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Test
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03.08.2012

PRAXIS

BEDIENUNG & HANDLING

LIVE-Modus
Die C2D erhebt den Anspruch, die ultimative portable Orgel für Live-Keyboarder zu sein. Dazu muss sie sich auch „live“ spielen und bedienen lassen, denn ein guter Orgelsound lebt vom Spiel mit den unterschiedlichen Klangfarben. Und hier trifft die überarbeitete Bedienoberfläche mit den Drawbars voll ins Schwarze. Der Live-Modus, der schon von der Stage-Serie und den C1/C2-Orgeln bekannt ist, gibt den aktuellen Ist-Zustand aller Parameter wieder. Jede kleine Veränderung wird zwischengespeichert und steht beim nächsten Aufrufen bzw. Einschalten sofort wieder zur Verfügung. Man hat alle Soundfacetten und Effekte jederzeit im Auge und im Griff und kann sofort loslegen ohne sich mit Programm-Anwahl und Menüs herumschlagen zu müssen. Einfach Spielen! Yeah! Das Ziehen an den Zugriegeln gibt der Spielfreude nochmal einen extra Kick. Dabei sind die Drawbars haptisch etwas schwergängiger als bei Konkurrenzprodukten und "flutschen" auch aufgrund der deutlich spürbaren Rasterung nicht so schön wie z.B. beim Ocean Beach DB-1. Man muss die Faderbewegung bis zum Ende ausführen. Dennoch lassen sie sich angenehm bedienen.

PROGRAM-Mode
Natürlich ist es aufgrund der verschiedenen Orgelmodelle und vielfältigen Bearbeitungsmöglichkeiten vorteilhaft, wenn man seine Lieblingseinstellungen speichern und auf Knopfdruck wieder aufrufen kann. Dafür gibt es insgesamt 126 Programs. In einem Programm werden alle vorgenommenen Einstellungen abgespeichert, also Presets, Effekte und Menü-Edits. Die ersten 104 Plätze sind mit Werksprogrammen belegt, die nach Organisten, Stilen und berühmten Orgel-Songs benannt sind und das gesamte Orgelspektrum abdecken. Die übrigen 22 Programme sind leer und können mit eigenen Kreationen belegt werden. Selbstredend sind die Werksprogramme überschreibbar.

Das Anwählen eines Programms geht ausschließlich über die VALUE-Tasten. Man kann sich entweder mühselig durch die 126 Speicherplätze steppen oder mit gedrückten Tastern durch die Programs scrollen. Leider ist das Display sehr träge und braucht lange, bis es das nächste Program anzeigt. Beim Scrollen werden die Programme deshalb nur stichprobenhaft angezeigt und man trifft selten auf Anhieb den gewünschten Speicherplatz.

An dieser Stelle noch ein Wort zur Werteeingabe. Die jeweiligen Menüs werden über die SHIFT-Funktion in Verbindung mit den jeweiligen Menu-Tastern aufgerufen. Den gewünschten Parameter wählt man mit den VALUE-Tastern aus und verändert mit SHIFT-VALUE den Wert. Dieses System wurde von der C2 übernommen, wo es aufgrund des kleinen dreistelligen LED-Display wunderbar funktionierte. In Verbindung mit dem größeren Klartextdisplay der C2D jedoch erscheint diese Art der Bedienung irgendwie umständlich und gewöhnungsbedürftig. Ein Endlospoti hätte den Workflow besser an das neue Display angepasst. Im Moment weist das Bedienkonzept also noch einige Lücken und Ungereimtheiten auf.

Die Bedienungsanleitung gibt es in gebundener Form und als Download im PDF-Format, aber im Moment leider nur auf Englisch. Sie ist zwar gut strukturiert und recht knapp gehalten, mir fehlen allerdings hier und da ein paar genauere Infos. 

SOUND
War der Sound der C2 schon nahe am Original dran, legt die C2D mit dem neuen Keyclick, der neuen Percussion und dem Overdrive-Effekt noch mal an Authentizität zu. Durch die aufwendige Kombination aus variierenden und anschlagabhängigen Samples klingt der Keyclick der Nord C2D äußerst lebendig und schmatzt wunderbar authentisch vor sich hin, da er weder vorhersehbar noch kontrollierbar ist. 

Auch die neue Percussion ist eine wirkliche Verbesserung. Sie klingt metallischer, aggressiver und durch Lautstärkeunterschiede bei verschiedenen Tönen unausgewogener als bei der C2. Sie lässt sich sehr authentisch spielen, weil sie bei deutlichem Anschlag erklingt und bei Legatospiel verstummt. Neu ist nun, dass es auch Mittelwerte gibt, wodurch ein zufälliger Übergang von Klingen zu nicht Klingen entsteht. Dadurch verleiht sie dem Sound mehr Lebendigkeit und ist durchsetzungsfähiger. 

Der Rotary-Effekt ist eine detailreiche Simulation eines Leslie-Kabinetts. Die Parameterauswahl reicht aus, um den Effekt zu tunen und dem eigenen Geschmack anzupassen. Die clever gewählte Anzahl der Parameter ermöglicht ein intuitives Arbeiten. Zu viele Parameter verwirren nur.

Der Sound des „neuen“ Leslie 122 klingt mittiger und dumpfer, mit weniger Bassanteilen als das 145er. Daher verschwimmt der Tremolo-Effekt etwas und hat weniger räumliche Tiefe. Die „Closed“-Variante des 122 bezieht sich auf eine nähere Mikrofonpositionierung. Diese klingt intimer und indirekter als die „normale“ 122er-Simulation. Dafür ist hier der Rotoreffekt deutlicher hörbar. Im nächsten Klangbeispiel ist zunächst das 145er-Modell, danach das 122er und zum Schluss das 122er in der „Closed“-Version zu hören.

Wie schon bei der C2 fehlt dem gesamten Effekt im Vergleich zu einem echten Kabinett etwas die räumliche Tiefe und auch mit der Breite eines Ventilators von Neo Instruments kann die C2D nicht mithalten. Dennoch ist der Effekt sehr gelungen und brauchbar.

Beim Klang des Overdrive-Effektes hat sich ebenfalls einiges getan. Der Verzerrer klingt in den Höhen zwar scharf, aber nicht mehr so kratzig wie bei der C2. Unten herum ist er bauchiger und wärmer geworden. Der neue Overdrive ist sehr gelungen und klingt bissig, britzelnd, bratend und viel mehr nach Röhrenzerre. 

Delay und Reverb sind zwar einfach gehalten, klingen aber beide sehr sauber. Das Delay ist zum Erzeugen moderner und auch psychedelischer Orgelsounds kreativ und intuitiv einsetzbar. Der Hall verleiht dem Orgelklang einen schönen Raumklang, wovon hauptsächlich die Pfeifenorgelsounds profitieren.

Die Samples des Pipe-Organ-Modells klingen in den mittleren Lagen sehr warm, weich und haben ein schönes Anblasgeräusch. In den hohen Lagen kommt ein leichtes Aliasing hinzu und die Sounds klingen dünner, kraftloser und synthetischer. Das Anblasgeräusch wird hier durch eine längere Attackphase herausgefiltert. Der Sound schwingt wie beim Synthesizer allmählich ein. Die Bässe kommen vor allem in Verbindung mit einem entsprechenden Pedal unwahrscheinlich mächtig rüber. Die Membranen meiner Abhöre waren sichtlich gefordert! Es klingt, als wären die Samples für Ober- und Untermanual überwiegend die gleichen, wurden aber mit Filter und Attack bearbeitet, um einen dumpferen, weicheren Charakter zu bekommen. Das Spielgefühl profitiert vom hohen Trigger-Punkt der Tastatur. Mir macht es viel Spaß, mit dem Pfeifenorgelmodell zu spielen. 

Die beiden Transistororgeln klingen roh und ungeschliffen. Die Vox hat einen reibenden, rauhen Grundsound mit der nötigen „Transistorkälte“ um sich durchzusetzen, während die Farfisa wunderbar nasal und sägend tönt. Beide Sounds kann man mit den Speaker-Modellen und Effekten zurecht schleifen, so dass z.T. auch synth-ähnliche Klänge entstehen.

Beim direkten Vergleich zwischen C2 und C2D fällt auf, dass die C2 etwas mehr Power und mehr Bässe erzeugt. Durch die neuen Features klingt die C2D insgesamt jedoch noch authentischer.

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