Test
8
05.09.2016

Mackie Axis Test Preview

Hands on am neuen DL32R DC16 Axis System

Personal Training ist schon eine feine Sache. Das gilt auch für Produkt-Demonstrationen, bei denen es sich der Vertrieb oder Hersteller nicht nehmen lässt, die neusten Gerätschaften samt Produktmanager an die Homebase des Autoren zu entsenden. Loud Technologies Produktspezialist Dimitri Metzeltin brachte für ein Bonedo „Hands on“ das brandneue Mackie Axis mit. Welchen Eindruck hinterlässt das System?

Details

Das System

Das Axis-System besteht aus zwei Komponenten: Dem erfolgreichen Mackie DL32R-Rackmixer plus DANTE-Karte sowie der neuen Mackie DC16 Controller Surface. Der DL32R lässt sich zwar auch vollständig per iPad-App fernsteuern, für aufwändigere Produktionen ist ein Hardware-Controller allerdings eine willkommene Ergänzung. Gerade bei Festivals oder größeren Band-Setups ist schneller Zugriff auf wichtige Mixfunktionen mitunter lebensrettend. Daher stellt Mackie dem DL32Rnun den DC16 zur Seite.

DL32R

Bevor wir uns das DC16-Surface zu Gemüte führen, zunächst eine kurze Einführung in den DL32R Rackmixer. Dieser besitzt 32 Mikrofon/Line-Eingänge und 18 Ausgänge (14 XLR, 2 x Stereoklinke und 1 x Stereo AES/EBU). Untergebracht ist das Ganze in einem robusten 3-HE-Rackgehäuse samt integriertem Netzteil, das mit einem Kaltgerätekabel versorgt wird. Ein 32 x 32 Kanal USB 2.0 Audiointerface erlaubt das direkte Aufnehmen aller Eingänge auf USB-Festplatte. Das Zurückspielen der Aufnahmen (zum Beispiel für einen virtuellen Soundcheck) ist ebenfalls ohne Hilfe eines Rechners möglich.

Die Mixstruktur ist fest angelegt, aber großzügig ausgestattet. Der Anwender darf seinen Mix mit Hilfe von jeweils sechs Matrizen, Subgruppen, VCAs und Mute-Gruppen verwalten. Arbeitsteilung wird beim DL32R groß geschrieben, da bis zu 20 iOS-Geräte (iPad, iPod Touch oder iPhone) zur Fernsteuerung herangezogen werden können. Somit lassen sich Monitormixe etwa an technikaffine Bandkollegen outsourcen.

Die Verbindung wird über einen optionalen WLAN-Router hergestellt, wobei die kostenlose App namens Master Fader zur Steuerung dient. Ein Kopfhörerausgang komplettiert die Ausstattung. Auf der Rückseite befinden sich zwei Lüfter zur Kühlung, ein Netzschalter und eine RJ45-Buchse für den Anschluss eines Routers/Access-Points. Zudem notieren wir einen Kartenslot, in dem sich eine optionale DANTE-Netzwerkkarte andocken lässt. Für den Anschluss des DC16-Surface ist die DANTE-Karte obligatorisch

Mackie DC16:

„Wow – sieht aus wie ein richtiges Pult“

Einen knappen Meter breit, neun Zentimeter hoch und 17 Kilo schwer ist das Surface. Die Bedienoberfläche ist so großzügig angelegt wie ein barocker Schlosspark. Viel Platz zwischen Fadern und Encodern, die von gleich 26(!) Farb-Displays umrandet werden. Die 17 berührungsempfindlichen 100-Millimeter-Motorfader stammen von Alps und fühlen sich wie die übrigen Bedienelemente hochwertig an. Zu jedem Fader gesellen sich zwei LED-Meter für Volume und Gain-Reduction, sämtliche Taster sind beschriftet und hintergrundbeleuchtet. Das robuste Metallgehäuse verstärkt den positiven Eindruck: Der DC16 ist ein massives Stück Hardware! Zum Leben erweckt wird die Zentrale der Macht allerdings durch ein externes Netzteil.

Um den DL32R zu steuern, benötigt man eine CAT5e-Verbindung, die von der Ethercon-Buchse des DL16 zur DANTE-Karte gezogen wird. Dieses Protokoll steht auch bei anderen Herstellern hoch im Kurs und scheint die derzeit bevorzugte Netzwerklösung im Pro-Audio Bereich zu sein. Ebenfalls beliebt sind zurzeit Digitalpulte, bei denen die Main-Displays fast senkrecht zur Bedienoberfläche stehen (z.B. Midas M32, Soundcraft Vi, Yamaha CL). Das bietet dem Tontechniker zwar einen besseren Blickwinkel auf die Bildschirme, hat aber einen wesentlichen Nachteil: Passende Cases müssen sehr hoch sein und sind dementsprechend groß, schwer und unhandlich. Der DC16 schlägt hier zwei Fliegen mit einer Klappe, da er über eine Smart Bridge verfügt.

Unbestritten ist, dass die Touch-Displays von iPads gut performen und da man für die Bedienung des DL32R sowieso ein iPad benötigt, kann der DC16 bis zu drei dieser Tablets gleichzeitig verwalten. Gleich drei USB-Ports stellt das DC16 zur Stromversorgung bereit. Zwei iPads verbinden sich via WLAN mit dem DL32R, während ein iPad seine Steuerbefehle über das DANTE-Netzwerk getunnelt an den DL32R weitergibt. Somit besteht auch bei einem kompletten WLAN-Ausfall eine feste Verbindung zum System. Klasse! Es ist übrigens kein Problem, ein iPad von der Smart-Bridge-Auflage abzuziehen und damit am Veranstaltungsort herumzulaufen oder den Monitorsound direkt auf der Bühne einzustellen. Zurück am DC16 legt man das iPad auf der Smart Bridge ab und das System nimmt den „Freigänger“ nahtlos auf. Ist der Gig zu Ende, entfernt man die Tablets und der DC16 verschwindet in einem kompakten Case.

Gleiches gilt für die Bedienung am DC16 selbst. Tontechniker mit fortgeschrittener Alterssichtigkeit können aufatmen, an Mackies neuem Controller lässt sich alles bestens ablesen. Für die Kanal-Displays stehen Zahlen, Buchstaben oder Piktogramme bereit. Über die iPad-Kamera lassen sich die Anzeigen personalisieren und eigene Bilder als Labels verwenden.

Für das generelle Layout hat sich Mackie festgelegt. Die wichtigsten Funktionen sind fest zugeordnet, was die Bedienung einfach und intuitiv gestaltet. Der Autor sieht jedenfalls kein Problem darin, aus dem Stand eine Band zu mischen, so klar und übersichtlich ist die Bedienoberfläche gestaltet.

Um einzelne Mixfeatures genauer zu untersuchen zu können, spielte Dimitri einen Mehrspurmitschnitt ab. Auch das geht erstaunlich simpel: Die Festplatte mit den Einzelspuren hängt am USB-Port des DL32R, über die App wählt man USB als Quelle an und hat somit alle Spuren am DC16 anliegen. Ideal für einen virtuellen Soundcheck. Eine Mix-Szene kann man von Null starten oder man hat sich offline eine passende Mischpult-Einstellung über die Master-Fader-App erstellt. Diese kann man sich per Email schicken oder in der Cloud (z. B. Dropbox) speichern und dann mittels iPad in das Axis-System portieren. So lassen sich Mixszenen problemlos unter Band- und Tonkollegen austauschen.

Bedienung

Der DC16 bietet eine großartige Haptik. Die Bedienelemente wirken hochwertig, da langt man gerne zu! Und Möglichkeiten zum Hand Anlegen bietet Mackies Surface reichlich. Zum Beispiel durch den „Fat Channel“, eine zentral angeordnete Encoder-Reihe, angesiedelt oberhalb der Fader.

Der Fat Channel bietet direkten Zugriff auf die wichtigsten Parameter: Gain, Trim, +48 V, EQ, Gate, Kompressor Threshold und Panorama. Kein langes Suchen, einfach anwählen und loslegen. Editiert man einen Kanal im Fat Channel, so wird dies in einem iPad-Screen gespiegelt.

Stichwort iPad: Diese lassen sich in unterschiedlichen Modi betreiben. Im „Fixed Mode“ bleibt die Anzeige auf einer festgelegten Funktion (z.B. Meter-Übersicht), alternativ folgen die iPads der Parameterselektion am DC16. Neben dem Fat Channel lassen sich einzelne Funktionen auch als horizontaler Channelstrip mit allen Parametern auf die darunter befindlichen 17 TFTs legen. Zum Editieren stehen dann 16 Encoder zur Verfügung.

Links neben den Kanal-Fadern befindet sich die Gruppensektion. Visuelle Unterstützung liefern vier Displays. Die gleiche Anordnung findet sich rechts neben den Fadern. Hier werden allerdings komplette Mixe erstellt und die 28 Mix-Busse des Axis-Systems verwaltet. Oberhalb der Mix-Sektion liegen die Szenensteuerung und Potis für die Kopfhörer- und Monitorausgänge.

Ein Blick auf die Rückseite des DC16 lohnt, denn hier zeigt sich, dass Mackie auch an Details gedacht hat. Wir notieren einen Lampen- und Fußschalteranschluss, einen Talkback-Eingang und eine Miniklinkenbuchse für einen Zuspieler. Für das DANTE-Protokoll wurden zwei Ethercon-Buchsen verbaut. On-top gibt es einen zusätzlichen RJ45-Netzwerkanschluss. Dieser lässt sich in Kombination mit dem Netzwerkanschluss am DL32R für ein Dual-Router-Setup verwenden.

Ein erstes Zwischenfazit

Keine Frage, der Mackie DC16 wertet den DL32R deutlich auf. Der Workflow schaltet mit dieser Controll-Surface in den Turbo-Boost, ideal für Freunde der Akribie oder Combat-Audio-Techniker, die in kurzer Zeit einen überzeugen Sound erstellen müssen. Durch die weitestgehend feste Struktur des Axis-System dürften auch Fremdtechniker keine Probleme haben, sofort einen ordentlichen Mix abzuliefern. Ein Test wird diese steile These stützen müssen, der Autor ist gespannt! Stay tuned!

Verwandte Artikel

User Kommentare