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Test
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01.01.2008

Lydkraft Tube-Tech PE 1C Test

Röhren-Equalizer im Pultec-Style

Die blaue Eminenz

Es gibt viele Engineers, denen man den PE 1C nicht vorzustellen braucht. Er und vor allem das ihm zugrunde liegende EQ-Prinzip sind bekannt und beliebt. Wie so oft bei teuren Geräten ist die Gruppe derer, die es auch tatsächlich schon häufiger benutzt haben und die Arbeitsweise verinnerlicht haben, wiederum etwas kleiner. Dass ein Mono-Equalizer für 2000 Taler wohl in erster Linie aufgrund des Klangs angeschafft wird, scheint außer Frage zu stehen, doch ist es beim PE auch die unorthodoxe Bedienung, die ihn interessant macht. 

Die Abkürzung PE steht für „Program Equalizer“, was allerdings nicht mit einer hohen Anzahl Frequenz-Bänder und enormer Flexibilität gleichzusetzen ist: Dieses einkanalige Gerät verfügt dem ersten flüchtigen Blick nach über zwei Bänder. Diese entziehen sich jedoch der üblichen Parametrik-Klassifizierung und sind schlicht und einfach “Pultec-Style”. Für diejenigen, die das nicht kennen, kommt im Folgenden als Bonbon eine kleine Einführung.

Details

Der EQ braucht Platz

Lydkrafts Tube-Tech PE 1C zeigt den Kleineren im Rack direkt, wo der Hammer hängt: Mit massiven drei Höheneinheiten ist das Funktionsumfang-Rackspace-Verhältnis des Dänen nur geringfügig besser als das einer 1HE-Rackblende. Die wenigen dicken Regler auf der Frontplatte sehen aus, als müssten sie beidhändig bedient werden. Deren Zugehörigkeit zueinander ist allerdings nicht sofort ersichtlich, deshalb hier in Kürze:

Zwei simultan nutzbare Shelf-Filter

Rechts neben dem “In” genannten Bypass-Schalter befindet sich die Tiefen-Sektion des EQs, die aus drei Reglern besteht. Unten lässt sich mit “CPS” die Grenzfrequenz der Shelfes festlegen. Die beiden darüber liegenden Potis regeln unabhängig voneinander die Verstärkung oder Absenkung. Dass hier zwei Regler verbaut worden sind, ist überhaupt nicht dämlich, im Gegenteil: Es handelt sich hier nämlich um zwei Shelf-Filter, die simultan genutzt werden können. Immer noch dämlich? Nun, der Witz ist, dass tatsächlich die Grenzfrequenz des absenkbaren Filters etwas höher liegt als die des verstärkenden. Dadurch kann man einen – zugegebenermaßen komplexen – Einfluss auf die Steilheit der resultierenden Kurve nehmen und über der eigentlich zu boostenden Frequenzregion kleine “Mulden” in den Frequenzgang setzen. Das Ergebnis dieses im Produktionsjargon auch “The Low End Trick” genannten Zusammenhangs wird sonst häufig mit “normalen” EQs nachgebaut. Die Skalierung bis 10 auf der Frontplatte mag etwas irreführend sein, denn der Boost läuft von 0 bis +14 dB, die Attenuation bis -18 dB.

Einstellbare Bandbreite

Die Sektion, die für die höheren Gefilde verantwortlich ist, verfügt über zwei weitere Regelmöglichkeiten. Die Bandbreite (von schmal bis breit aufsteigend) ist wie die Frequenzwahl dem Boost-Band zugeordnet und funktioniert wie jeder Q-Regler bei parametrischen EQs auch. (Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich war bei meinem ersten Kontakt mit einem PE 1C wirklich überrascht, wenn nicht enttäuscht, dass es hiermit nicht auch etwas Besonderes auf sich hat.) Wenn von Bandbreite die Rede ist, ist zudem klar, dass es sich um ein Bell-Filter handelt. Der Boostbereich beträgt bei geringer Q 10 dB, bei hoher 18 dB. Mit “Atten” regelt man ein um bis zu 18 dB dämpfendes Shelf-Filter, dessen Frequenz unter “Atten Sel” festgelegt wird. Dass hier auch 20k auswählbar sind, ist selbstverständlich nicht für Fledermaus-Ultraschallmusik gedacht, denn schließlich beginnt die Bearbeitung weit darunter. Ach ja: Der Netzschalter und die dazugehörige Leuchte arbeiten “ganz normal”.

Auf der Rückseite geht es rein und raus

Der Geräterückseitenkorrespondent meldet, dass dort die Lage absolut unter Kontrolle ist. Netzanschluss, XLR-Eingang, XLR-Ausgang, das ist es im Wesentlichen. Ein winziger Spannungswahlschalter und ein Blechschild mit der Typenbezeichnung und Seriennummer findet man auch noch, außerdem ragt ein grauer Kasten aus dem Gehäuse, der eine Menge aufgewickeltes Kupfer enthält – der Trafo.

Im Inneren "röhren" die Glaskolben

Aus dem dünnen Handbuch erfährt man, dass im Inneren des EQs eine ECC 82 und eine ECC 83 dafür sorgen, dass man den PE “Röhren-Equalizer” nennen darf. Das Gerät ist am Audio-Eingang und -Ausgang mit Übertragern ausgestattet, bei 0 dB Veränderung mit allen vier Pegelreglern nimmt das Signal bei seinem Weg durch den EQ um 0,75 dB ab. Die -3dB-Punkte liegen bei 5 und 40.000 Hz, Rauschen nach CCIR liegt bei -75 dBu.

Zusammen mit weiteren Tube-Techs schafft man es recht flott, ein Platzproblem zu bekommen. Vor einiger Zeit haben Lydkraft aber reagiert und die drei wichtigsten Geräte auf ein neues Modulformat portiert. Mit dem RM2 können zwei, mit dem RM8 ganze acht dieser Module auf kleinem Raum und für kleineres Geld genutzt werden. Neben Preamp und Kompressor – beide schon auf bonedo getestet – gibt es auch den EQ “EM 1A” als Einschub: Pultec-Style ohne Pultec-Maße.

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