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Test
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09.03.2012

Motion Sound PRO-3X Test

Rotary Horn Amplifier

Rotor To Go

Echte Leslie-Kabinette klingen fett, sind aber groß und schwer. Digitale Rotoreffekte hingegen sind klein und handlich, doch dem Sound fehlt es meist an Tiefe. Motion Sound versucht eine Brücke zwischen beiden Welten zu schlagen und bietet mit dem PRO-3X ein echtes Rotorkabinett als Add-On für Keyboard-Verstärker an, das man trotz seines rotierenden Horns unter den Arm klemmen kann.

Als kompakte Lösung, die dennoch einen echtes, rotierendes Horn enthält, wendet sich das Gerät an Organisten, denen ein Original-Leslie-Kabinett zu sperrig und eine digitale Simulation zu leblos ist – keine schlechte Idee! Wir haben getestet, ob auch der Sound den hohen Ansprüchen genügen kann.

DETAILS

Das rotierende Horn des Leslie-Leichtgewichts ist mit einem für Motion Sound modifizierten Eminence-Speaker bestückt und wird von einer Transistorendstufe mit 45 W Leistung versorgt. Im Vorverstärker arbeitet eine spezielle V-FET Schaltung mit zwei Charakteristiken. Eine elektronische Schaltung simuliert den Effekt eines sich drehenden Bassrotors, dessen Trennfrequenz zum Horn bei 800 Hz liegt. Für die Abnahme des Horns ist das PRO3-X zusätzlich mit einem integrierten dynamischen Mikrofon ausgestattet. Ein Equalizer rundet die umfangreiche Ausstattung ab. Doch dazu später mehr.

Gehäuse

Zunächst überrascht beim Auspacken das sehr geringe Gewicht. Mit gerade mal 12,2 kg ist das PRO-3X der leichteste mechanische Rotor-Amp, den ich kenne, mit dem seitlich montierten Trageriemen lässt er sich zudem wirklich angenehm transportieren. Schwarzer Strukturlack schützt das Gehäuse vor Beschädigungen. Aus dem selben Grund sind die Rotoröffnungen mit schwarzgrauem Stoff bezogen. Und das ist auch gut so, denn die beiden glatten Holzleisten, die auf der Unterseite montiert sind, bieten dem Gerät bestimmt keinen sicheren Halt. Platziert man es auf einem Keyboardverstärker, rutscht es schon bei leichten Berührungen munter hin und her. Eine dezente „Do not touch!“-Warnung für die Kollegen wäre hier nicht ganz unangebracht.

Abgesehen von der Kaltgerätebuchse und dem Netzschalter tummeln sich alle Anschlüsse und Bedienelemente an der Vorderseite des Gerätes und sind zum Schutz ins Gehäuse eingelassen. Obwohl sich einige Reglerkappen abziehen lassen, macht die Verarbeitung dennoch einen qualitativ überzeugenden Eindruck.

Vorstufe

Nachdem das Orgelsignal an die Mono-Klinkenbuchse des Eingangs angeschlossen wurde, durchläuft es zunächst den Vorverstärker, dessen Gain-Poti den Grad der Verzerrung regelt. Interessant ist hierbei die so genannte V-FET-Schaltung, die den Sound eines Röhrenverstärkers simuliert. Sie bietet zwei unterschiedliche Klangcharakteristiken, die mit dem FET-Mode-Regler stufenlos überblendet und gemischt werden können. Mode A hat aufgrund vieler gerader Obertöne einen smootheren Sound, während Mode B einen härteren und raueren Charakter aufweist.

Equalizer

Der motivierte Autor hatte in seinen Skizzen für den Testbericht schon Platz für die üblichen drei EQ-Bänder Höhen, Mitten und Tiefen reserviert, stutzte aber bei näherer Betrachtung des Testobjektes: Es gibt nur einen Treble-Regler für die Bearbeitung der Frequenzen über 3 kHz und einen Mid-Regler für die breitbandige Beeinflussung der mittleren Frequenzen zwischen 300 Hz und 3 kHz. Wo zum Teufel ist der Regler für die Bässe geblieben? Doch warten wir noch kurz ab...

„SIM“-Salabim

Hinter der Bezeichnung „SIM“ verbirgt sich die elektronische Simulation des Bassrotors eines originalen Leslie-Kabinetts. Sie verwirbelt alle Frequenzen unter 800 Hz, wie es auch beim Vintage-Vorbild der Fall ist. Mit den beiden Reglern Low und High lässt sich der Sound dieses Frequenzbereiches noch einmal individuell anpassen. Low nimmt dabei Einfluss auf die tiefen Frequenzen unter 300 Hz (Aah, da ist ja das dritte EQ-Band!) und simuliert das Klangverhalten eines nahe platzierten Mikrofons. High arbeitet über 300 Hz und soll dem Sound mehr Räumlichkeit verleihen. Das Signal der Bass-Rotor-Simulation hat seinen eigenen Ausgang. Über die unsymmetrische SIM-Klinkenbuchse kann der Bassbereich an einen zusätzlichen Verstärker oder Subwoofer weitergeleitet werden. Ein gutes Feature, wie ich finde, denn so kann man das PRO-3X zu einem vollwertigen stand-alone Rotor-Kabinett erweitern.

Einen kleinen Tipp hierzu hätte ich noch: Man sollte darauf achten, dass der externe Verstärker auch Frequenzen bis 800 Hz hinauf überträgt. Bei Verwendung eines reinen Subwoofers entsteht sonst ein Loch im Frequenzspektrum zwischen jenen 800 Hz bis zur Einsatzfrequenz des Subwoofers, die meist zwischen 100 und 150 Hz liegt. Motion Sound zielt wahrscheinlich auf die Verwendung der hauseigenen Keyboardamps der KP-Serie als Ergänzung zum PRO-3X ab. Aber auch der Subwoofer SW-15 käme dafür in Frage. Sein Frequenzgang endet bei 300 Hz, wodurch das oben genannte Loch in den mittleren Frequenzen zwar entsteht, aber nicht ganz so ausgeprägt zum Tragen kommt wie bei den meisten anderen Subwoofern. Der Sound wird dadurch etwas dünner und aggressiver. Dafür produziert der SW-15 sattere, druckvollere Bässe als ein reiner Keyboardverstärker. Für bassspielende Organisten könnte dies eine transportable Alternativlösung zum klobigen Leslie-Schrank darstellen.

MIX

Am MIX-Ausgang, der ebenfalls als unsymmetrische Klinkenbuchse ausgelegt ist, vereinen sich das Signal der Bass-Simulation und das Mikrofonsignal des Hornrotors. Zusammen treten sie von hier aus ihren gemeinsamen Weg ins FOH-Pult an, wo sie nur einen Kanal benötigen. Nur einen? Ja, denn bei nur einem eingebauten Mikro würde ein Stereosignal keinen Sinn ergeben. Dennoch erweist sich der MIX-Output in Verbindung mit dem zugehörigen MIX-Poti als äußerst flexibel. Mit diesem Regler kontrolliert man die Balance zwischen Horn- und Bass-Rotor. In jeweiliger Maximalstellung wird der andere Bereich sogar komplett ausgeblendet. Benutzt der experimentierfreudige Tastenmann den SIM- und den MIX-Ausgang gleichzeitig (also doch zwei Kanäle am Pult), kann er dem Tontechniker zwei sauber getrennte Signale vom Horn und vom Bass geben und ihm so die Kontrolle über die Balance überlassen. Spielt er das PRO-3X stand-alone in Verbindung mit einem Keyboard-Amp, kann er den MIX-Out an einen weiteren Verstärkerkanal anschließen und so entweder das Horn-Signal oder den Bass-Rotor noch einmal – also doppelt – verstärken. Könnt ihr mir noch folgen?

Ein Regler bleibt noch übrig: Das Volume-Poti regelt die Gesamtlautstärke des PRO-3X und beeinflusst alle Ausgänge.

SLOW/FAST/STOP

Das Besondere an einem Rotorkabinett ist, dass man zwischen den beiden Drehgeschwindigkeiten SLOW und FAST umschalten kann. Das erzeugt diesen unverkennbar breiten, wirbelnden Sound. Als dritte Alternative gibt es den STOP-Mode, wobei beide Rotoren still stehen. Mit dem PRO3X wird zu diesem Zweck erfreulicherweise ein stabiler Doppelfußschalter samt Kabel geliefert, der an die Pedal-Buchse angeschlossen wird. Zusätzlich gibt es auf der Frontseite eine kleine gelbe LED, die durch langsames oder schnelles Blinken die aktuelle Rotationsgeschwindigkeit sichtbar macht.

Eine Besonderheit der Motion Sound-Kabinette ist, dass die Drehgeschwindigkeiten sowie die Anlaufzeit der Rotoren mittels Potis, die auf die Platine im Inneren des Gehäuses gelötet sind, dem eigenen Geschmack entsprechend justiert werden können. So auch beim PRO-3X. Ich persönlich finde das ein sehr schönes Feature. Der einzige Nachteil ist, dass man dafür das komplette Gehäuse aufschrauben muss. Als Vorbild für die Werkseinstellung diente übrigens ein Leslie Modell 147.

Das PRO-3X wartet trotz seiner Einfachheit mit vielen sinnvollen Features zur Klangbearbeitung auf. Darüber hat man bei Motion Sound offenkundig gut nachgedacht. Doch wie wirkt sich das alles nun auf die Praxis aus?

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