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Test
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31.07.2014

Miktek CV4 Test

Umschaltbares Röhren-Großmembranmikrofon

Telefunken inside

Das Multipattern-Großmembran-Röhrenmikrofon Miktek CV4 haben wir von bonedo uns zum Test kommen lassen. Miktek, mittlerweile bekannter US-amerikanischer Hersteller verschiedener Mikrofone für den Live- und Studiogebrauch, hat mit dem CV4 eine Besonderheit auf dem Markt. Nicht, dass es dem Mikrofonmarkt an Doppelmembranmikrofonen fehlen würde, auch Röhrenmikros erfreuen sich einer enormen Beliebtheit, die sich auch in der Masse verschiedener verfügbarer Schallwandler widerspiegelt. 

Es sind zwei der Bauteile, die – gemeinsam mit der Kapsel natürlich – maßgeblich für den grundsätzlichen Klangcharakter eines Mikrofons verantwortlich sind. Im Falle eines Röhrenmikrofons ist das die Röhre selbst, die je nach Design mehr oder weniger zu den Eigenschaften beiträgt, sowie der Ausgangsübertrager. Dieser ist bei manchen anderen Mikrofonen bewusst “wegingenieurt” worden, um ein saubereres Klangverhalten hinbekommen zu können – wie bei den TLM (“Transformatorlose Mikrofone”) von Neumann etwa. Und die beiden genannten Bauteile des Miktek CV4, Röhre und Ausgangsübertrager also, machen das Mikrofon besonders.

Details

Altes Herz, brandneu

Es ist ein bisschen so, als wenn man das in Tongefäße eingelegte Herz eines Pharaos in einen heutigen Menschen implantiert. Nein… dieses Bild wäre sogar für amerikanische Marketingverhältnisse etwas zu dick aufgetragen. Dennoch: Das Miktek CV4 benutzt eine NOS-Röhre. “NOS” steht für “New Old Stock” und bedeutet, dass diese Röhre vor langer Zeit einmal als Neuware in ein Lager gewandert ist und nie benutzt wurde. Neuware, aber eben alt, logisch. NOS-Tubes gibt es viele, es ist auch bekannt, dass manche heute irrsinnige Preise erzielen. Wer also auf alte gematchte Mullards für seinen englischen Verstärker setzt oder sogar die VF14 in seinem uralten Neumann-Schätzchen auswechseln will oder muss, darf ordentlich in die Tasche greifen. 

Im Miktek ist nicht irgendeine Röhre verbaut, sondern eine EF800 NOS von Telefunken. Diese Pentode ist nicht unbezahlbar, zeichnet sich aber durch ihre Robustheit aus und gilt als langlebig und mikrofoniearm. Wie schon beim Miktek C1 ist auch im CV4 ein Transformer von AMT verbaut. Anders als dort, wo ein AMT-T7 zum Einsatz kommt, vertraut Miktek im Röhrenmikrofon auf den sperrigen BT4-Übertrager, welcher speziell für den Mikrofonhersteller aus Nashville angefertigt wird.  

MK9-Kapsel

Das eigentlich wichtigste Bauteil, die Kapsel, ist von Miktek nicht zufällig ausgesucht worden. Sogar nicht nur “ausgesucht”: Nach eigenen Angaben lassen die Amerikaner die Doppelkapsel MK9 nach eigenen Vorgaben fertigen. Die generellen Eckdaten sind aber keine Besonderheit. Die mittenkontaktierten Membranen sind auf fünf Mikrometer Mylarfolie aufgebaut, die Bedampfung hat eine elektrostatische Goldschicht von 0,5 Mikrometern Gold darauf hinterlassen. Am Netzteil des CV4 lassen sich die verschiedenen Pegel- und Phasenkombinationen der Signale von vorderer und hinterer Membran zu neun Richtcharakteristiken verschalten. Neben Acht, Niere und Kugel sind also noch jeweils drei Zwischenstufen möglich. Wie üblich sind die Frequenzgänge für diese verschiedenen Polar-Patterns nicht identisch. Die Kugel zeigt bei 10 kHz den größten Peak aller Charakteristiken, die Acht den geringsten. Dafür ist es im wichtigen Bereich um die 5 kHz andersherum. Hier wird noch einmal deutlich, dass die Auswahl von Richtwirkungen nicht alleine eine Frage der Schallquellenisolation sein sollte, sondern immer auch klangliche Aspekte zu berücksichtigen sind. Natürlich: Oberhalb der 10 kHz senkt sich die Kurve deutlich nach unten – je nach Richtcharakteristik wird die 20kHz-Marke mit mehr als 20 Dezibel Dämpfung geschnitten. Aber das ist kein Wunder bei großen Membranflächen. Im Bassbereich zeigt sich die Acht im Standard-Frequenzgang am welligsten und schwächsten. Gut: Dem CV4 wird ein individueller Messauszug mitgegeben, sodass man sich über die Eigenheiten des spezifischen Mikrofons unterrichten kann. Miktek brüstet sich jedoch damit, sehr genau auf geringe Toleranzen bei der Auswahl von Bauteilen zu achten. Mit 16 dB Eigenrauschen ist das Mikrofon für ein röhrenbefeuertes Doppelmembranmikrofon gut aufgestellt, die Zerrgrenze wird mit 133 dB angegeben.

PS4

Das Kürzel PS4, eigentlich semantisch belegt mit einer gewissen Spielekonsole, bezeichnet bei Miktek eine Power-Supply. Diese kommt im schnittigen Design daher, muss oder kann aber bis auf die Charakteristikumschaltung vom User nicht bedient werden. Filter oder Vordämpfung gibt es nicht, lediglich Netzanschluss, Multipin-In und XLR-Out stehen zur Verfügung.

Von weniger edler Herkunft als das Innenleben des CV4 sind seine Kleider. Ein mattierter Metalltubus, der durch Abschrauben der Schelle, die auch den Halter trägt, am Fuß des Mikros entfernt werden kann und ein einfacher, aber nicht hässlicher Korb lassen das Mikrofon durchaus zeitlos aussehen. Nun gut, die Verchromung entspricht nicht den Standards der deutschen Hersteller – aber die muss man schließlich auch bezahlen. 

Dem CV4-Set liegt im wie bei Miktek gewohnt riesigen Koffer eine Rycote-Invision_USM-Spinne bei. Diese ist recht funktionell, ob man wie beim Schoeps V4 U die Optik dadurch “modifizieren” möchte, darf jeder selbst entscheiden. Natürlich zählen in erster Linie technische Zusammenhänge, nicht ästhetische.

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