Test
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24.06.2020

Praxis

Der S3 läuft mit Traktor Pro 3 ab Version 3.2.1, die es nach Registrierung respektive als Update via Native Access gibt. Die Traktor DJ 2 Freeware gibt es ebenfalls über Native Access. Der S3 wird mit dem Laptop und den Speakern verbunden und glänzt zunächst noch mit vornehmer Zurückhaltung, solange kein Rechenknecht angeschlossen ist. Standalone läuft hier nämlich (noch) nichts, auch der Hilfseingang nicht und auch nicht das Mikrofon. Gegenüber dem S2 sind neben Größen und Gewichtsänderungen im Wesentlichen folgende Änderungen am S3 festzustellen:

Vorn und hinten

  • zusätzliche XLR-Outputs und Booth-Ausgang in Klinke
  • zusätzlicher 6,3-mm-Kopfhörerausgang
  • XLR/Klinke-Combo statt 6,3-mm-Klinke
  • zusätzlicher Cinch-Eingang
  • Bedienoberfläche
  • 4 Kanäle statt 2
  • AUX/Line auf Kanal 3 routbar
  • zusätzliche und längere LED-Ketten
  • viel längerer Tempofader
  • dedizierte Filter-Button
  • Vinyl-Taste zur Jogwheel-Umschaltung
  • Preview-Player
  • Rating-Taste
  • Deck-Switches
  • kein Sample-Volume-Regler mehr
  • Beschriftung der „iOS“-Buchse („iPad“ beim S2)

Stromversorgung

Vorweg vielleicht auch noch dies: Für den Betrieb mit dem iPad ist das S3-Netzteil wohl Pflicht. Zumindest ließ sich zum Testzeitpunkt mit meiner Power-Bank (5V /1A - 5V / 2,1A) kein mobiles Setup einrichten. Der S3 bestätigt zwar Vegas-Mode-like eine Stromverbindung, doch das iPad bleibt gelassen und macht… nix. 

Am Rechner benötigt ihr das Netzteil nicht unbedingt, da reicht auch das USB-Kabel aus. Aber mit dem zusätzlichen Stromadapter am Controller gibt es viel mehr Output/Lautstärke und eine wesentlich bessere Statusbeleuchtung/Lightshow.

Traktor DJ2 APP / MAC

Die Software erkennt unseren Testkandidaten auf Anhieb und ermöglicht das Auflegen auf zwei Decks plus Hilfseingang. Die Pegelmeter fallen schön lang aus und die EQs greifen musikalisch statt brachial ins Geschehen ein. Dementsprechend gibt’s auch keinen Full-Kill. 

Einige Funktionen am Controller sind deaktiviert, darunter Samples, Kanal 1 und Gridding sowie Preview-Player. Dafür gibt’s Scratching, Autosync und Keylock, eine Prepare-Liste, Hotcues und Loops, Flux und Reverse sowie eine Unterstützung von Soundcloud go+ in einem stromlinienförmigen und durchdachten GUI mit Ansichtsumschaltung.

Quantisierung, Audioeinstellungen und Crossfadercurve sind via Preferences zugängig. Ein eingeschleiftes Signal via Warm-Up-Smartphone (Stichwort: Spotify Playlist) landet auf Kanal 3 und kann mit den internen Traktor-FX bearbeitet werden. Das Gleiche gilt für das Mikrofon, dem die FX ebenfalls zur Verfügung stehen.

Kaum anders stellt sich dies beim iPad dar. Ist dieses verbunden, was glücklicherweise mit dem Standard-Ladekabel zu bewerkstelligen ist, statt über umständliche Adapterkabel, Camera Connection Kits oder sonstige Umwege zu gehen, muss man sich kaum umgewöhnen. Und auch hier können Aux-In und Mike sowie FX auf Kanal 3 angewandt werden.

Wer also ein besonders schlankes und leicht zugängliches Software-System sucht, das sowohl auf dem Laptop/Desktop wie auch auf dem Tablet ohne riesigen Ressourcenhunger läuft – Traktor DJ 2 (hier im Test) ist die Lösung. Aber eines ist sicher auch richtig: Der S3 ist für diesen Zweck schon fast „zu viel des Guten“ – denn der S2 MK3 (hier im Test) ist für diesen Zweck die preiswertere Option, wenngleich der Aux-In und die umfangreichere Mikrofonbeeinflussung (FX, EQs) fehlen.

Die volle Bandbreites des S3-Controllers gibt’s bei NI allerdings nur mit …

Traktor Pro 3

Traktor Pro 3 hat zum Vorgänger einige Neuerungen zu vermelden, darunter ein überarbeitetes GUI, stapelbare Waveforms, die optimierte Elastique 3.3 Timestretching-Engine und Harmonic-Mixing-Features wie Key-Pitching, farbliche Indizierung von Tonarten oder die Möglichkeit, gezielt nach einem Key-Wert zu suchen. Einen Test zur Traktor 3 Software findet ihr hier.

Für den Kontrol S3 bedeutet dies nun gegenüber Traktor DJ 2 auch, dass sich zwei weitere Decks dazugesellen und DJ die Möglichkeit hat, auf den Remix-Decks zusätzliche Samples und Acapellas abzufeuern. Dazu lässt sich 4-Deck-Loop-Action mit den Encodern betreiben, Beats überspringen, Scratchen und Cuejuggeln – dank Sync, Snap und Quantisierung alles im Takt.

Vier dedizierte Cue-Tasten lassen euch dabei einen oder alle Kanäle gleichzeitig abhören und zum Summensignal auf dem Kopfhörer zumischen – so gewollt. Apropos Vorhören: Neu an diesem Controller ist übrigens auch eine Taste für den Preview-Player, und das direkte Hinzufügen eines Tracks in die Queue-Playlist ist ebenfalls möglich und sehr sinnvoll. Besonders hervorzuheben ist dabei auch hier das klasse Jogwheel mit seiner LED-Ring-beleuchtung, das Deck-Farbe (Layer), Track-End-Warnung oder aktive Loops durch entsprechende farbliche Beleuchtung kenntlich macht.

Der Dreiband-EQ im Channel-Strip wartet außerdem mit flexibler Klangcharakteristik auf, die sich in den Software-Einstellungen festlegen lässt. Dazu gesellt sich ein griffiger, großer Drehregler für die Mixer-FX, derer acht (Reverb, Dual Delay, Noise, Time Gater, Flanger, Barber Pole, Dotted Delay, Crush) nebst drei selektierbaren Filtermodellen (Ladder, Xone, Z) sich ebenfalls via GUI definieren und über die Direktzugriffstasten scharf schalten lassen. Prima, um Bild-Up, Break-Downs und spezielle Übergänge zu bewerkstelligen. Vielleicht sind die MFX hier und da etwas zahm aber man könnte wohl genauso gut sagen einsteigerfreundlich parametrisiert. Das liegt im Auge des Betrachters.

Das Filter hat on top eine eigene Taste spendiert bekommen. Eigentlich wäre es nicht schlecht gewesen, ließen sich damit via Shift auch gleich die diversen Emulationen anfahren. Unterschiedliche Mixer-FX pro Kanal sind ebenfalls nur via GUI auszuwählen, nicht via Shift-Funktion.

Der Workflow beim S3 hat sich in der Summe an einigen Stellen noch verbessert und es macht zweifellos Spaß, mit diesem Controller zu arbeiten. Wer mag, kann auch einen Line-fähigen Turntable am entsprechenden Input zum Scratchen im DVS-Mode andocken, aber das nur am Rande. An der Klangqualität und Performance gibt es in meinen Augen ohnehin nichts auszusetzen.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten – zumindest, wenn man Anhänger der „good ole“ traktorschen FX-Chain ist. Also dem traditionellen Steuer-Konglomerat aus vier Drehreglern und ebenso vielen Tasten, die drei verkettete Klangschredder dirigieren oder einen FX im Detail knechten. Seit Anbeginn der Controllerism-Ära eigentlich ein Aushängeschild diverser Steuereinheiten und Garant dafür, dass man den einzelnen Loops und Tracks in den Decks auf vielfältige Weise auf die Pelle rücken konnte.

Nun setzt der S3 stattdessen auf die Mixer-FX, was dem Controller aus visuellem Aspekt durchaus zugutekommt, da er um einiges aufgeräumter wirkt. Gleichwohl fokussiert man so eine Klientel, die weniger Wert auf mannigfaltige FX-Tiraden legt und vielleicht einen Pluspunkt in der Reduktion findet. Warum auch nicht – es gibt ja auch noch den Kontrol S4 MK3.

Konkurrenzsituation

Mittlerweile werden 499 statt 599 Euro (Erstauslieferungspreis) für den S3 inkl. Traktor Pro 3 aufgerufen. In diesem Preissegment tummeln sich einige DJ-Tools der Konkurrenten, primär „Zweikanäler“, darunter der Pioneer DDJ-SR2 oder Roland DJ-505, beide für Serato. Vier "Mischpultkanäle“ bieten Numark NS6 III und Numark NV sowie Reloop Mixon 4 und Reloop Touch, die für VDJ oder Serato konzipiert sind und um die 500 bis 600 Euro Straßenpreis kosten. Sie dürften die Hauptkonkurrenten zum S3 darstellen.

Möchte man einen 4-Kanäler für rekordbox dj erstehen, sind rund 1000 Euro fällig, allerdings gibt’s dann auch deutlich mehr Ausstattung wie einen Standalone-Mixer für Plattenspieler und CDJs usw. Das braucht aber nicht jeder und hier wäre dann im Traktor Lager auch der S4 MK3 am Start. Der Preis darf in Anbetracht des Gebotenen und der Softwaredreingabe/Kompatibilität aber als durchaus marktüblich eingestuft werden.

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