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Lindell Track Pack Deluxe Test

Dieser Lindell Track Pack Deluxe Test checkt den modularen Channel-Strip fürs Aufnehmen und Abmischen. Das Track Pack ist aufgebaut aus Lunchbox-Modulen aus Lindell Audios Produktkatalog. In einem „503 Power“-Gehäuse stecken die 6X-500 Mikrofonvorstufe, der 7X-500 FET-Kompressor und der passiven PEX-500 Equalizer.

Channel-Strip auf API500-Basis

Alleine die Produktbeschreibung zum Lindell Audio Track Pack Deluxe dürfte Musik in den Ohren der Tonschaffenden sein: Trafo-symmetrierte Ein- und Ausgänge, diskrete Operationsverstärker, ein FET-Kompressor, der auf dem Urei 1176 Kompressor/Limiter basiert, und ein Equalizer, dem der passiven Pultec EQ5 zugrunde liegt. Zudem wird den Produkten des schwedischen Marke Lindell Audio seit jeher ein gutes Preis-Leistungsverhältnis nachgesagt. Die Herstellung der Hardware erfolgt aber nicht in Schweden, sondern in China. Wie das Track Pack Deluxe performt, haben wir uns im Test angeschaut. 

Details

Modularer Channel Strip dank Series-500-Technik

Der Lindell Track Pack Test ist durchaus besonders: Der Channel Strip ist kein herkömmlicher Kanalzug, denn er ist komplett modular aufgebaut, jedes seiner einzelnen Komponenten ist austauschbar, sogar das Gehäuse! Das geht, weil Lindell auf das API Lunchbox-Format mit seinen 500er Einschubmodulen setzt. Die Entwicklung der Lunchbox verdanken wir dem amerikanischen Hersteller API: Ein Bestückungsrahmen sorgt für die Stromversorgung und dem Ein- und Ausgangs-Routing für einer gewisse Anzahl an Steckplätzen. API hat mit der Lunchbox das Rad nicht neu erfunden, viele Analogpulte basierten (und basieren) auf dem Konzept von solchen Einschubkassetten-Systemen. Allerdings hat API seine Lunchbox für den Markt und seine Mitbewerber offengelegt. Somit kann jeder Hersteller im Rahmen dieser 500er-Specs seine eigenen Module entwickeln und sich sicher sein, dass sie in jedem 500er-kompatiblen Gehäuse funktionieren. Diese Steckplätze sind das Herzstück jeder Lunchbox, denn die Beschaltung dieser Anschlüsse ist festgelegt. Die Module selbst verfügen über passend belegte Anschlussleisten.

Leeres Housing
Fotostrecke: 3 Bilder Das Herzstück des Lunchbox-Formats: Der Steckplatz und seine Steckeraufnahme…
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Mächtig Power mit dem „Lindell 503 Power“

Das „503 Power“-Gehäuse von Lindell Audio ist komplett aus gebürstetem, schwarzem Aluminium gefertigt und bietet Platz für drei 500er-Kassettenmodule. Seiten und Oberseite des Gehäuses sind leicht gewölbt, dadurch wirkt der eigentlich rechteckige Kasten überhaupt nicht klobig. Das „503 Power“ versorgt jeden Steckplatz mit bis zu 800 mA, selbst für die stromhungrigsten 500er-Module reicht das dicke aus. Die ursprüngliche API-Vorgabe sah nur eine Abgabe von 130 mA pro Steckplatz vor, was zu Probleme mit einigen Modulen von Fremdherstellern führte. Inzwischen bietet API eine „High Current“ Version seiner Lunchbox an, mit 250 mA pro Slot. Das lässt weiterhin die 800mA des Lindell Audio Gehäuses in sehr gutem Licht dastehen! Auf der Rückseite des 503 Power Gehäuses befinden sich der Netzanschluss des Universalnetzteils und pro Slot eine XLR-Ein- und eine -Ausgangsbuchse. Geliefert wird der Track Pack übrigens in eine Neopren-Transporttasche, mit der man den Kanalzug zum Außeneinsatz gut geschützt transportieren kann.

API 500 Housing Rückseite
Fotostrecke: 5 Bilder Die Rückseite des 503 Power beherbergt alle Anschlüsse.
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Lindell 6X-500 Preamp: diskreter Aufbau

Im ersten Slot des Track-Pack-Deluxe ist der 6X-500 Preamp installiert, ein Mikrofonvorverstärker mit zwei Verstärkungsstufen und einem maximalen Gain von 65 dB. In beiden Gain-Stufen kommen diskrete Operationsverstärker zum Einsatz, wobei sich „diskret“ nur auf den Aufbau, nicht auf den Sound bezieht: Der 6X-500 besitzt je einen Eingangs- und einen Ausgangstransformator, und die prägen den Sound ja bekanntlich auf ihre unnachahmliche Weise. Die Trafos des 6X-500 lässt Lindell Audio übrigens nach eigenen Spezifikationen wickeln.

Zum Einpegeln hilft eine 5-Segment LED-Ampel: Zwei grüne LEDs zeigen anliegendes Signal, zwei gelbe kennzeichnen den Gefahrenbereich und eine rote LED signalisiert, dass man den Sicherheitsbereich verlässt und es gleich unangenehm wird. Die Lindell-Ingenieure haben anscheinend Humor, den die LED-Kette ist mit dem Buchstaben „SIG-D-U-O-L“ beschriftet. Wenn die rote „L“-LED aufleuchtet, ist „LOUD“ durchaus wörtlich zu nehmen. Wie es sich für einen professionellen Mic-Pre gehört, lässt sich mit beleuchteten Drucktastern einen Phantomspeisung (+48V) aktivieren und das Signal um 180° Grad in der Polarität invertieren.

Zusätzlich hat die 6X-500 Vorstufe noch einen passiven Zwei-Band-EQ an Bord, mit dem sich hohe und tiefe Frequenzen um bis zu +15 dB anheben (und zwar nur anheben!) lassen. Das Design dieser zwei Bänder ist an den Pultec-EQ angelehnt und für jedes Frequenzband lassen sich drei Arbeitsfrequenzen über einen Kippschalter anwählen: 30 Hz, 60 Hz und 100 Hz in den Tiefen, bzw. 6 kHz, 10 kHz und 16 kHz bei den Höhen. Die Bandbreite des Höhenbandes lässt sich über einen Jumper auf der Platine ändern, aber genrell packt dieser EQ eher breitbandig zu. Man sollte diesen EQ nicht mit einem Low- oder High-Cut-Filter verwechseln, der EQ beim 6X-500 dient eher zur Klanggestaltung. Wer schon mal an einem Pultec (oder einem Software-Äquivalent) gedreht hat weiß, dass man mit diesem EQ-Typ wunderschön in den Tiefen „andicken“ und in den Höhen „aufmachen“ kann. 

Modul seitlich gewinkelt
Fotostrecke: 4 Bilder Bronzene Frontplatte des 6X-500
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Diskrete Operationsverstärker

In allen drei Modulen sind diskrete aufgebaute Operationsverstärker, abgekürzt „DOAs“ verbaut. Diese Operationsverstärker haben neben den Trafos ebenfalls einen gehörigen Anteil am Klangcharakter eines Gerätes. Gemeinhin gilt ein diskret – also aus einzelnen, ausgewählten Komponenten – aufgebauter OP-Amp, einem IC – also einer integrierten Schaltung – klanglich als überlegen. Schließlich kann der Entwickler hier die Bauteile auf die gewünschten Anforderungen auswählen und Bauteilwerte exakt selektieren. Verschiedene DOA-Designs klingen deshalb durchaus unterschiedlich und Lindell Audio bietet sogar eine Austausch-Variante für die Track Pack Deluxe-Module an: Dieser nennt sich „Vintage“-DOA und soll (Überraschung!) noch mehr vintage klingen als die Standardvariante. Leider sitzen bei Lindell die DOAs nur in einfacheren Buchsenleisten und sind zudem verklebt, man kann also nicht so ohne weiteres den DOAs eines Fremdherstellers einsetzen (da diese meist dickere Anschlusspins besitzen).

Platine API 500 Modul
Die diskreten Lindell-DOAS stecken in Buchsenleisten und sind zusätzlich verklebt.
Platine
Die Standard-Pins von DOAs sind etwas dicker und passen eventuell nicht ohne etwas DIY-Engagement in die Lindell-Sockel.

Lindell Audio 7X-500: aufgebohrter 1176

Der Lindell Audio 7X-500 ist ein FET-Kompressor und basiert auf dem legendärem Urei 1176 Peak Limiter, der 1967 von Bill Putnam entwickelt wurde. Allerdings hat Lindell Audio seinen Kompressor an einen modernen Workflow angepasst und dem 7X-500 ein Side-Chain-Filter und einen COMP-MIX-Regler beschert. Mit letzterem lässt sich das Verhältnis von unbearbeitetem (dry) Signal und komprimierten (wet) Signal am Ausgang regeln lässt, Stichwort: Parallelkompression. Die Stärke der Kompression wird wie beim 1176 über den Eingangspegel bestimmt.

Wie man einen 1176 bedient, könnt ihr in unserem How-to 1176 nachlesen. Attack- und Release-Zeiten sind beim 7X-500 nur schaltbar, wobei jeweils drei Werte zur Verfügung stehen (Attack: 20 Micro-, 0,5 und 2 Millisekunden; Release: 50, 80 und 700 Millisekunden). Die Kompressions-Rate ist ebenfalls in drei Stufen schaltbar, zur Auswahl stehen moderate 4:1, starke 12:1 und heftige 100:1. Die Ratio von 100:1 soll dem „all-buttons“-Modus des 7X-500 nachempfunden sein. Was das genau ist, könnt ihr ebenfalls im 1176-Tutorial nachlesen, kurz gesagt: Dann arbeitet der 7X-500 wie ein Limiter und es geht Kompressions-technisch richtig zur Sache! Mit einer beeindruckend langen LED-Kette (bestehend aus 20 LEDs!) wird die Gain-Reduction angezeigt, wobei jede LED einem Dezibel an „weggedrücktem“ Signal bedeutet. 

Kompressormodul API 500
Fotostrecke: 4 Bilder Die Frontplatte des 7X-500 mit dem beeindruckend langen Gain-Reduction-Meter.
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Lindell PEX-500: Pultec-Trick inklusive

Der PEX-500 ist ein passiver Equalizer, der sich laut Lindell Audio am legendären Pultec EQ5 orientiert. Der PEX-500 erlaubt Klangpolitur in zwei Frequenzbereich, den hohen und tiefen Frequenzen. Außerdem beherrscht er die Pultec-Besonderheit des gleichzeitigen Anhebens und Absenkens ein und derselben Frequenz, was allgemein unter dem Pultec-Trick bekannt ist. Im Bass-Band kann man 30 Hz, 60 Hz und 100 Hz mit dem Boost-Regler anheben und/oder mit dem ATTEN-Regler absenken (ATTEN steht für „attenuate“, dt: dämpfen). Im Höhenband lassen sich 6 kHz, 10 kHz und 16 kHz angehoben oder 10 kHz, 15 kHz und 20 kHz absenke. Das geboostete Höhen-Band verfügt noch über einen Bandwidth-Regler, man kann also zwischen schmaler oder breiter Anhebung dieses Frequenzbereichs auswählen. Wie sein Vorbild ist auch der Lindell PEX-500 aber kein chirurgischer Aufräum-EQ, eher ein musikalischer Polier-EQ. Auch im 7X-500 stecken wieder die Lindell-Trafos und ein diskreter OP-Amp.

Lindell EQ-Modul
Fotostrecke: 4 Bilder Der PEX-500 ist ein Equalizer der auf der klassischen, passiven Pultec-Architektur basiert.
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