Gitarre Workshop_Folge
Workshop
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05.09.2014

Open Tuning / Altered Tuning - Gitarren-Workshop - Open-D, Open-G und Open-C

Offene Stimmungen für die Gitarre lernen

Teil 2: Open-D, Open-G und Open-C

Hier ist er also, der zweite Teil des Open/Altered Tunings-Workshops. Diesmal wollen wir uns mit den gebräuchlichsten "echten" offenen Stimmungen Open-D, Open-G und Open-C befassen. "Echte offene Stimmungen" soll in diesem Zusammenhang übrigens heißen, dass die offen gestimmte Gitarre einen lupenreinen Dur- oder Molldreiklang produziert. Die Molltunings sind zwar etwas weniger gebräuchlich, können aber dennoch sehr inspirierend sein. Wir werden sie im dritten Teil meines Workshops noch etwas intensiver besprechen.

Bevor wir in die Praxis starten, möchte ich euch aber zunächst einen Überblick über die drei Stimmungen geben, denn man kann sich eine Menge Denkarbeit ersparen, wenn man sich im Vorfeld ein paar Zusammenhänge klarmacht.

WORKSHOP

In der nachfolgenden Abbildung seht ihr die drei Stimmungen, als Stufentonleitern in ihrer jeweiligen Stimmung dargestellt. Beim Open-D ist es D-Dur, bei Open-G G-Dur und bei Open-C natürlich C-Dur. Die Zahlen stellen die jeweiligen Funktionen in der Tonleiter dar. Die "1" ist der Grundton, die "2" der zweite Ton (gr. Sekunde) die "3" die Durterz und so weiter.

Sieht man genau hin, wird man feststellen, dass die drei Tunings tonal eng miteinander verwandt sind. Das ganze Pattern bewegt sich von Open-D zu Open-G einfach eine Saite nach oben, von Open-G zu Open-C geschieht das Gleiche noch einmal. Und was bringt mir das? Nun ja, man kann einige Griffe und Melodien einfach verschieben. Natürlich gilt das nicht für alle, aber es hilft doch enorm.

Um ein kleines Beispiel zu geben, habe ich die ersten Akkorde von Nick Drakes "One Of These Things First" einmal in allen drei Tunings aufgeschrieben. Logischerweise ändert sich die Tonart in dem jeweiligen Tuning, es geht hier nur um die Zusammenhänge der Akkorde untereinander und die Griffe dazu. Versucht das Gleiche mit kleinen Licks und Melodien.

Um die Open G-Stimmung zu realisieren, wird die tiefe E-Saite auf D, die A-Saite auf G und die hohe E-Saite ebenfalls auf D heruntergestimmt, die D-, G- und H-Saiten bleiben, wie sie sind. Das ist praktisch, denn so hat man zumindest diese drei Saiten als Orientierungshilfe in der gewohnten Standardstimmung zur Hand.

So gestimmt erklingt beim Spielen der Leersaiten ein G-Dur-Akkord, wobei die tiefste Saite, also das D, nicht den Grundton des Dreiklangs, sondern die Quinte darunter darstellt. Diese offene G-Stimmung ist unter Folk- und Countrypickern, aber auch bei Bluesgitarristen sehr weit verbreitet. Auch für Slide-Spieler sind diese echten offenen Stimmungen sehr angenehm, da man auf allen sechs Saiten einen Akkord "sliden" kann. Um das zu demonstrieren, habe ich ein kleines Blues-Slidestück geschrieben. Ich bin zwar beileibe kein Bottleneckspezialist, aber in dieser Stimmung kommt man doch schneller zu gut klingenden Slide-Ergebnissen als in der Standardstimmung. Viel Spaß dabei!

Das nächste kleine Übungsstück geht eher in die Richtung der moderneren Solo-Akustikspieler und demonstriert die Möglichkeiten des offenen Klangs der Stimmung. Dabei ist es wichtig, dass man die einzelnen Töne so lange wie möglich ineinander klingen lässt, um so einen harfenähnlichen Sound zu kreieren.

Aber es geht auch ganz anders. So bedient sich das Stück "Daughter" von Pearl Jam der Open G-Stimmung, allerdings mit einer kleinen Änderung: Die tiefe sechste Saite wird genau wie die fünfte auf G gestimmt. Das ist in diesem Fall auch sehr sinnvoll, denn das tiefe D würde das Stück wohl doch etwas zumatschen.

Klingt doch gar nicht schlecht, oder?!

Zum Abschluss unsere Open-G-Sektion möchte ich euch (wie bei den anderen Tunings auch) eine kleine Übersicht über die Dur- und Mollskala in der ersten Position und ein paar Akkordbeispiele im jeweiligen Tuning an die Hand geben. Dazu sei gesagt, dass die Griff- und Skalenbeispiele nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Es gibt in jedem Tuning noch unzählige andere Griffe und Skalen. Die Übersicht soll nur einen Anhaltspunkt bieten. Am meisten Spaß macht es ohnehin, sich neue, eigene Voicings auszudenken.

OPEN D

Auch das Open-D-Tuning ist unter den vorhin bereits genannten Spezialisten sehr beliebt. Und so funktioniert es: Die E-Saite wird zum D, die G-Saite zum Fis, die H-Saite zum A und die hohe E-saite auch zum D. Wir erhalten so (wenig überraschend) einen D-Durdreiklang! Eine sehr eng verwandte Stimmung ist übrigens Open-E, sie funktioniert genauso, ist nur insgesamt einen Ganzton tiefer gestimmt als die Open-D-Stimmung. Dieses Open-D-Tuning wird unter Eingeweihten übrigens auch "Sebastol" genannt. Ein sehr bekanntes altes Gitarrenstück mit gleichem Namen ist daran schuld. Aus dem gleichen Grund wird das Open-G-Tuning auch gerne mal "spanish" betitelt. In diesem Fall ist das zugrundeliegende Stück das Traditional "Spanish Fandango" aus dem 18. Jahrhundert. Wenn ihr also bei einer Country-Folk Picking-Session besonders "sophisticated" rüberkommen wollt, wisst ihr, was zu tun ist ... Als Übungsstück ist wieder ein kleiner Blues am Start, außerdem die Picking-Gitarre aus dem Nick Drake Stück "One Of These Things First", hier im Original-Tuning.

Und zum Abschluss der Open D-Sektion wieder ein PDF mit einigen Skalen- und Akkord-Beispielen. 

OPEN C

Das dritte Tuning, das ich euch in diesem Teil des Wokshops vorstellen möchte, ist Open-C. Ob es hier auch einen Spezialnamen gibt, ist mir leider nicht bekannt. Dieses Tuning ist nicht ganz so weit verbreitet, wie die beiden vorangegangenen, klingt aber auch super. Diesmal ganz der Reihe nach: Die tiefe E-Saite wird auf C-, die A-Saite auf G, die D-Saite auf C runtergestimmt. Die G-Saite bleibt so, wie sie ist, für die H-Saite geht es hinauf auf C und die E-Saite bleibt auf E. Auch hier erhalten wir wieder einen Dreiklang, und zwar logischerweise den zu C-Dur gehörigen. Es ist das Open Tuning mit dem größten Ambitus oder Tonumfang in den offenen Saiten. Vom tiefen C bis zum hohen E haben wir zwei Oktaven und eine große Terz on Top. Dadurch ergeben sich wieder einmal ganz neue Melodie- und Akkordvoicing-Möglichkeiten.

Ich habe mir zum Üben ein Country-Picking-Stück und einen kleinen Blues aus den "Fingern gesaugt".

Und, wie immer, eine Übersicht der angesagtesten Skalen und Chords in Open C.

So, damit geht dieser Teil des Wokshops zu Ende, viel Spaß damit! Im dritten und letzten Teil werden wir uns um die legendäre DADGAD-Stimmung und um ein paar offene Moll-Tunings kümmern. Wiederkommen lohnt sich also!

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