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Test
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18.07.2014

Praxis

Über einen weiten Anwendungsbereich wird der EQ two in der Praxis seinen anvisierten Zielen mehr als gerecht. In der Tradition typischer Konsolen-EQs stehend muss er sich prinzipbedingt allen Anforderungen stellen, also auf alle Signale losgelassen werden können. Und das löst sich in der Praxis auch ein! Sweetening ist hier das Programm, aber weniger durch eine samtig-weiche Klangfärbung (in der Tat klingen die Filter eher nüchtern und straff, bei ihrem technischen Aufbau auch kein Wunder…), sondern durch den eigentlichen Zuschnitt und die Form der Filterkurven. Das funktioniert auch im Doppelpack mit dem hauseigenen Preamp hervorragend, dessen ebenfalls eher straffer Sound sich mit dem EQ sehr schön aufwärmen beziehungsweise andicken lässt.

So lassen sich Vocals verfeinern, indem etwas Luft herausgekitzelt oder Fundament hinzugegeben wird, Bässen lässt sich ein schönes Knurren in den Tiefmitten verpassen. Wie effektiv der EQ two zupackt, zeigt das Bassdrum-Beispiel, bei dem der EQ aus einer verunglückten Aufnahme trotzdem noch einen soliden Körper herausholt. Wer das Zusammenspiel der extrem weichen Shelving-Filter und der dank ihrer weiten Ansatzfrequenzbereiche äußerst flexiblen Mittenbänder wirklich verstanden hat und für sich nutzen kann, der hat hier ein Frequenz-Tool an der Hand, das deutlich mehr leisten kann, als man ob der wenigen Bedienelemente erst einmal denken sollte. Dass der Sound insgesamt recht straff, nüchtern und trocken bleibt, muss dabei kein Nachteil sein. Hier geht es eben weniger um eine Klangfärbung als um ein Werkzeug zur Klanggestaltung. Diese Idee macht aufgrund der technischen Umsetzung mit Standard-Bauteilen ohne speziellen Eigenklang durchaus sehr viel Sinn. In anderen Worten: Der EQ two will einfach „nur“ ein flexibler, wirkungsvoller Entzerrer sein, und diese Pflichtaufgabe erledigt er mit guten Resultaten. Für die Kür, eine schöne Färbung durch Röhrenstufen oder Audio-Übertrager, bietet das Produktionsbudget denn auch keinen Spielraum.

An einer Stelle muss man allerdings aufpassen, gerade weil die Filter recht kraftvoll sind. Mit 21 dBm liegt der Headroom des Moduls nicht im Spitzenfeld, man kann sich also durchaus unschöne Verzerrungen einfangen, wenn man zu heftig aufdreht, gerade in den energiereichen Bässen und Tiefmitten. Da der EQ keinen Gain-Regler bietet, hilft hier dann nur, den Pegel des Signals an anderer Stelle zu verringern, bevor es in den Ocean-Audio-EQ läuft.

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