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17.08.2020

PRAXIS

Oszillatoren und Filter

Sind bereits beim Basisklang Unterschiede zu hören? Das finden wir heraus, indem wir jeweils mit dem jeweiligen Init-Sound beginnen sowie die Oszillatoren und Filter bearbeiten. Keine Sorge, wir wollen es nicht übertreiben, einige wenige Fallbeispiele genügen bereits, um einen Eindruck vom Grundsound der Synthesizer zu bekommen.

Bei Arturia und Synapse Audio ist ein solcher neutraler Ausgangspunkt schnell zu bekommen. Bei den anderen Synths ist die gesamte Sound-Srogrammierung etwas mühseliger, was nicht an zuvielen Parametern, sondern an der Oberfläche (GUI) liegt.

Wir spielen das „Sound Init“ der Reihe nach an. Dies ist der neutrale Startpunkt für routinierte Soundprogrammierer. Es ist ein Patch, das aus einem Sägezahn-Oszillator besteht und den rohen Klang ungefiltert passieren lässt. Die Oktavlage ist bei DiscoDSP anders und auch ansonsten fällt auf, dass schon bei einem Oszillator feine klangliche Unterschiede zwischen den Plug-ins zu beobachten sind.

Noch deutlicher werden die Unterschiede, wenn wir jetzt mit dem für Oberheim typischen 12dB-Tiefpass-Filter (2Pol) ansetzen und auch etwas an der Filterresonanz drehen. Bis auf den OP-X PRO-II (hier kamen Midi-Controller zum Einsatz) sind alle Instrumente in Logic pro X automatisierbar. Höre dir die nächsten vier Klangbeispiele einmal in aller Ruhe an. Ohne den Freeware-Synth von DiscoDSP zu kritisieren, klingt der OB-Xd offensichtlich am wenigsten analog (das „d“ im Produktnamen steht sowieso für digital).

Einzelne Patches

Wie klingen nun die Factory Patches der vier OB-X Emulationen in den beliebten Klangsparten? Ich habe spontan Klänge unter den mitgelieferten Presets ausgewählt, die mir gefallen und den Synth durchaus repräsentieren können, und jeden einzelnen Sound individuell und live angespielt. Insgesamt sind es 64 Presets (vier Synths in vier Kategorien mit jeweils vier Sounds), die demonstriert werden und einen Eindruck von den klanglichen Eigenschaften der vier Synthesizer geben. 

Kategorie Pad

Als polyfoner Analog-Synthesizer mit bis zu acht Stimmen ist der OB-Xa sehr gefragt für Flächen. Der OB-Xd kann sich sogar ohne Chorus, Reverb oder andere Effekte hören lassen. Bei Obsession habe ich bewusst auch Presets verwendet, die aus zwei Layer bestehen – das ist der einzige Kandidat in dieser Runde, der zwei Sounds schichten oder auch Keyboard Split anlegen kann wie das Original!

Nicht wundern, wenn es beim OP-X PRO-II nach Foreigner oder Nena klingt – die „Famous“-Bank von Sonicprojects muss natürlich demonstriert werden. Bei den Flächen kann man sich beim Arturia OB-Xa V in Richtung Ambient / Soundtrack treiben lassen – eine seiner Stärken.

Kategorie Bass

Nicht nur der Minimoog, auch Tom Oberheims Synthesizer sind für den Bass-Part willkommen. Ein frühes prominentes Beispiel ist das Bass-Thema des Fusion-Klassikers (Birdland) von Joe Zawinul, das aber offenbar aus dem Oberheim Four-Voice stammt. Alle vier Software-Synthesizer machen auf ihre Weise einen guten Job. Einen klaren Favoriten könnte ich nicht nennen, wobei ich für einen Retro-Synthbass den OP-X PRO-II und für moderne Elektronik den Arturia-Synth wählen würde.

Kategorie Brass

Neben den Pads sind es die warmen, satten und prägnanten Bläser, die viele Keyboarder bei den Oberheim-Synths schätzen. Auch wenn es kein klassischer Brass-Sound ist, darf als Referenz der „Jump-Sound“ nicht fehlen bei den Audio-Demos. Kraftstrotzend und lebendig klingt es bei Synapse Audio Obsession, ebenso stark ist OP-X PRO-II von Sonicprojects.

Kategorie Lead

Der Oszillator-Sync-Sound und andere Lead-Synthklänge beschäftigen uns beim nächsten Hörvergleich. Wie bisher klingen Arturia und Synapse Audio einen Tick moderner. Außerdem haben sie einen Vorsprung dank ihrer klanglich überzeugenden Effektsektion. Bei allen Synthesizern lassen sich in der Library viele und verschiedene Typen für einstimmige Soloparts finden. Es wäre schade, sich auf konstruierte A/B-Vergleiche mit Oszillator/Filter/LFO-Einstellungen auszuruhen.

Song-Arrangment 

Wie schlagen sich die Oberheim-Emulationen beim Produzieren? Um dies herauszufinden, öffnen wir jeweils drei Instanzen mit den Sounds (Bass, Pad, Lead bzw. Arpeggiator-Sound) für ein Song-Arrangement. Die zusätzliche Spur mit Drums kommt selbstverständlich nicht von der Oberheim-Emulation, sondern aus dem Sampler. In der täglichen Praxis ist ein solches Szenario eher unwahrscheinlich, wir wollen aber ausschließlich Klänge eines virtuellen OB-X vergleichen. 

Anhand von zwei einfachen Song-Layouts in unterschiedlichen Tempi (90 und 120 bpm) mit jeweils viertaktigem Basisschema testen wir erneut die Qualitäten. Verwendet werden ausschließlich Presets, die teilweise minimal abgewandelt wurden: Filterfrequenz, Hüllkurve (Attack) und Oktavlage. Nur rund fünf Minuten haben die Anpassungen gedauert.

Das Arrangement mit 90 bpm

Allgemeiner Eindruck: Arturia spielt qualitativ nicht weit oben, was man angesichts des stolzen Preises erwarten könnte. Auch ohne On-Board-Effekte liefert DiscoDSP gute Sounds, die Substanz haben. Wärme und Vintage-Charakter vermittet Sonicprojects. Einen schönen Crossover zwischen Retro und Moderne gibt es bei Synapse Audio zu hören – Obsession punktet klanglich mit Synth- und Effektausstattung.

Das Arrangement mit 120 bpm 

Gesamtbild: Gute und vor allem moderne Sounds sind bei Arturia schnell zu finden – auch dank des Browsers. Bei DiscoDSP musste auf die Schnelle ein MIDI-FX-Plugin von Logic helfen, denn ein Arpeggiator gibt es nicht beim OB-Xd. Das trifft ebenso auf Obsession von Synapse Audio, bei dem man aber für rhythmische Sounds auf den Step-LFO zurückgreifen kann. Der OP-X PRO-II von Sonicprojects ist zwar nicht trendy, aber bei den klassischen Oberheim-Sounds überzeugt er voll und ganz. 

Extras, Extras, Extras

Alles Retro? Keineswegs, vor allem Arturia und Synapse Audio haben ihre Synthesizer mit einigen sinnvollen Extras ausgestattet, die man bei einem originalen Oberheim-Synthesizer nicht bekommt. Damit lassen sich selber innovativere Klänge entwickeln, die eigentlich kaum noch an einen OB-X erinnern. Beim ausgiebigen Sounddesign mit beiden Software-Synths konnte ich wirklich keine Langweile verspüren – im Gegenteil! Die folgenden Beispiele deuten an, was man aus dem Arturia OB-Xa V und dem Obsession Synpase Audio noch heraus kitzeln kann, wenn es wirklich etwas aktueller klingen darf. 

Moderne Sounds mit dem Arturia OB-Xa V 

Der Arturia OB-Xa V beherrscht die rhythmische Modulation sehr gut. Bei ersten Audiobeispiel wirkt eine Modulationslinie auf das Arpeggiator-Tempo. Zudem wird der Reverb-Anteil per Modulationsrad gesteuert. Rhythmisch modulierbar ist aber auch die gute und umfangreiche Effektsektion des OB-Xa V. Im zweiten Audiobeispiel bzw. dem Arpeggiator-Sound sorgt vor allem der BitCrusher für Schmutz. Spätestens beim dritten Beispiel wird klar, dass Arturia viele neue Möglichkeiten einräumt. Technoide Phrasen lassen sich sehr einfach konstruieren, hier mit Crossmodulation der Oszillatoren.

Moderne Sounds mit dem Synapse Audio Obsession 

Beide LFOs und die Effekte sind die Sweet Spots fürs kreative Design mit Obsession im ersten Beispiel. Das Dry/Wet-Verhältnis beim Chorus-Effekt wird rhythmisch mit dem Step-LFO (Zackenmuster) moduliert. Zudem besteht dieses Preset aus zwei Layer (Dual-Mode). Der Shimmer-Reverb von Obsession macht sich beispielsweise gut für Themen und andere einstimmige Parts (auch Unisono). Bei diesem cinematischen „Big Theme“ im zweiten Beispiel wirkt er wie ein tragendes Element. Rhythmische Compings per Step-LFO, der auf die Filterfrequenz einwirkt, sind bei Obsession leicht zu erstellen – zu hören im dritten Beispiel.

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