Test
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02.11.2020

Pearl Roadster D-1500, D-1500S, D-1500SP, D-1500RGL, D-1500TGL Drumhocker Test

Schlagzeughocker

Auf breiter Basis

Roadster D-1500, D-1500S, D-1500SP, D-1500RGL und D-1500TGL. Dies ist die lange Namensliste unserer heutigen Testkandidaten, ihres Zeichens Teil der neuen Drumhocker-Offensive des japanischen Herstellers Pearl. Gemeinsam gehören sie zur 1500er-Reihe. Der andere Teil umfasst zwei weitere Modelle mit der Typenbezeichnung 3500, deren Test ihr in Kürze nachlesen könnt. Ganz offensichtlich hat man sich bei Pearl dazu entschlossen, das Thema Sitzqualität ganz oben auf die Agenda zu packen, anders ist die große Vielfalt kaum zu erklären.

Es handelt sich bei den unterschiedlichen Modellen nämlich nicht nur um leichte Variationen ein und desselben Designs. So besitzt beispielsweise der D-1500SP eine Art eingebauten Stoßdämpfer, während man beim D-1500TGL eine dreieckige Sitzfläche vorfindet. Zudem verfügen alle Modelle über eine komplett neu entwickelte Polsterung, welche den Komfort erhöhen und auftretende Druckschmerzen bei langen Sessions reduzieren soll. Ob die – laut Pearl – dreijährige Entwicklungszeit zu guten Ergebnissen geführt hat, lest ihr auf den folgenden Zeilen. 

Details & Praxis

Ein konventioneller Design-Ansatz: D-1500, D-1500S und D-1500SP

Nach dem Auspacken aller fünf Testobjekte präsentieren sich mir zwei grundlegend unterschiedliche Drumhocker-Designs. Die Modelle D-1500, D-1500SP sowie der D-1500S bedienen sich jeweils eines konventionellen, doppelt verstrebten Dreibeins, wie es ähnlich schon von bisherigen Roadster-Modellen bekannt ist. Als Basismodell darf hier der D-1500 verstanden werden, der über eine Drehspindel in der Höhe verstellt werden kann. 49,5 bis 66,5 Zentimeter gibt Pearl für den D-1500 als nutzbaren Höhenbereich an. Wer gerne sehr tief sitzt oder körperlich kleiner ist, soll mit dem D-1500S eine Alternative erhalten, denn dieser Sitz geht herunter bis 44,5 cm, bei der maximalen Höhe sind 61,5 Zentimeter angegeben. Dafür verbaut Pearl beim S-Modell ein etwas niedriger konstruiertes Unterteil. Etwas anders sieht die Sache beim D-1500SP aus, denn hier kommt eine Tauchrohr-Höhenverstellung zum Einsatz. Der Clou daran ist allerdings, dass im oberen Drittel des Rohres ein Stoßdämpfer integriert wurde, welcher sich mithilfe eines mitgelieferten Inbusschlüssels in der Härte regulieren lässt. 52,5 bis 63 Zentimeter Sitzhöhe sind beim SP möglich. Alle drei Hocker verfügen außerdem über das sogenannte Lock/Spin-System, eine Art drehbare Memoryklammer am oberen Ende der Drehspindel, beziehungsweise des Tauchrohres. Je nachdem, wie herum diese Klammer montiert ist, lässt sich das Sitzteil entweder frei drehen oder sitzt fest. Kommen wir nun zu den runden Sitzflächen der drei Drumhocker, denn hier hat Pearl am meisten Entwicklungszeit investiert. Gute 38 Zentimeter Durchmesser weisen sie auf und gehören damit zu den großzügig dimensionierten Rundsitzen. Mit ihren abgerundeten Kanten erinnern sie an einen Donut, die Kunstlederbezüge besitzen zudem einen leichten Bordeaux-Stich, was ihnen ein durchaus nobles Aussehen verleiht. Auch haptisch wirkt die Oberfläche angenehm und etwas weicher als bei anderen Kunstlederbezügen. Im Inneren sollen mehrere Lagen Schaumstoff unterschiedlicher Festigkeit für ein besonders komfortables Sitzerlebnis sorgen, die Flanken verfügen über eine Perforation zur besseren Wärmeableitung. Überprüfen konnte ich die Beschaffenheit des Innenlebens nicht, dafür hätte ich die Polster zerstören müssen. Ein Drucktest mit der Hand zeigt allerdings, dass die obere Lage weicher zu sein scheint als die darunter liegenden. Der Praxisteil wird sicherlich weitere Erkenntnisse liefern.

Beim D-1500RGL und D-1500TGL hat man neue Wege eingeschlagen

Sehen wir uns nun die beiden anderen Testkandidaten an, welche schon optisch einen ungewöhnlichen Eindruck hinterlassen. Ins Auge fällt sofort das Basisteil mit seinen schwarz lackierten Aluminium-Profilschienen, welche sich beim Transport sowohl platz- als auch gewichtssparend auswirken sollen. Beide Sitze werden über Gasdruckfedern in der Höhe verstellt, 49,5 Zentimeter stellen die Mindesthöhe dar, 69,5 Zentimeter die Maximalhöhe. Während der RGL einen konventionellen Rundsitz aufweist, gibt es beim TGL eine Überraschung. Dessen Sitzfläche ist nämlich dreieckig, oder, wie Pearl es nennt, „trilateral“. Je nachdem, wie man den Sitz dreht, soll er quasi Rundsitz und Sattelsitz in einem sein.

Auch bei der Verarbeitung der Sitzteile gibt es Unterschiede zu den anderen drei Modellen. Obwohl Pearl ähnliche Informationen zur Füllung und zum Bezug der Polster liefert, wirken jene der RGL- und TGL-Modelle anders aufgebaut. So handelt es sich beim Kunstledermaterial um konventionelles, schwarzes Kunstleder, die Flanken sind zudem gerade und nicht ventiliert. Das Innenleben wirkt homogener aufgebaut als jenes der D-1500-, S- und SP-Versionen. Alle fünf Sitze verfügen übrigens über Bohrungen zur Montage der optional erhältlichen Rückenlehne. In puncto Verarbeitung konnte ich keinerlei Makel feststellen. 

Toller Sitzkomfort bei D-1500, S und SP

Zunächst baue ich den D-1500 an meinem Set auf und stelle schnell fest, dass sich die Überarbeitung der Polster offensichtlich gelohnt hat. Obwohl ich sonst auf Sattelsitzen trommele, fühle ich mich auf der großen, komfortablen Polsterung sehr wohl. Die abgerundeten Kanten und die softere obere Schaumstofflage vermitteln einen weichen Übergang an den Unterschenkeln, was wiederum zu einem dauerhaft entspannten Spielgefühl führt. Nach längerem Sitzen wird das Gefühl fester, ohne zu drücken. Das Sandwich-System geht also auf. Wie erwartet, ist das S-Modell einfach niedriger einstellbar, alle anderen Beobachtungen gelten genauso wie bei der Fullsize-Version. Wechseln wir nun auf den SP mit eingebautem Stoßdämpfer. Wie von früheren Roadster-Modellen bekannt, stellt sich ein leichter Federeffekt ein, der je nach Körpergewicht und gewünschter Federwirkung justiert werden kann. Mir gefällt eine mittlere Einstellung recht gut, denn sie entlastet die Wirbelsäule etwas, ohne zu starken Hüpfbewegungen beim Spielen zu führen. Ob dieses Feature allgemein etwas für euch ist, kann allerdings nur ein persönlicher Check klären. Wer Gasdruckhocker kennt und mag, aber eine Justiermöglichkeit des Effekts sucht, wird hier fündig. Alle drei Sitze waren im Test absolut leise und „knarzfrei“.

Leichtes Handling plus Einstellkomfort bei RGL und TGL

Dass es sich bei den D-1500RGL und TGL um grundlegend andere Bauweisen handelt, merkt man schnell. Sie sind zunächst leichter und kompakter zusammenlegbar als die Kollegen mit den verchromten Streben, was insbesondere Drummer freuen dürfte, die zwar leichtes Gepäck bevorzugen, aber nicht auf gut ausgestattete Hocker verzichten mögen. Und davon kann man hier durchaus sprechen, denn die Dreibeine stehen konventionellen Konstruktionen in Sachen Stabilität in nichts nach. Hinzu kommt das komfortable Feature der Gasdruck-Höhenverstellung. Der Rundsitz ist bequem, allerdings nicht so angenehm ausgelegt wie jene der anderen drei Versionen. Die Kante ist deutlicher spürbar und macht sich bei sehr langen Sessions irgendwann bemerkbar. Trotzdem sorgt die Polsterung für guten Halt und ein solides Sitzgefühl. Dies gilt interessanterweise auch für den TGL mit seiner dreieckigen Sitzfläche. Beide „trilateralen“ Sitzvarianten sind komfortabel, die deutlicher spürbaren Kanten gibt es aber natürlich auch hier. Wer also sehr hoch sitzt und sich für die Sattelsitz-Option entscheidet, wird diese deutlicher merken als ein Niedrigsitzer, der die Polsterung so dreht, dass eine gerade Seite nach vorne zeigt. Ich war aber doch erstaunt, wie gut das Konzept aufgeht. Ich sehe seine Vorteile auch gerade darin, ab und zu mal zu drehen und nicht immer auf „demselben“ Hocker zu sitzen. Zu erwähnen ist noch, dass die Gasdruckfedern beider Sitze keine schmatzenden oder knarrenden Geräusche beim Hinsetzen erzeugen. Dies ist leider keine Selbstverständlichkeit.

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