder auf der Bass Drum oder auf einem Snare-Stativ positioniert wird. Fakt ist aber auch, dass einige Hersteller die Option „Tomhalterung auf der Bass Drum“ ab einem gewissen Preisniveau nicht mehr anbieten, weil es scheinbar dem ästhetischen Empfinden vieler Kunden widerspricht. Bei Pearl ist das ab der Decade Maple Serie aufwärts der Fall. Dennoch geben andere Hersteller (Mapex, Tama, Yamaha) wenigstens noch einen Satz Tomhalterungen mit dazu, und das ist beim Pearl Session Select leider nicht der Fall.

Ansonsten ist dem Set absolut nichts anzukreiden, alle Schrauben laufen weich, und ich habe das Kit sehr schnell hingestimmt. Viel Spaß macht es in der mitteltiefen Stimmung, wo es druckvoll klingt, aber immer angenehm kompakt bleibt. Die Bass Drum spielt sich direkt und satt, die Kesseltiefe von 16 Zoll erweist sich als gelungener Kompromiss zwischen ultralangem Rohr und der kurzen 14 Zoll Vintage-Variante. Das Floor Tom mit „quadratischen“ Kesseldimensionen lässt sich richtig weit in den Keller stimmen, wie ihr in den Soundfiles hören könnt, bleibt aber dabei trotzdem sehr schön artikuliert. Die beiden kleinen Toms haben den Pearl-typischen, attackreichen Sound, der in tiefen Stimmungen ohne Nebengeräusche, aber auch ohne überbordendes Sustain erklingt. Das wird vielen Tontechnikern zupass kommen. Eine zusätzliche Dämpfung ist, eine saubere Stimmung vorausgesetzt, mit den Pinstripe-Fellen ohnehin nicht notwendig. In der tiefen Stimmung wäre es für mich das ideale Live-Set für viele Arten von Rock-/Popmusik.

Im zweiten Durchlauf stimme ich die Toms wesentlich höher, auch die Bass Drum bekommt an beiden Fellen ein paar Umdrehungen mehr verpasst. Beim Floor Tom kommt jetzt deutlich mehr Leben in die Bude, hier würde ich im Außeneinsatz aufgrund des langen Kessels im Ausklangverhalten für „etwas Ruhe sorgen“, zum Beispiel mit einem Stückchen Tape auf dem Resonanzfell. Auch die beiden kleinen Toms klingen jetzt deutlich lebendiger und etwas frischer, während die Bass Drum mit etwas mittigerem Punch ertönt. 

Die Session Select Snare im Check

Auch eine durchaus passable Figur gibt die Session Select Snare ab. Für einen überschaubaren Anschaffungspreis gibt es hier eine variable Trommel mit guter Teppichansprache und einer ordentlichen Portion Attack im Gesamtklang. Besonders gut gefällt sie mir ab der mittleren Lage aufwärts sowie ganz tief gestimmt und dabei stark gedämpft. Im folgenden Video könnt ihr euch selbst ein Bild von der Snare machen.

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