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Test
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18.11.2015

Paiste PSTX Cymbals Test

Becken Serie

Loch im Sound

Was Gitarristen, Keyboarder und Bassisten schon lange mögen, hat vor einiger Zeit auch bei uns Trommlern Einzug gehalten. Gemeint sind trashige, verzerrte und kuriose Klänge, die zur Individualisierung des eigenen Sounds beitragen sollen. Da werden Becken übereinander gelegt, gebohrt, mit Handtüchern gedämpft oder sogar „umgekrempelt“. Landeten kaputte Bleche früher schnell an der Proberaumwand oder im Müll, mausern sie sich beim modernen Sound-Freund nicht selten zum neuen Lieblingsinstrument. Diesen Trend haben die Beckenhersteller erkannt, und Paiste war mit seiner – mittlerweile wieder eingestellten – NoiseWorks Serie eine der ersten Firmen, die die klangliche Kuriosität in Serie gebaut hat. Nun folgt mit den PSTX-Modellen die nächste Generation interessanter Ausdrucksmöglichkeiten. 

Zugegeben, eine wirkliche Sensation sind gelochte Becken mittlerweile nicht mehr, denn bereits im Jahre 2002 hat Sabian mit der Vorstellung seiner HHX O-Zone Crash-Becken einen Trend kreiert, der bis heute anhält. In fast allen Beckenfabriken wird mittlerweile zum Kreisbohrer gegriffen, um den charakteristischen, trashig-komplexen Sound zu erreichen, den viele Drummer so schätzen. Neben Crash-Becken erwischt es dabei immer öfter auch Hi-Hats, Rides, China- und Splash-Becken. Manch ein Künstler verzichtet sogar komplett auf konventionelle Becken, gerade im elektronischen Bereich sind bizarre Sounds beliebt, weil sie sich gut in die digitalen Klangwelten von DJs und Produzenten integrieren lassen. Während die meisten anderen Hersteller ihre gelochten Kreationen allerdings überwiegend im mittleren bis hochpreisigen Bereich anbieten, konzentriert Paiste derartige Klänge in der – eher im Einsteigersegment angesiedelten – Paiste Sound Technology (PST) Reihe. Und obwohl die Swiss Crashes, Splashes und Hi-Hats die PSTX Familie dominieren, gibt es auch noch zwei Pure Bells aus Aluminium. Was dieses Sammelsurium sehr spezieller Becken kann, lest ihr in den folgenden Zeilen. 

Details

Alle PSTX Becken sind gut verarbeitet, an den Löchern aber teilweise scharfkantig 

Hätte ich vorher keine Bilder der Testkandidaten gesehen, wäre mir spätestens beim Auspacken klar geworden, warum fast alle PSTX-Modelle den Begriff „Swiss“ im Namen tragen. Ein Laie könnte sich anhand der Beschreibung „runde Emmentaler-Scheiben aus Metall“ wahrscheinlich ein relativ exaktes Bild dieser Instrumente machen. Zum Test liegt mir die komplette Serie vor. Dazu gehören drei Swiss Thin Crashes in 14,16 und 18 Zoll, ein Swiss Medium Crash in 18 Zoll, drei Swiss Hats in 10, 14 und 16 Zoll, ein Swiss Flanger Stack in 14 Zoll, ein Swiss Flanger Crash in 14 Zoll sowie ein Swiss Splash in 10 Zoll. Zwei Pure Bells in 9 und 10 Zoll komplettieren die Serie, setzen sich jedoch sowohl von der Form als auch vom Material her deutlich von den Serienkollegen ab. Die Verarbeitung aller Testbecken ist insgesamt gut, trotzdem sollte man beim Griff in die Beckentasche Vorsicht walten lassen, denn die vielen Bohrlöcher sind teilweise etwas scharfkantig. 

Die Swiss-Modelle haben geschliffene Oberflächen

Alle Swiss-Typen besitzen Bohrungen in vier unterschiedlichen Größen, die offenbar automatisiert gesetzt werden, denn sie liegen bei gleich großen Modellen exakt aufeinander. Auffällig ist auch die raue Oberfläche, die Ergebnis eines speziellen Schleifverfahrens ist, welches die Oberflächenspannung reduzieren soll. Auf den Oberseiten erkenne ich ein sehr feines Abdrehmuster, die Unterseiten sind nicht abgedreht. Erst bei genauer Begutachtung der PSTX Becken bei Tageslicht fällt mir auf, daß auch eine Hämmerung vorhanden ist. Während sie bei den meisten Modellen kaum sichtbar ist, fällt sie beim 18 Zoll Swiss Medium Crash etwas deutlicher aus. Im Vergleich zum Thin Crash verwendet Paiste bei diesem Modell zudem eine etwas größere Kuppe. 

Bei den Hi-Hats finde ich weitgehend identisch konstruierte Top- und Bottom-Becken vor, eine klangliche Unterscheidung soll hier durch unterschiedliche Materialien erreicht werden. So ist das untere Becken jeweils aus Messing gefertigt. Die geringe Materialstärke ergibt in Kombination mit den vielen Löchern sehr leichte Instrumente. Auch das Swiss Flanger Stack besteht aus zwei Becken unterschiedlicher Legierung, in diesem Fall einem oberen aus Messing sowie einem Unterteil aus B8 Bronze, dessen fünf Zentimeter breiter Rand ungebohrt und zudem leicht wellig ist, was eine gewollte Instabilität erzeugt. 

Einige Modelle gleichen sich 

Ich habe während des Tests manchmal Schwierigkeiten, einzelne Becken auf Anhieb auseinander zu halten, was daran liegt, daß Paiste identische Modelle für unterschiedliche Anwendungen einsetzt. So finden sich die Top-Becken der Swiss Hats als Swiss Splash und Swiss Thin Crashes wieder, das Messing Top-Becken des Swiss Flanger Stacks erfüllt auch den Job des Bottom Beckens der 14er Swiss Hats, und das wellige Swiss Flanger Stack Bottom Becken darf auch als Swiss Flanger Crash fungieren. Das hat Paiste geschickt gemacht, denn zu reduzierten Herstellungskosten bekommt der Trash-Fan so die Möglichkeit, alle Teile der Swiss Hats und des Swiss Flanger Stacks auch einzeln zu verwenden. 

Konstruktiv heben sich die Pure Bells ab

Daß die Pure Bells aus dem löchrigen Swiss-Konzept herausfallen, ist offensichtlich, aber da es sich bei ihnen ebenfalls um Effekt-Instrumente handelt, passen sie trotzdem in die PSTX-Reihe. Neben ihrer halbkugelförmigen Bauweise aus Aluminiumguss zeichnen sie sich durch eine kräftige Materialstärke und das Fehlen der typischen Abdreh- und Hämmerungsmuster aus. Die Bezeichnung Pure darf hier also auch auf die Konstruktion bezogen werden.

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