Vocals Gitarre Bass Keyboards
Feature
6
26.10.2020

Konzerte im Herbst während Corona

Wie geht das "neue Normal" vor, auf und hinter der Bühne?

Ein Zwischenstand von Musiker/innen, Veranstalter/innen und Publikum

Mit Blick auf die vergangenen und die kommenden Monate fragen sich viele: Ist Livemusik in Zeiten von Corona wirklich möglich? Viele Clubs nutzten schon im Juli und August das schöne Wetter für Open-Air-Konzerte, die sogar bis Ende Oktober draußen stattfinden sollen. Seit September finden auch wieder Indoor-Konzerte in den Clubs statt. Live scheint also wieder etwas zu gehen. Doch wir fragen uns: Wie fühlt sich das "neue Normal" auf, vor und hinter der Bühne an? Ist es safe, Konzerte zu spielen, zu veranstalten und zu genießen? Wir haben uns in der Hamburger Clubszene umgehört und lassen Musiker/innen, Veranstalter/innen und Publikum zu Wort kommen.

Konzerte im Herbst und der Coronakrise

Nicht zuletzt wegen des Sommers und des guten Wetters bis Anfang Oktober konnten viele Veranstaltungen wie das Reeperbahnfestival Mitte September im Freien stattfinden. Doch mit den kühleren Herbsttemperaturen zieht es viele Veranstalter/innen natürlich wieder nach drinnen, das scheint bisher auch zu klappen. Konzerte können mit ausgeklügelten Hygienekonzepten und zumeist in kleiner Runde stattfinden. Musiker/innen und Bands haben wieder Gigs für dieses Jahr in den sozialen Medien veröffentlicht. Veranstalter/innen geben ihr Bestes, doch viele Fans zögern, obwohl die Sehnsucht nach Livemusik immens ist.

Musik genießen im Club

Der Nochtspeicher gehört zu einem der ersten Clubs in Hamburg, der mit Indoor-Konzerten wieder gestartet ist. Statt wie früher 330 Besucher eng gedrängt erleben nun maximal 60 Personen Livemusik sitzend. Das Ambiente ist gemütlich, die kleinen Tische mit Decken, weißen Lämpchen und Getränkekarten erinnern an einen Jazzclub in den 60er Jahren.

Der künstlerische Leiter Constantin von Twickel erklärt im Interview mit dem Blog Musicspots seine Idee:

"Wir haben uns überlegt, wir machen es uns gemütlich, und möchten ein ganz besonderes Erlebnis schaffen, indem wir hier die Reihen nicht einfach nur so schnöde bestuhlen, sondern eine Atmosphäre schaffen: Gemütlichkeit. Die Gäste sollen sich hier an den Tischen wohlfühlen und Getränke einnehmen. Wir haben nämlich etwas ganz Besonderes: einen Tischservice. Man muss gar nicht mehr Aufstehen und zur Bar gehen. Ich habe so ein kleines vintagelastiges Faible. Als wir überlegt haben, wie wir das machen, und als es hieß, es bestuhlt zu machen, da fielen mir sofort die alten Elvisfilme ein, wo das früher auch so war. Da wurde sehr viel Musik dieser Richtung in kleinen Clubs gemacht."

Das Konzept geht auf. Die Gäste fühlen sich wohl, die Bands genießen es, zu spielen, die Hygieneregeln funktionieren. Allein Doppelkonzerte gestalten sich schwierig, da zwischen den Shows der ganze Club desinfiziert werden muss und selbst die Tischdecken gewaschen werden müssen. Das Knust in Hamburg gehört zu einem der Clubs, der frühzeitig die Entscheidung getroffen hat, die Outdoor-Fläche vor dem Eingang für seine Veranstaltungen zu nutzen und den Platz vor dem Club mit Tischen und Bierbänken zur Outdoor-Konzertlocation umzugestalten. Rückblickend sagt Tim Peterding (Vorproduktion & Booking):

„Wir haben hoch gepokert, dass wir ab dem 1. Juli wieder Konzerte auf dem Lattenplatz veranstalten dürfen. So hatten wir dann ein Programm in der Tasche, als es endlich wieder losgehen durfte. Insgesamt konnten wir eine Menge ausprobieren und zeigen, dass ein Konzertbesuch auch unter coronakonformen Bedingungen Spaß machen kann.“

Wie lange wird man diese Außenflächen noch bespielen?

„Wir planen das Live-Programm noch bis Ende Oktober draußen durchzuführen, machen dann eine kleine Pause und starten ab dem 19.11. mit dem Knust Adventsingen auf unserem Lattenplatz. Bis zum 23.12. kann man dann jeden Tag einen anderen Chor anhören und Glühwein trinken. Parallel haben wir begonnen die ersten Veranstaltungen drinnen anzubieten. Natürlich bestuhlt und unter Einhaltung der Vorgaben. Wir entwickeln auch gerade eine duales Konzept von Präsenz und Online-Veranstaltungen, sodass Menschen, die gerade nicht in den Club gehen möchten, trotzdem Kultur erleben können, und für die Menschen geöffnet haben, für die Konzerte zur Lebensqualität gehören, um zum Beispiel ihre Lieblingsbands zu sehen oder ihre Freunde zu treffen."

Der Hamburger Club Hebebühne hat nicht die Möglichkeit, drinnen coronakonforme Konzerte zu veranstalten und startete Anfang Oktober eine Outdoorreihe. Warum jetzt noch? Auf Nachfrage sagt Geschäftsführer Kai Schulz:

"Die Eulenhof Session ist unsere Möglichkeit, als Hebebühne unter den aktuellen Auflagen und mit einem entsprechenden Hygienekonzept nach nun fast sieben Monaten wieder zu veranstalten und Publikum einzuladen. Dank der "Outdoor Förderung" von der Hamburger Behörde für Kultur und Medien finden nun acht Konzerte draußen im Hinterhof unseres Hauses statt. Da uns das Wetter im Oktober schnell in die Quere kommen kann, haben wir alles zeitweise überdacht und sind somit zumindest vor Regen geschützt. Das erste Konzert mit Lucas Uecker (Liedfett) hat bereits stattgefunden und war schnell ausverkauft. Das spricht zum einen für den sympathischen und guten Künstler und zeigt zum anderen, dass die Leute nach einer so langen Durststrecke große Lust auf Konzerte und Events haben. Auch unser Team ist motiviert und gibt alles, damit die Veranstaltungen reibungslos und vor allem sicher ablaufen. Künstler/innen eine Bühne bieten – was so einfach klingt, ist in diesen Zeiten doch eine Herausforderung."

Entscheidet der Musikstil über ein Corona-Booking?

Mit Blick auf das aktuelle Konzertangebot zuckt mancher Musikfan sicher zusammen. Es werden vermehrt Singer/Songwriter-Konzerte angeboten. Die Vorgaben begrenzen nicht nur die Anzahl der Gäste, vielerorts ist es auch Pflicht, zu sitzen, seit März herrscht Tanzverbot und die Lautstärke ist draußen stark beschränkt. Um den wilden lauten Musikbereich von Rock bis Heavy Metal ist es still geworden. Selbst das weltberühmte Wacken Open Air fand nur online statt. Wie war der Sommer so für die lauten Bands?

Iris Bernotat ist globale PR-Expertin für Musiker/innen und Bands aus dem Metalcore-, Hardcore- und Rock/Metal-Bereich. Sie schreibt uns:

"Für Rock und Metal ist alles anders. Auch wir schieben Buchungen quartalsweise und suchen neue Möglichkeiten, unsere Bands und Künstler/innen wieder auf Bühnen zu ihren Fans zu bringen. Aber das war diesen Sommer eher selten möglich. Ja, es gab ein paar Open Airs mit bis zu 1.000 Besucher/innen in Chemnitz, Leipzig, München, Gelsenkirchen, Essen, Frankfurt, Dresden und einigen weiteren Städten mit passenden Locations und aufwendigen Hygienekonzepten, aber im Winter wird wohl nichts Großes stattfinden, außer ganz kleinen Singer/Songwriter-Clubshows vielleicht. Wir warten schon wieder alle auf den Sommer. Die Künstler/innen produzieren im Studio neue Songs oder Videos für oder mit ihren Fans, um die Verbindung wenigstens über die Musik, Videos und vor allem über alle Social-Media-Kanäle aufrechtzuerhalten."

Ähnlich ergeht es wohl auch dem Hamburger Traditionsrockclub Logo. Dichtgedrängt singen, schwitzen und tanzen die Fans hier auf Konzerten – natürlich vor der Coronakrise. Der Club gilt als "Hamburgs lauteste Sauna". Er hat seit dem 12. März geschlossen und wird wohl erst wieder öffnen, wenn es einen Impfstoff gibt. Inhaber Eberhardt Gugel hat sich bewusst gegen Sitzkonzerte entschieden.

„Ich habe die Tische und Stühle hier rausgetragen, als ich den Laden übernommen habe – die bringe ich nicht wieder rein.“, sagt er im Interview. Damit das Logo überhaupt die Türen wieder öffnen kann, hat es alle Freund/innen und Fans mobilisiert, die den Club mit ihren Spenden vor der Schließung gerettet haben.

Konzerte unter Coronabedingungen aus Sicht der Musiker/innen

Mit Masken auf- und abbauen, keinen Kontakt zum Publikum, viel Platz vor der Bühne mit wenig Menschen – es ist nicht unbedingt einfach, Stimmung zu machen. Das spontane, unwägbare Erlebnis eines Konzertabends ist einer Gediegenheit gewichen. Die Interaktion zwischen Musiker/innen und Publikum läuft anders ab als gewohnt. Macht das noch Spaß? Wie ist es, momentan auf der Bühne zu stehen? Wir haben bei den Autor/innen der Vocalabteilung nachgefragt. Nicht alle haben schon wieder live gespielt.

Miu (Nina Graf)

„Ich bin dankbar, dass ich das erste Mal beim Reeperbahnfestival spielen durfte und auch eine tolle Bühne hatte. Unser Auftritt war sehr viel herzlicher, als ich es bei doch oft übersättigtem Festivalpublikum erwartet hätte. Dem RBF-Team gebührt ein großer Dank und Kompliment, dass das Festival mit einer logistischen Meisterleistung trotzdem durchgezogen wurde – auch, wenn uns die Sicherheitsregeln irgendwie nerven. Ich fand es ein wichtiges Signal, das Reeperbahnfestival trotz Corona stattfinden zu lassen. Nichtsdestotrotz empfinde ich alle Konzerte derzeit als großen Kompromiss für Künstler/innen, Publikum und Veranstalter/innen. Richtig unbeschwert geht da nichts und wirtschaftlich ist das alles natürlich eine Vollkatastrophe.

Wir hatten außerdem für das Jubiläum unseres Albums, das in die Charts eingestiegen ist, ein großes Konzert geplant. Wir ziehen unter normalen Umständen in unserer Heimatstadt gut 500-700 Leute, derzeit dürfen in den Club aber gerade mal etwas mehr als 100. Das ist weder für den Club noch für uns profitabel, und auch eventuelle Fördermaßnahmen der Stadt hätten uns bei einer Besetzung von 15+ beteiligten Musiker/innen nicht geholfen. Wir hätten keine Abstandsregelungen einhalten können. Und ganz davon ab: Irgendwie macht es auch keinen Spaß, einen riesigen Aufriss zu planen und in eine Handvoll vereinzelt sitzender Leute zu schauen, die weder tanzen noch singen dürfen. Ich hätte das Konzert am liebsten direkt um ein Jahr verschoben. Auf Wunsch des Clubs wurde das Konzert jetzt erstmal auf Mai verlegt. Ich hoffe, dass es dann stattfinden kann."

Puder (Catharina Boutari)

"Ende September war es dann so weit. Ich konnte mein aus dem Juni verschobenes Releasekonzert für das neue Album an gleich zwei Abenden im Nochtspeicher in Hamburg nachholen. Durch die Beschränkung der Sitzplätze war die erste Show so schnell ausverkauft, dass der Club uns den Folgetag für eine zweite Show angeboten hat. Nach dem Konzert alles stehen und liegen lassen, einfach nach Hause fahren und am nächsten Tag kurz vor dem Einlass für einen Linecheck spät wiederkommen. Ein Luxus, für den wir alle Nervigkeiten des Hygienekonzeptes auf uns genommen haben. Zumal der Club einen immensen Einsatz bringt, um allen Menschen auf und vor der Bühne eine gute Zeit zu schaffen. Ich habe mit voller Besetzung und Gästen gespielt. Ich wollte keine Abstriche machen und zumindest zweimal meine Musik so aufführen, wie sie maximal gedacht ist. Das Publikum hat sich total gefreut und uns gefeiert. Dafür bin ich dankbar, vermisse aber gleichzeitig die Energie, die ich sonst immer herzustellen versuche und jetzt nicht durfte. Auch war es nicht leicht, meine Fans zum Ticketkauf zu bewegen. Nicht vom Herzen her, aber vom Verstand, der ihnen sagt, besser zu Hause zu bleiben. Die Zurückhaltung war schon groß."

Tom Gatza

"Es fühlt sich erst einmal sehr gut an, überhaupt wieder Konzerte vor Publikum spielen zu können. Dadurch, dass sich derzeit die Konzerte coronabedingt am besten Outdoor umsetzen lassen, war es natürlich sowohl für Publikum als auch auf Artist-Seite schon etwas kalt und es wurde penibel auf die Lautstärke geachtet, um die Nachbar/innen nicht zu verärgern. Das ist bei Open-Air-Konzerten ja aber immer so eine Sache. Da zu meiner Musik nicht getanzt wird und sie sich ohnehin am besten im Sitzen genießen lässt, war das Mitsing- und Tanzverbot für mich kein Problem. Die Performance an sich hat sich also nicht anders angefühlt als sonst auch. Die nachträglichen Gespräche und der Merchandise-Verkauf fanden aufgrund der Abstandsregelungen dann leider kaum statt. Da solche Konzert-Events normalerweise Orte von Austausch und Lockerheit sind, fällt es dem Publikum schon teilweise sichtbar schwer, sich konsequent an die Abstandsregeln zu halten. Zumindest bei meinen Konzerten gab es hier aber seitens der Veranstalter/innen immer Hygiene-Beauftragte, die die Zuschauer/innen dann freundlich daran erinnert haben. Durch die Quarantäne-Regeln kann es immer passieren, dass spontan Crew-Mitglieder von Club oder Artist ausfallen. Bei mir musste der Tontechniker leider aus Quarantäne-Gründen spontan zu Hause bleiben und ich hatte Glück, dass ein Techniker vor Ort war. Das Publikum war im Vorverkauf eher zurückhaltend, was auf Nachfrage a) an den herbstlichen Temperaturen und b) an der Vorsicht, sich nicht anstecken zu wollen, lag. Insgesamt kann ich mir gerade mit meiner Musik sehr gut vorstellen, unter solchen Bedingungen aufzutreten, da sich für mich höchstens an der Publikumsgröße etwas ändert."

Helge Schneider hatte am 20. Mai auf Facebook ganz unmissverständlich klar gemacht: "Ich trete nicht auf vor Autos. Ich trete nicht auf, vor Menschen, die anderthalb Meter auseinander sitzen müssen und Mund-Nasen-Schutz tragen. Ich trete auch nicht auf im Internet, in einem gestreamten Programm. Meine Idee ist, erst wieder aufzutreten, wenn alle Freiheiten wieder da sind."

Aber schon im September wurde wieder eine ganze Reihe von Konzerten gespielt. Ob aus finanziellen Gründen, Wunsch des Labels oder einfach doch der großen Vermissung vor Menschen zu spielen.

Corona und Publikum

Fühlt sich das Publikum sicher in Konzerte zu gehen?

Viele Fans sind, wie oben beschrieben, trotz der ausgeklügelten Hygienekonzepte und dem Fakt, dass es bisher noch keine nachweislichen Infektionen im Club, Theater, Oper oder Kino gegeben hat, äußerst zurückhaltend mit Ticketkäufen. Der Wunsch nach Kultur ist groß, die Sorge sich unnötig einer risikoreichen Situation auszusetzen bei vielen größer. Aber diejenigen, die sich trauen, genießen die Veranstaltungen.

Caro Schwarz, Musikblog Musicspots

"Auch für mich war es anfangs ungewohnt, auf Konzerte zu gehen. Abstand halten, Maske tragen und nicht wild mitzutanzen ist wirklich schwierig als Musikfan. Doch es ist eine Mischung aus „Besser als nichts“ und „Yeah, endlich wieder“. Beim ersten Ton der Band ist mir erst so richtig bewusst geworden, wie sehr mir das echte Livemusik-Erlebnis gefehlt hat. Kein Streaming-Konzert kann den Bass im Bauch und das Leuchten in den Augen der Bandmitglieder ersetzen. Ich merke, dass ich jeden Augenblick viel mehr genieße und intensiver erlebe. Ich hoffe ja, dass wir alle Musik weiter live genießen und Musiker/innen und Bands durch Ticketkäufe unterstützen können."

Nehle M., Besuch Puder Releasekonzert, Nochtspeicher Hamburg

"Ich habe mich auf dem Konzert sehr sicher gefühlt. Am Einlass beim Warten habe ich meine Maske getragen, an die ich mich ja inzwischen auch gewöhnt habe. Ein freundlicher Mitarbeiter führte mich mit Maske zum Tisch, hier konnte ich sie dann auch abnehmen. Ich konnte an meinem Tisch mit Freunden in Vierergruppen nah beisammensitzen, die ich eh in meiner Freizeit sehe. Ich musste nur meinen Arm heben und schon kam jemand von der Bar an unserem Tisch vorbei und nahm die Bestellung auf. Innerhalb von fünf Minuten waren unsere Drinks da. Mir fremde Gäste saßen mit Abstand zu mir. Trotzdem waren sie ja da und ich konnte mit ihnen gemeinsam, nach langer Auszeit „live“ Musik erleben. Ich konnte nicht nur das Geschehen auf der Bühne beobachten, sondern auch andere Zuschauer/innen und ihre Reaktionen: Ihr Lachen, ihr Träumen, ihr Kopfnicken. Wenn man sich an ein bisschen Abstand gewöhnt, dann hat man es trotzdem, das Gefühl, dass man eben nur haben kann, wenn man wirklich vor Ort ist: Gemeinsam mit anderen Menschen, in einer gemeinsamen Interaktion mit Künstler/innen, die live etwas performen. Egal ob mit oder ohne Abstand, dieses Erlebnis kann keine Aufzeichnung und kein Zoom dieser Welt ersetzen."

Antje K., die so gerne mal wieder auf ein Konzert gehen würde, es aber nicht tut.

"Bei mir herrscht einfach große Unsicherheit. Das Thema ist nicht so sehr, dass ich mich selbst anstecke, eher die Kette, die ich hinter mich herziehe (Schule, Kita, Arbeit, Schwimmvereine & Musikunterricht der Kids). Mir ist klar, dass es ein Hygienekonzept gibt, aber dieses wird nicht immer streng eingehalten. Selbst wenn es keinen Alkoholausschank gäbe, kann man vorher “tanken”. Alkohol pfeift gern auf Hygienekonzepte. Ich habe nachts die Leute eng im Pulk in Bars sitzen und sich umarmen gesehen – trotz Hygienekonzept. Es gibt auch Bars, die anders sind, aber alles ist derzeit so fragil und Hygienekonzepte geben mir nicht die nötige Sicherheit."

Die Zahlen der Coronainfektionen steigen

Doch wie lange hält sich das fragile, neue, gut funktionierende "Normal"? Erste Konzerte werden von Veranstalterseite wieder abgesagt. Gästezahlen weiter reduziert. Sperrstunden verhängt. Droht ein zweiter Lockdown? Müssen die Clubs wieder schließen? Was denkt das Hamburger Clubkombinat? Wir haben den Geschäftsführer Thore Debor um ein paar Zeilen gebeten:

„Bislang ist noch keine Infektion in einem Musikclub mit Hygienekonzept nachgewiesen worden. Wenn in Hamburg die Obergrenze von mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb der letzten sieben Tage erreicht wird, werden die jüngsten Corona-Beschlüsse für bundesweit einheitliche Regelungen mit Sperrstunden und Alkoholverboten die eh schon stark eingeschränkten Möglichkeiten, Konzerte zu realisieren, weiter vermindern. Dies würde erneut harte Einschnitte für die arg gebeutelte Musiklandschaft erzeugen. Unter anderem stünden die Förderungen für einen Neustart zur Disposition.“

Hamburg ist seit dem 19.Oktober Risikogebiet. Wir sind skeptisch optimistisch, wie der Konzertherbst 2020 verlaufen wird. Während dieser Text den letzten Schliff bekommt, treffen weitere Absagen bei Musiker/innen ein, sei es aufgrund der schlechten Vorverkaufszahlen oder wegen weiterer Einschränkungen. Zu hoffen bleibt, dass die wenigen bestehenden Konzerte trotzdem gut besucht werden und die auftretenden Musiker/innen und Bands eine faire Gage erhalten. Denn blicken wir auf das Jahresende, so steht eins fest. Die große Silvesterparty fällt auf jeden Fall aus. Dies ist besonders bedauerlich, da sie den vielen Akteuren auf und hinter der Bühne gute Einnahmen zum Jahresende bringt. Somit bleibt nur zu hoffen, dass es zusätzlich zu den aktuell stattfindenden Gigs eine Unterstützung von Staat geben wird und Musikfans ihre Lieblingsbands durch gute Einschaltquoten und Ticketverkäufe online und offline weiter unterstützen.

Verwandte Artikel

User Kommentare