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22.10.2018

Ludwig Raw Brass Phonic Snares Test

Snaredrums aus Messing

Neue Snares im rauen Look

Wenn es einen Instrumentenhersteller gibt, der besonders für seine Snares bekannt ist, dann ist es der amerikanische Trommelbauer Ludwig. Zusammen mit der Supraphonic gilt die legendäre Black Beauty als eine der meist aufgenommen Snares überhaupt. Ähnlich wie diese verfügen auch die Raw Brass Phonic Snares über einen Messingkessel, der jedoch keineswegs im edlen schwarzen Gewand kommt, sondern sich am besten mit den Worten „roh“ und „erdig“ beschreiben lässt. Dank einer speziellen Behandlung des Rohmaterials und der daraus entstandenen Patina ist jedes Modell ein optisches Unikat. Wir haben die drei Neulinge des vielfältigen Ludwig-Arsenals genau unter die Lupe genommen und sie in verschiedenen Stimmungen für euch angespielt.

Aufgrund ihres Messingkessels müssen sich die drei Modelle natürlich stets mit der Black Beauty messen lassen, immerhin befinden sie sich in derselben Preisklasse und sollen laut Herstellerangaben das liefern, was an der Black Beauty oder an den heute sündhaft teuren frühen Messingmodellen der Supraphonic so beliebt ist. Es heißt auch, dass der Kessel grundsätzlich denselben Fertigungsprozess durchläuft und währenddessen mit einer Retro-Ästhetik veredelt wird. Während die Copperphonic Snares aus einem bisher von Ludwig nicht verwendetem Material hergestellt werden, stellt sich nun die Frage, ob die Raw Brass Phonics schlicht und einfach Black Beauties im neuen Gewand sind. 

Details

Die neuen Ludwig Snares sind im gewohnten Standarddurchmesser von 14 Zoll jeweils mit Kesseltiefen von 5, 6,5 und 8 Zoll erhältlich. Die angesprochene Parallele zur Black Beauty findet sich nicht nur im Kesselmaterial Messing, sondern auch in der Wandstärke von 1,2 Millimetern wieder sowie in der Tatsache, dass der Kessel nahtlos gezogen ist. Wie nahezu alle solch dünnen Metall-Snares sind auch die Raw Brass Phonics mit einer um den Kessel verlaufende Sicke versehen, die diesen steif und belastbar werden lässt. Durch gezieltes Umbiegen des Messings wurde eine Fellauflagekante im Winkel von 45 Grad erschaffen. Für eine gute Teppichansprache wurde zudem ein fein verlaufendes Snarebed auf der Unterseite des Kessels eingearbeitet. Die ansprechende Optik der Kessel wurde laut Herstellerangaben durch Schmiermittelreste bei der Verarbeitung erzielt, die anschließend mit einem dünnen Spray versiegelt wurden. Die daraus entstandene Patina verleiht den Snares einen rustikalen Look, der einen ansehnlichen Kontrast zur sauber verchromten Hardware bildet.

Nur echt mit der Krone

Über die Jahre hat Ludwig immer wieder das Badge verändert, wodurch sich die Trommeln heute den verschiedenen Zeiträumen zuordnen lassen. Das schicke kronenförmige Keystone Badge wurde nur durch eine vergleichsweise kurze Zeit vom sogenannten Blue Olive Badge abgelöst, ist aber seit Mitte der Achtzigerjahre zurück und hat nun wieder einen sehr ähnlichen Look wie die „Ur-Krone“ der heute besonders gefragten Vintage-Drums der Firma aus den Sechzigerjahren. In früheren Jahren war auf dem Badge auch der jeweilige Standort der Firma notiert, jetzt prangt darauf vor gekreuzten Sticks lediglich der Name Ludwig mit dem Zusatz „Made in USA“, was jedoch nur bedingt zutrifft, da einige Bauteile vom asiatischen Markt geliefert werden und dann im Werk in Monroe montiert werden. Das Design der Imperial Lug Spannböckchen hat sich seit deren Einführung in den Dreißigerjahren kaum verändert und rundet die Retro-Ästhetik ab. Die zehn Doppelspannböckchen sind mit schwarzem Gummi unterlegt, um die direkte Auflage auf dem Kessel zu verhindern und bieten Platz für die ebenfalls mit Gummi unterlegten Spannschrauben. Diese halten die dreifach geflanschten, 2,3 Millimeter dicken Stahlspannreifen und bringen damit die Felle auf Spannung. Das weiß aufgeraute Schlagfell und das dünne, klare Resonanzfell sind jeweils hauseigene Ludwig Weather Master Modelle in Medium-Stärke.

Ebenso wie die aktuellen Black Beauty Modelle sind auch die Raw Brass Phonic Modelle mit der lang erwarteten neuen P85AC Abhebung bestückt. Jahrzehntelang trieb das Vorgängermodell P85 Trommler in den Wahnsinn, da entweder der Hebel streikte oder sich die Rändelschraube während des Spiels löste und damit die Einstellung der Teppichspannung veränderte. Doch damit ist jetzt endlich Schluss. Die neue, mit einem Ludwig Schriftzug versehene Abhebung funktioniert ebenso wie der Vorgänger nach dem Throw Off Prinzip durch einen seitlich klappbaren Hebel, der aber nun sanft läuft und damit den Teppich nahezu geräuschlos anzieht. Die Teppichspannung lässt sich durch eine Rändelschraube einstellen. Diese ist gerastert, wodurch eine Veränderung durch Vibration während des Spielens nicht möglich ist. Das PC35AC Butt End lässt sich nun dank der verwendeten Vierkantschrauben auch mit einem einfachen Stimmschlüssel bedienen, womit die nervenaufreibende Suche nach einem Schraubenzieher entfällt. 

 

Nach seiner Einführung im Jahr 1970 wurde der P85 Strainer erst 2017 durch eine überarbeite, funktionierende Version ersetzt. Bleibt Ludwig also bei seiner schwerfälligen Reaktionszeit zur Behebung von Materialschwächen, können wir im Jahr 2065 mit einem hochwertigeren Snareteppich rechnen. Dass nämlich selbst diese hochklassigen und hochpreisigen Snares immer noch über solch einen minderwertigen Snareteppich verfügen, ist schlicht unverständlich. Abschließend lässt sich jedoch feststellen, dass alle übrigen Bauteile sauber verarbeitet sind und einen exquisiten Sound versprechen, den wir im nun folgenden Praxisteil hören.

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Obwohl diese Snare definitiv "knusprig" klingt, wäre es keine gute Idee, hineinzubeißen. Zum Geschmackstest geht‘s hier lang!

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