Test
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26.01.2012

PRAXIS

Von den Fotos im Netz her habe ich mir den Mode Machines Synthlab SL-1 kleiner vorgestellt. Aber so klein ist er mit seinen 31,8 x 19,5 x 7,4 cm gar nicht! Auf dem Foto unten habe ich mal einen typischen Bodentreter zu Größenvergleichszwecken danebengestellt. Mit im Karton sind ein Netzteil von beachtlicher Größe und ein in deutscher Sprache verfasstes Handbuch in Papierform. Wer lieber am Bildschirm liest, kann sich das Handbuch auch bei www.modemachines.com als PDF herunterladen.

Das Gehäuse des Synthlab SL-1 ist aus stabilem Metall, Farbgebung: Hellgrau/Metallic. Die Bezeichnungen der Parameter sowie viele optische Strukturierungshilfen sind in schwarz auf der Oberfläche aufgedruckt. Der SL-1 ruht auf vier Gummifüßen; die Seitenteile bestehen aus hellem, klar lackiertem Holz. Seine Potis sind aus weichem Gummi und haben für meinen Geschmack etwas zu viel Spiel in ihren Verankerungen. Sie funktionierten in meinem Test aber bestens und auch beherzteres Herumrütteln konnte ihnen nichts anhaben. Die Kippschalter sitzen bombenfest auf dem Gehäuse und machen beim Betätigen ein schönes „Klack“ Geräusch.

Um eine Hörprobe muss man den SL-1 nicht lange bitten; er ist schnellstens einsatzbereit: Netzteil angedockt und Powerknopf gedrückt. Die Power-LED leuchtet in hellem Blau, die Tempo-LEDs der LFOs blinken in der jeweiligen Geschwindigkeit. Danach ist noch ein MIDI-Kabel zwischen Rechner bzw. Masterkeyboard und der rückseitigen Eingangsbuchse des SL-1 zu verlegen. Mit einem Klinkenkabel verbinde ich den Audio-Ausgang des Desktop-Synths mit meiner Abhöre. Zwei weitere LEDs geben Auskunft über eingehende MIDI-Noten und ein MIDI Clock Tempo (falls eines an den SL-1 gesendet wird). Die rechte LED, Status-LED genannt, zeigt durch verschiedene Blinkmuster den aktuellen MIDI-Kanal, die erfolgreiche Verarbeitung von SysEx Befehlen oder auch Fehlermeldungen an. Mit SysEx-Befehlen legt man hier den MIDI-Empfangskanal des SL-1 fest, was sicherlich nicht der alltäglichste Arbeitsschritt ist. Hier heißt es dann Handbuch lesen und hexadezimale Zahlenkolonnen programmieren.

Wo es keine Speicherplätze gibt, da gibt es auch keine Presets. Ich fange also gleich an, eigene Klänge zu basteln. Das gelingt auf Anhieb - etwas Synthesizerwissen vorausgesetzt. Mit 28 Potis und 15 Kippschaltern macht das Spaß und man weiß stets, was man tut. Die Oberfläche ist recht übersichtlich gestaltet. Die Potis haben einen mittelschweren Drehwiderstand, die Werte lassen sich mit ihnen gut einstellen. Man muss aber aufpassen, dass man nicht versehentlich irgendwo gegen stößt, denn das führt leicht zu ungewollten und meist auch drastischen Veränderungen. Mit Bedacht kommt man hier schneller ans Ziel. Beim Tuning der Semitones wünschte ich mir eine feinere Auflösung, aber im Zusammenspiel mit dem Parameter „Finetune“ kam ich immer zum gewünschten Ergebnis. Die Stimmung der VCOs ist über den gesamten Klangbereich betrachtet recht unregelmäßig. Wer viel in den Oktaven springt, wird es schwer haben mit sauberen Tunings und wird viel nachregeln müssen. Auch sollte man den VCOs eine gemütliche Aufwärmzeit von 30 Minuten gönnen, bevor man ihnen Verlässlichkeit abverlangt. Der Suboszillator klingt im Vergleich zu den beiden Hauptoszillatoren deutlich leiser. Darauf kann man sich aber einstellen, wenn man Letztere im Mixer immer nur bis ca. 50% Volume „fährt“. Oder man schraubt sich den SL-1 auf und nimmt Kalibrierungen mit dem Trimmern auf der Platine vor. Möglich ist dies laut Hersteller; ich habe es aber nicht getestet.

Das Filter fällt recht „vintage“ aus. Soll heißen: Ich habe schon zupackendere Filter gehört und gerade beim Gedanken an das auch hier verwendete Kaskaden-Prinzip fällt mir da die Marke seines Erfinders ein... Für meine Ohren klingt das Filter des SL-1 aber dennoch ausgezeichnet. Nur halt nicht unbedingt „fett“. Irgendwie ist man hier immer schnell beim dreckigen, körnigen Sound - der SL-1 übersteuert gerne. Die Filterresonanz setzt spät ein und singt mehr, als dass sie pfeift. Für die Hüllkurven gilt: Wer's modern und knackig mag, nimmt lieber einen anderen Synthesizer. Perkussive Sounds gelingen nicht so auf Anhieb; ein paar weiche, dreckige HiHats oder auch luftige Snares bekommt man aber gut hin.

Wer noch mehr hören möchte: auf der Hersteller-Webseite www.modemachines.com gibt es ein paar hörenswerte Demonstrationsvideos zum SL-1!

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