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11.03.2021

Lou Ottens: Erfinder der Kassette ist verstorben

Der niederländische Ingenieur Lou Ottens steht für ein Stück Musikgeschichte. In den 60er Jahren erfand er die Kompaktkassette, später wirkte er bei der Entwicklung der CD mit. Anfang März ist er im Alter von 94 Jahren gestorben.

Lou war stets von Technik begeistert. Bereits als Jugendlicher baute er sein eigenes Radio, um während des 2. Weltkriegs den Rundfunk der Alliierten zu lauschen. Damit konnte er Radio Oranje, die freien Sendungen aus London, hören. Dabei war ein "Germanen-Filter" eingebaut, der gegen Senderstörungen der Deutschen half. Nach Kriegsende studierte er an der angesagten Technischen Universität in Delft. Im Jahr 1960 fand Ottens beim Elektronikkonzern Philips einen Arbeitsplatz als Produktentwickler.

Zu dieser Zeit waren Tonbandgeräte noch verbreitet. Diese waren aber sehr umständlich, da die Spulen am Ende einer Aufnahme gewechselt werden mussten. Außerdem waren sie groß und unhandlich. Philips war daher auf der Suche nach einem Musikabspielgerät, welches tragbar war, wenig Ressourcen verbrauchte und für den Massenmarkt in Frage kam. Das Team unter der Leitung von Ottens stellte die Kompaktkassette dann erstmals 1963 in Berlin vor. Dass die Erfindung die Musikwelt jemals so prägen würde, hätte sich Lou damals nie vorstellen können. In einem Interview aus 2013 mit Die Zeit sagte der Ingenieur: "Es hat lange gedauert, bevor ich verstanden habe, dass wir damals bei Philips eine Revolution in Gang gesetzt haben. Eigentlich realisiere ich das erst seit Kurzem". 

Durchbruch dank Walkman

Durch die Möglichkeit Musik aufzunehmen wurde die Kassette eine potenzielle Konkurrenz zum Radio und eine Gefahr für die Musikbranche. Die Musikindustrie hatte Angst vor Raubkopien ihrer Ausstrahlungen und startete daher die Kampagne "Home Taping Is Killing Music". Oft wurden sogar Radiomoderatoren angehalten in den letzten Sekunden eines beliebten Liedes noch etwas zu sagen, damit die Kassetten-Aufnahmen gestört wurden. 

Für den absoluten Durchbruch auf den Massenmarkt sorgte dann allerdings eine Erfindung des großen Konkurrenten Sonys. Mit der Einführung des Walkmans 1979 war es von nun an möglich, mit einem kompakten und (damals) praktischen Gerät unterwegs Musik zu hören. In den 80er hatte die Kassette einen Marktanteil von über 50% in den USA.

Zur gleichen Zeit arbeitete ein Team um Ottens schon an der nächsten Revolution. Schallplatten gab es da zwar schon länger, diese sind aufgrund der Größe und dem Gewicht allerdings für viele Anwendungsfälle ungeeignet. Die VLPs, 30cm große auf Lasertechnik basierende Platten, konnte das Problem der Handlichkeit nicht lösen. Daher sollte eine kompaktere Version davon, nach dem Motto "Klein ist besser", der neue massentaugliche Tonträger werden. 1982 wurde schließlich durch Mithilfe Ottens die Compact Disc (CD) eingeführt. Der Rest ist Geschichte.

100 Milliarden Kassetten wurden laut BBC bis heute weltweit verkauft. Lou Ottens starb am 6. März 2021 im Alter von 94 Jahren im niederländischen Duizel.

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