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21.07.2014

Omenie Limited 50th Anniversary Edition Mellotronics M3000 Test

Apple iPad App

Die Mutter aller Sampleplayer für iOS!

Nicht die Schweizer haben es erfunden, sondern der Amerikaner Harry Chamberlin, und zwar in den frühen 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Das nach ihm benannte Tasteninstrument „Chamberlin“ erzeugte Klänge durch das Abspielen von Tonbändern, auf denen bereits einzelne Instrumenten-Töne aufgenommen wurden und begründete somit das klassische (Multi-) Sample Player Prinzip in lupenreiner Analogtechnik!

Eine größere Popularität als das „Chamberlin“ erlangte das auf der gleichen Idee beruhende und in England ab 1963 hergestellte Mellotron des Herstellers Streetly Electronics, von dem in den folgenden Jahrzehnten verschiedene Modelle gebaut wurden. Bis heute genießt dieses Instrument, dessen Sounds auf zahllosen Tonträgern verewigt wurden, absoluten Kultstatus, was sich an diversen Nachbauten, Software-Emulationen, Sound Librarys und Soundprogrammen Sample-basierter Synthesizer zeigt. Und wie könnte es anders sein, gibt es dieses antiquierte Hardware-Ungetüm jetzt auch als iOS App. Sind die für eine App selbstbewussten 11,- Euro gut angelegt oder sollte man für das Geld lieber ins Kino gehen?

Details

Eine technische Besonderheit vorweg: Die Hardware-Vorbilder haben bei Tastenbetätigung keine Bandschleife (Loop) abgespielt, sondern eine Aufnahme von ca. 8 Sekunden Länge – pro Taste wohlgemerkt. Dieses speicherintensive Prinzip wurde von der App übernommen und sorgt für ein Plus an Authentizität. Da iPads gegenüber Computern (noch) nicht über „unbegrenzten“ Speicherplatz verfügen, ist die Soundauswahl gegenüber den mir bekannten Mellotron Plug-ins abgespeckt, deckt aber einen großen Bereich der musikrelevanten Mellotron Sounds ab. Folgende „Voices“ stehen zur Verfügung: 

  • Church Organ
  • Boys Choir
  • Female Choir
  • Eight Choir
  • String Section
  • MKII Violins
  • Cello
  • MKII Flute
  • MKII Clarinet
  • Oboe
  • Tenor Sax
  • MKII Brass
  • Trombone
  • Piano
  • Rhodes
  • MKII Vibes

Typische Mellotron Effektsounds, die im Zeitalter des Schwarz-Weiß-Fernsehers u.a. zur Filmvertonung genutzt wurden, sind nicht im Repertoire enthalten, worin ich allerdings kein großes Defizit sehe. Alle klangspezifischen Einstellungen (Voices/Layer, Hall etc.) werden inklusive der im Folgenden erläuterten Features als „Bank“ auf insgesamt 32 Speicherplätzen gesichert.

Klangparameter

Die Bearbeitungsmöglichkeiten sind gewohnt puristisch, aber ein paar kleine Überraschungen hat die Jubiläums-App noch im Ärmel versteckt. Der Reihe nach:

Mit Ausnahme des „ABC“-Reglers sollten die Regler und Parameter in Abbildung 2 generell selbsterklärend sein. Dieser besagte Drehregler ermöglicht das Überblenden und Layern der auf der rechten Seite unter A, B und C angewählten Voices. Sehr praktisch ist seine, dem Modulationsrad zugewiesene Controller-Belegung. Betätigen wir den Touch-Button „Pad Mode“, ändert sich die Benutzeroberfläche wie folgt:

Subtile Klangrelevanz hat der mysteriöse Parameter „Inch Tapes“. Die Grundeinstellung (0) lässt sich auf 1 oder 2 erhöhen, doch was bewirkt er? Diese Funktion ermöglicht ein Fine Tuning des Sample- bzw. Tonbandstartpunktes, was bei schnellen Tonfolgen vorteilhaft sein kann. In Audiobeispiel 1 hören wir viermal hintereinander die gleiche Tonfolge nach folgendem Ablauf:

  • Piano: (Inch  Tapes: 0)
  • Piano: (Inch Tapes: 2)
  • Strings: (Inch  Tapes: 0)
  • Strings: (Inch  Tapes: 2)

Bei konzentriertem Hinhören erkennen wir bei dem höheren Wert ein akkurateres Timing und teilweise natürlicheres Klangbild, bei den Streichern ist dieser Unterschied deutlicher zu erkennen als bei dem ohnehin schon perkussiven Piano.

Loop / Voice D

Alternativ zum achtsekündigen Auslesen der Samples stehen zwei Loop Modi (3 und 5 Sekunden) zur Auswahl, was zum Einen bei lang gehaltenen Flächen von Vorteil sein kann und natürlich auch Vorzüge beim Speicher-Management hat. Somit ermöglicht der Loop Modus bei Bedarf die Nutzung einer weiteren Voice, der sogenannten Voice D, die über einen separaten MIDI-Kanal angesteuert werden kann.

Keyboard / Chord Memory

Im Standardfenster (inaktiver Pad Mode) präsentiert das M3000 zwei Touch Keyboards à 19 Touch Keys, worüber auf gut drei Oktaven die unter A/B/C eingestellten Sounds spielbar sind. Im Pad Mode dagegen steht nur ein Touch Keyboard zu Verfügung, wobei die Ansicht zwischen oberem und unterem Keyboard umschaltbar ist. Dafür bietet dieser Modus mit seinen insgesamt zwölf Pads ein weiteres interessantes Feature. Korrespondierend mit dem Record Button lässt sich pro Pad ein Akkord aufnehmen und abspielen, wodurch im Endeffekt Akkordfolgen von bis zu zwölf verschiedenen Akkorden quasi mit einem Finger spielbar sind. Da das polyphone Keyboardspielen m.E. nicht zu den Stärken von Touch Keyboards zählt, handelt es sich hierbei um ein sinnvolles Feature. Eine Latch- oder Hold-Funktion, wie man sie von anderen Instrumenten-Apps kennt, wäre hier von zusätzlichem Vorteil, ist aber leider nicht vorhanden.

Einbindung

Audiobus und Core MIDI ermöglichen die problemlose Einbindung in Setups innerhalb und außerhalb des iPads. Die virtuellen Potis sind von Class Compliant MIDI-Controllern und externen DAWs per MIDI CC# steuerbar. Die Kompatibilität zu Apples neuem Inter-App Audio Standard liegt noch nicht vor, wobei der Name „Inter-App Audio“ etwas zusammenhanglos und wahrscheinlich irrtümlicherweise schon in der Bedienungsanleitung auftaucht – ich werte es mal als Indiz dafür, dass ein kommendes Update die M3000-App mit diesem Feature aufwertet.

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