Gitarre Hersteller_MXR
Test
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19.01.2021

Praxis

Für die Soundfiles spiele ich das Pedal mit dem jeweils angegebenen Gitarrenmodell direkt vor einem 73er Fender Bassman-Topteil und gehe von dort in die Faltung eines 4x12" Celestion PreRola Greenbacks.
Den Anfang macht eine Fender Stratocaster. In diesem halbwegs moderaten Setting wird sofort klar, was man mit "transparentem Overdrive" meint, denn die grundlegenden Charakteristika meines Bassmans bleiben hervorragend erhalten und es gesellt sich lediglich eine extrem natürliche Zerre hinzu. Sehr positiv fällt auch auf, dass die Noten des Pickings wunderschön getrennt aufgelöst werden und kein Klangbrei entsteht.

Bass Gain Volume Treble Clipping
9:00 11:00 12:00 13:00 mitte

Die Erhöhung von Gain und Volume beeinflusst je nach Amp natürlich auch das Verhalten der tiefen und hohen Frequenzen. Erfreulicherweise arbeiten der Bass- und Treble-Regler jedoch sehr feinfühlig und auch interaktiv mit dem Gainpoti zusammen. Das bedeutet, dass man bei erhöhtem Zerrwert mit den EQ-Potis möglicherweise etwas kompensieren muss, um die transparenten Qualitäten des Timmys genießen zu können. Andernfalls kristallisieren sich im Bass immense Lowend-Reserven heraus, die man bei vielen Amps meist gar nicht einsetzen muss. Wer jedoch z.B. eine Telecaster spielt oder generell seinen Sound etwas fetter haben möchte, findet hier ein sehr potentes Tool.
Im Verbund mit höheren Zerrgraden treten auch die Brillanzen etwas hervor und Treble-Settings jenseits der 15-Uhr-Stellung können auch schnell zum „Gifteln" neigen, was sich durch Zurücknehmen des Potis jedoch mühelos entschärfen lässt. Im folgenden Setting hört ihr eine Low-Gain-Einstellung mit einem etwas höheren Treble-Anteil.“

Bass Gain Volume Treble Clipping
10:00 9:00 13:00 15:00 links

Auch wenn der Timmy-Zerrer eher als Mid- bis Lowgain-Drive gehandelt wird, liegen hier, je nach Amp, doch einige Gainreserven verborgen, die durchaus massive Rockbretter generieren können. Dazu hört ihr hier eine Les Paul.

Bass Gain Volume Treble Clipping
9:00 15:00 13:00 15:00 mitte

Die drei Clipping-Modes liefern wirklich sehr unterschiedliche Sounds, wobei mir persönlich das linke und das mittlere Setting am meisten zusagen. Interessanterweise fördern diese Modi auch leicht unterschiedliche Verhaltensweisen und Reaktionen der EQ-Potis zutage, sodass hier etwas Herumprobieren definitiv sinnvoll ist. Grundsätzlich stimmt das Klangergebnis mit der Beschreibung im Manual relativ treffend überein. Links, beim asymmetrischen Clipping, klingt der Sound offen und hat einen etwas "rockigeren" Punch, während die symmetrische Mittelstellung einen Hauch natürlicher, aber ebenfalls sehr offen daherkommt. Das rechte Setting bringt ebenfalls symmetrisches Clipping, ist aber komprimierter, leiser, und mit mehr Gain.

Bass Gain Volume Treble Clipping
12:00 12:00 12:00 15:00 links-mitte-rechts

Wie oben erwähnt, bieten die Gainreserven einen großen Spielraum, den ich irgendwo zwischen fast clean über bluesig bis hin zu dicken Classic-Rocksounds verorten würde. Gerade in der ersten Regelweghälfte empfinde ich den Crunchsound als unglaublich inspirierend und man bekommt wirklich das Gefühl, nicht nur das Pedal, sondern eine sehr musikalische Symbiose aus Overdrive und Amp zu hören. In höheren Settings jenseits der 15-Uhr-Marke wird der Sound deutlich komprimiert und bekommt in den tiefen Frequenzen eine leicht fuzzige Note, weshalb ich hier auch nicht den primären Haupteinsatzbereich des Timmys sehen würde.
Wie erwartet, ist auch die Dynamik des Pedals unglaublich feinfühlig und Sounds von nahezu clean bis zu punchigem Rockbrett lassen sich problemlos nur mit dem Volume-Poti an der Gitarre herausarbeiten. In den folgenden Beispielen kommt eine Telecaster zum Einsatz.

Bass Gain Volume Treble Clipping
13:00 9-12-15-max 12:00 14:00 mitte

Bass Gain Volume Treble Clipping
10:00 14:00 13:00 11:00 links

Leadsounds kommen über den Timmy sehr direkt und ehrlich. Hier wird nichts beschönigt oder kaschiert, sondern ziemlich genau das übertragen, was ins Spiel hineingegeben wird. Der Sound klingt dabei präsent, durchsetzungsfähig, und macht mit seiner Klarheit ganz großen Spielspaß.

Bass Gain Volume Treble Clipping
11:00 15:00 12:00 13:00 mitte

Da ich stolzer Besitzer eines Timmy 15th Anniversary V3 Edition bin, möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten, wie sich der MXR Namensvetter im Vergleich zum Original schlägt. Dieser kann zwar mit bis zu 18V betrieben werden, aber der Fairness halber betreibe ich beide Modelle mit 9V im symmetrischen Clipping mit viel Headroom. Zu meinem Erstaunen musste ich feststellen, dass identische Regler-Settings hier nicht zu gleichen Ergebnissen führen, sondern die Potiauslegung grundsätzlich unterschiedlich ausfällt, besonders der EQ. Nach etwas Tweaken schaffe ich es, beide Pedale in ein nahezu identisches Feld zu bekommen und man erkennt ganz klar, dass hier die gleiche Pedal-DNA vorliegt. Beide Timmys können extrem ähnlich klingen, allerdings besitzt die Anniversary Version für mich etwas mehr Luftigkeit, klingt "größer", offener, und näselt etwas weniger in den Mitten. Dies sind allerdings Nuancen und man muss bedenken, dass die Anniversary Edition seinerzeit für 200 bis 250 Euro über die Ladentheke ging, also deutlich teurer war.

Bass Gain Volume Treble Clipping
min 13:00 13:00 14:00 mitte

Zum Abschluss hört ihr den kleinen Timmy im Bandkontext mit einer gehörigen Prise Reverb und Delay. Die Gitarre ist eine Stratocaster und der Amp immer noch der Fender Bassman.

Bass Gain Volume Treble Clipping
9:00 13:00 13:00 14:00 mitte
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