Gitarre
Test
1
06.11.2009

PRAXIS

Eines vorweg: trotz seiner überschaubaren Leistung von fünf (Röhren-)Watt ist der Marshall Class 5 im Stande, eine ordentliche Lautstärke zu entwickeln!  Da er kein  Mastervolume hat, muss man den Kleinen schon ziemlich weit aufdrehen, um ihm eine amtliche Verzerrung zu entlocken. Will man den Amp zu Crunch- oder sogar Lead-Sounds überreden, empfiehlt es sich also einen entsprechend „nachbarschaftsfreien“ Ort aufzusuchen – beispielsweise den Proberaum, den Club um die Ecke oder eben ein Studio. Für Reihenhaus- oder Mietwohnungs-Rocker ist der Amp also nicht wirklich geeignet – es sei denn, man spielt clean oder arbeitet mit einem vorgeschalteten Verzerrer. Und mit Boostern und Overdrive-Pedalen versteht sich der Class 5 übrigens bestens.

Die Klangregelung ist typisch Marshall und eignet sich dazu grob in´s Geschehen einzugreifen. Sie arbeitet interaktiv wird also z.B. der Middle-Regler aufgedreht, hebt er auch gleichzeitig die Bässe und Höhen etwas mit an. Im Grunde generiert der Amp seinen Sound aber durch die Interaktion zwischen Vor-, Endstufe und Speaker  - den Spieler und seine Gitarre nicht zu vergessen.

Für die folgenden Aufnahmen habe ich ein AKG C414 verwendet. Die Klangregelung des Amps stand, wie sollte es auch anders sein, in der Mittel-Position.

Als erstes stöpsle ich meine Telecaster in den Amp, aktiviere den Steg-Pickup und höre mal, was er clean so drauf hat.

Das hat schon was. So richtig clean ist er allerdings nur bei relativ geringen Lautstärken. Sobald der Volumen-Regler auf neun Uhr steht, bekommt der Sound eine dreckigere Note, die ich aber sehr charmant finde.

Ich schalte auf den Hals-Pickup.

Das klingt absolut Marshall-typisch, auch hier die etwas schmutzigere Variante eines Clean-Sounds. Der Ton ist dabei aber nicht kratzig und durch den kleinen 10“-Speaker ziemlich impulsfreudig, jedoch bauartbedingt gerade in den unteren Mitten auch etwas gedrungen.

Für den Check der Crunch-Sounds verwende ich eine Tele und eine Les Paul - jeweils mit aktiviertem Steg- und Hals-Pickup.

Am besten gefallen hat mir der Class 5 mit der Tele. Grundsätzlich kommt er mit den etwas schlankeren Gitarrensounds besser klar, da durch das kleinere Volumen des Gehäuses nicht so viel Bass transportiert werden kann.
Die Tele springt mich fast an, ohne dabei aber aggressiv zu klingen. Traditionelle Crunch-Sounds sind so sehr gut zu realisieren.
Die Riffs mit der Les Paul gefallen mir nicht ganz so gut. Bei zu viel Bass stößt das kleine Gehäuse schnell an seine Grenzen. Spaßeshalber habe ich aber mal  eine 4x12“ Marshall-Box drangehängt und siehe da, das größere Volumen macht sich sofort bemerkbar.

Der Amp wird bis zur 12 Uhr-Stellung  des Volumenreglers kontinuierlich lauter. Darüber hinaus macht sich nach und nach die Endstufe bemerkbar und komprimiert den Sound, ohne dabei wirklich lauter zu werden. Das Ergebnis ist eine wunderbar dynamische Endstufen-Sättigung.  In Verbindung mit der Les Paul entstehen so organische Retro Lead-Sounds, an denen gerade Blueser ihre helle Freude haben dürften. Die Höhen treten in den Hintergrund, Mitten sind satt vorhanden und machen das Solo angenehm durchsetzungsfähig.


Allerdings klingt das auch nur bis zu einem gewissen Grad, denn je mehr ich den Volumenregler des Amps aufdrehe, desto mehr knickt die Endstufe ein. Das wiederum bewirkt ein „wegsuppen“ des Gitarrensounds. Dieses Phänomen nennt man im Englischen übrigens “to sag“.  Der Headphone-Out ist nichts für Freunde schöner Klänge. Es scheint, als wäre gar keine Frequenzkorrektur vorgenommen worden. Sägend und mit viel zu viel Höhen kratzt der Ton im Kopfhörer.

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