Heritage Audio Symph EQ Test

Mit dem Symph EQ schickt Heritage Audio einen asymptotischen Stereo-EQ für Mastering und Subgruppen ins Rennen. Der spanische Hersteller ist bekannt für Geräte, die klassische Neve-Schaltungen nachbilden oder sich von ihnen inspirieren lassen. In diesem Fall dient dagegen das Konzept des Baxandall-EQ als Vorlage – allerdings in Kombination mit Übertrager- und Verstärkertechnik im Neve-Style. Besonders interessant ist auch die zusätzliche M/S-Funktion.

review EQ

Quick Facts zum Heritage Audio Symph EQ

  • Stereo-Equalizer für Mastering/Subgruppen
  • aufgebaut als Baxandall-EQ mit Shelving-Filtern für Bässe und Höhen
  • zusätzliche Low/High-Cut pro Kanal
  • M/S-Funktion
  • Übertrager- und Verstärkertechnik im Neve-Style

Moment mal: “asymptotischer Equalizer”?

Auch der gut informierte bonedo-Leser wird sich vermutlich fragen, was wohl ein „asymptotischer Equalizer“ sein soll. Um dies zu beantworten, möchte ich gleich im Intro dieses Reviews ein wenig ausholen.

Beginnen wir zunächst mit dem Baxandall-EQ – also der wesentlichen Inspirationsquelle für den Symph EQ. Es handelt sich dabei meist um einen reinen Shelving-EQ für Bässe und Höhen, der sich durch seine besonders breiten bzw. sanft ansteigenden Filterkurven und einen typischerweise transparenten Klang auszeichnet. Entwickelt wurde er in den 1950ern von Peter Baxandall. Entsprechende Schaltungen fanden sich primär in Hi-Fi-Anlagen aus dem Consumer-Bereich aber auch in einigen professionellen Mischpulten. Ein moderner Vertreter dieses Designs ist der Dangerous Music Bax EQ, der auch als Plug-in von Brainworx/Plugin-Alliance (auch für die UAD-Plattform) erhältlich ist.

Von den breiten Filterkurven des Baxandall-EQ kommt nun auch die etwas vergeistigte Bezeichnung des Symph EQ als „asymptotischer Equalizer“. Der Begriff „Asymptote“ stammt aus der Mathematik und beschreibt eine Kurve, die sich dem Graph einer Funktion im Unendlichen immer weiter annähert. In diesem Fall ist das ganz einfach als ein weiterer Hinweis auf die breiten Shelving-Kurven zu sehen, die bis weit in die Mitten reichen und „nie“ so ganz am Nullpunkt ankommen. Das Gleiche gilt beim Symph EQ allerdings auch außerhalb des hörbaren Spektrums. Im Grunde kann man hier von extrem breiten Bell-Kurven sprechen.

So viel vorab zum Thema „asymptotischer Equalizer“. Im Review sehen wir uns den Heritage Audio Symph EQ genauer an.

Heritage Audio Symph EQ: Sieht aus wie ein Neve!

Mit seiner Neve-inspirierten Optik fügt sich der Symph EQ nahtlos in das Line-Up von Heritage Audio ein. Neben einem Successor, einem Britstrip oder einem 1073-Clone aus der Elite-Serie wird der EQ mit seiner dunkelbauen Front und seinen charakteristischen Marconi-Drehknöpfen gut ins Bild passen. Die Verarbeitung macht einen durchweg hochwertigen Eindruck. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch die vollständige Herstellung in der EU.

asypmtotic Equalizer
Klare Parallelen zu Neve: Die Frontseite des Heritage Audio Symph EQ.

Die Stromversorgung des Symph EQ läuft über ein externes Netzteil, das über einen Fünfpol-Anschluss auf der Rückseite angeschlossen wird. Dort sitzen auch die Ein- und Ausgänge im klassischen dreipoligen XLR-Format.

Rückseite
Heritage Audio Symph EQ in Rückansicht

Reine Shelving-Filter mit Low/High-Cut

Sehen wir uns die Frontseite des Symph EQ etwas genauer an. So wie sich das für einen Mastering-EQ gehört, sind alle Bedienelemente gerastert. Die Frequenzauswahl für die beiden Shelving-Bänder pro Kanal läuft über Drehknöpfe mit je sechs Frequenzpunkten: Die Bässe setzen zwischen 20 Hz und 470 Hz an, während die Grenzfrequenzen der Höhen zwischen 8 kHz und 24 kHz liegen. Wie gesagt – es handelt sich hier um sehr breite Kurven. Solche Frequenzangaben haben bei einem Baxandall-EQ naturgemäß nur begrenzte Aussage.

Bänder
Der linke Kanal des Heritage Audio Symph EQ: Die Höhen sind rot, die Bässe grau.

Die zugehörigen Gain-Schalter sind in dB-Schritten gerastert und reichen bis 10 dB. Für feinere Einstellungen gibt es für jedes Band einen Taster, der den Pegel um weitere 0,5 dB erhöht. Üblicherweise wird mit einem solchen EQ hauptsächlich geboostet. Über den Cut-Taster lassen sich aber auch Absenkungen umsetzen. An die Bedienung werden sich die meisten Anwender ein wenig gewöhnen müssen, bis sich ein intuitiver Umgang mit dem EQ einstellt. Aber kein Grund zur Klage!

Das Bedienkonzept hinter dem Gain-Schalter mit seinen umliegenden Tastern ist ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Zusätzlich bietet jeder Kanal ein Low/High-Cut mit sanften 12 dB/Oktave. Die Auswahl der Cutoff-Frequenzen läuft über je einen doppelten Drehknopf. Dabei steuert das innere Element das High-Cut und der äußere Ring das Low-Cut. Auch wenn die äußeren Cutoff-Frequenzen (15 Hz und 30 kHz) weit außerhalb des hörbaren Spektrums liegen, haben die breiten Filter natürlich auch im hörbaren Bereich noch einen Effekt. Eine schöne Möglichkeit, um die äußeren Frequenzbereiche ein wenig smoother zu gestalten, ohne zu fest zuzupacken.

Filter
Low-Cut und High-Cut lassen sich beim Symph EQ über einen Doppeldrehknopf steuern.

M/S-Funktion und Bypass pro Kanal

Ein Highlight des Symph EQ ist seine M/S-Funktion. Die M/S-Technik erlaubt, die Mitten- und Seiten-Anteile eines Stereo-Signals separat zu bearbeiten und ist insbesondere bei einem Mastering-EQ sinnvoll. Aktivieren lässt sich die Funktion über einen beleuchteten Taster in der Mitte. Die Cutoff-Filter schalten dabei ebenfalls in den M/S-Modus, wobei das Seitenfilter automatisch auf 6 dB/Oktave wechselt. Sinnvoll zum sanften Entschlacken des Bassbereichs!

MS
Den M/S-Modus aktiviert man genauso wie den Kanal-Bypass über die beleuchteten Taster in der Mitte.

Auch je ein separater Bypass pro Kanal lässt sich in der Mitte der Frontseite schalten. Wirklich schade finde ich allerdings, dass sich damit automatisch auch der M/S-Modus abschaltet. So ist es also nicht möglich, nur den EQ auf dem Seitenkanal auf Bypass zu setzen und weiterhin die Bearbeitung des Mittenkanals abzuhören – oder andersherum. Technisch sollte das eigentlich umsetzbar sein.

Bei der einfachen L/R-Bearbeitung funktioniert der separate Bypass der beiden Kanäle natürlich, wobei es für diesen Fall wohl auch ein gemeinsamer Bypass getan hätte. Klar, im Prinzip lässt sich der Symph EQ auch im Dual-Mono-Betrieb für zwei Quellen nutzen. Das Haupteinsatzgebiet liegt meiner Ansicht nach jedoch bei Stereo-Bus und Subgruppen.

Übertrager und Amps im Neve-Style

Bisher mag man sich gefragt haben, warum sich Heritage Audio beim Symph EQ für den offensichtlichen Neve-Look entschieden hat. Grundsätzlich hat ein Baxandall-EQ nicht viel mit klassischer Neve-Hardware wie dem 1073 oder 1081 zu tun.

PCB
Im Inneren des Symph EQ sitzen mehrere Komponenten, die der Hersteller auch bei seinen Neve-Clones verbaut.

Es wurde im Text ja schon mehrmals angedeutet: Im Inneren des Symph EQ sitzen die gleichen Carnhill-Übertrager (Oxford), wie Heritage Audio sie unter anderem beim Successor verbaut – einem Neve-inspirierten Kompressor. Bei den Gain-Stufen für die Shelving-Filter kommen zudem die gleichen Elemente wie bei den 1073ern aus der Elite-Serie und vielen anderen Geräten zum Einsatz. Man darf also eindeutig mit einer gewissen Färbung rechnen!

Carnhill
Die Anwesenheit eines Carnhill-Übertragers lässt meist klangliche Schlussfolgerungen zu.

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