Gitarre
Test
1
22.08.2017

König Blue Note Combo Test

Vollröhren-Gitarrenverstärker

Die Königsvariante

Mit seinen Blue Note Gitarrenverstärkern reiht sich der Berliner Musikelektronik-Spezialist Harald König in die Gilde der innovativen Köpfe ein, die im Gitarrensektor im Moment in deutschen Landen für Furore sorgen. Denn dass herausragende Entwicklungen nicht immer aus den USA kommen müssen, beweisen viele wegweisende Konzepte, darunter beispielsweise die analoge Röhrensimulationen des Dual Drive von Dirk Baldringer oder der sagenumwobene Kemper Amp, der die Gitarrenwelt förmlich auf den Kopf gestellt hat, um nur einige zu nennen.

Für Puristen bietet die Tube Amp Manufactur, wie Mastermind Harald König seine Fertigung nennt, neben hochwertigen und edlen Röhren- und Hybridverstärkern sowie diversen cleveren Problemlösungen auch den Blue Note, einen gleichzeitig traditionellen und hochmodernen Boutique-Röhrencombo, der trotz klassischer Optik mit einigen Innovationen aufwarten kann.

Details

Konzept

Der Blue Note ist ein zweikanaliger Vollröhren-Gitarrencombo, der in Berlin in Handarbeit entsteht. Auf den ersten Blick erinnert der Amp an eine Mischung aus Princeton und Mesa Boogie MK1. Aber der Blue Note ist keineswegs die Kopie eines bereits bestehenden Konzepts, sondern hat seinen ganz eigenen Sound, aber dazu später mehr. Er ist nicht nur superkompakt, sondern mit einem Gewicht von gerade einmal 12 kg auch extrem leicht. Zwar haben auch andere Hersteller inzwischen leichte Amps im Programm, aber hier handelt es sich um einen reinrassigen Vollröhrenamp, der bis auf den eingebauten Digitalhall vollständig konventionell aufgebaut ist. Seine Endstufenleistung beträgt trotz des geringen Gewichtes fette 30 Röhrenwatt, und wer schon einmal einen Vox AC30 gespielt hat, der weiß, wie laut die sein können. Allerdings bringt der englischen Klassiker knapp 20 Kilo mehr auf die Waage. Erreicht wird das geringe Gewicht durch die konsequente Verwendung extrem leichter Komponenten. Dazu gehört das entsprechende Holz, ein Alu-Chassis und spezielle Trafos, die trotz ihres geringeren Gewichtes eine ähnliche Leistungen bringen wie traditionelle Bauteile. Außerdem hat man sich beim Testamp für einen 12 Zoll Celestion G12 NEO mit einer Leistung von 60 Watt entschieden, der dank des verwendeten Neodym-Magneten nur etwa die Hälfte eines herkömmlichen Creambacks wiegt. Die individuelle Fertigung macht es übrigens möglich, dass außer dem auf der Website ebenfalls aufgeführten Jensen P12/100BB Lautsprecher der Blue Note auf Wunsch auch mit jedem anderen Speaker bestückt werden kann.

Das Frontpaneel

Beim Blue Note Combo befinden sich alle Bedienelemente auf der Vorderseite oberhalb des Lautsprechers. Im Gegensatz zum Vox-Design, dessen Regler nach hinten versetzt angebracht sind, beginnt die Reise des Gitarrensignals vorne links. Die Eingangsbuchse ist mit einer zuschaltbaren Boosterschaltung gekoppelt. Hier kann man nicht nur mehr Gain erzeugen, sondern leistungsschwachen Gitarrensignalen gezielt auf die Sprünge helfen. Die Aktivierung des Boosters wirkt sich übrigens auf beide Kanäle aus und kann leider auch nicht mit dem beigelegten Fußschalter deaktiviert werden. Mit ihm lassen sich lediglich die beiden Kanäle und der Hall steuern. Der cleane Kanal ist komplett autark aufgebaut und hat neben einem Gain- und Volume-Poti seine eigene Klangregelung, bestehend aus Bass, Mid und Treble. Der Mittenregler wirkt sich hier besonders auf die oberen Mitten aus und greift von allen Reglern am stärksten ins Klanggeschehen ein. Bei hohen Einstellungen werden gleichzeitig Bass und Obertonbereich entschärft, was besonders beim Solieren Sinn macht. Weitere Eingriffsmöglichkeiten bieten zwei Schalter mit jeweils drei Positionen, von denen die mittlere die neutrale Einstellung ist. Der Tone-Schalter verstärkt in der oberen Position die hohen Frequenzen, während er sie in der unteren Einstellung leicht abschwächt. Man könnte diese Schaltung durchaus mit den Brightswitches bei einigen Fenderamps vergleichen, jedoch hat man hier darauf geachtet, dass die Höhen sanft und transparent angehoben werden. In der unteren Stellung des Deeep-Schalters wird der Frequenzbereich um 300 Hertz angehoben. Schaltet man ihn nach oben, werden neben den 300 Hertz zusätzlich auch die Präsenzen gepusht. Der High-Gain-Kanal bietet neben identischen Klangreglern und den beiden Tone-Schaltern noch ein zusätzliches Tone/Driver-Poti. Im Gegensatz zur Klangregelung sitzt dessen Schaltkreis vor der Bratstufe und beeinflusst die Zerrstruktur. Je weiter man den Regler aufdreht, um so fetter wird der Ton. Dadurch kann es mit Humbuckern bei hohen Einstellungen schnell zu fuzzig werden. Im umgekehrten Fall lässt sich der spitze Ton eines Telecaster-Stegpickups gezielt entschärfen und anfetten. Hier hat man also ein effektives Sound-Tool zur Hand, mit dem man sehr nuanciert an seinem Ton feilen kann. Auf der rechten Seite des Bedienpaneels befindet sich der Reverb-Regler, mit dem sich der internen Digitalhall gleichzeitig für beide Kanäle einstellen lässt. Ein weiterer Minischalter wechselt die Kanäle und der letzte in der Reihe präsentiert sich in Normalgröße und dient als Standby-Schalter.

Die Rückseite

Neben dem Power-Schalter befindet sich die separate Sicherung, die bei vielen anderen Amps mittlerweile in eine kombinierte Kaltgerätebuchse integriert ist. Das Netzkabel ist mittels Kabelklemme am Gehäuse befestigt, also nicht fest montiert. Bei genauerem Hinschauen entdeckt man eine Schukobuchse, die sich im unteren Teil des Aluchassis innerhalb des Combogehäuses befindet. Hier kann man also bei Bedarf auch ein längeres oder kürzeres Netzkabel anbringen. Der Amp hat zwei Lautsprecherbuchsen, eine für den internen Lautsprecher und eine weitere für eine externe Box. Werden beide Buchsen verwendet, sind sie parallel geschaltet. Die Schaltung der Endstufe kann Lautsprecher von 4 bis 16 Ohm verarbeiten, wobei die Anpassung automatisch vom Amp vorgenommen wird. 

Tunlichst vermeiden sollte man allerdings, den Amp ohne angeschlossenen Lautsprecher zu verwenden, denn das quittiert die Schaltung unter Umständen sehr schnell mit ihrem Ableben. Das gilt übrigens für alle Röhrenendstufen. Neben der Line-Out-Buchse liegt der Effekteinschleifweg in Form der beiden Send- und Returnbuchsen. Hier bitte nur wirklich gute Effekte der neuesten Generation anschließen, damit die Dynamik des Amps möglichst unangetastet bleibt. Eine entsprechende Übersicht dazu findet ihr hier:

und hier:

Letzte im Bunde ist die Anschlussbuchse für den beigelegten Fußschalter, der die beiden Kanäle sowie den integrierten Hall auch vom Bühnenrand aus schaltet. Schaut man von hinten ins Innere des Combos, sieht man seitlich zwei große Flügelmuttern. Nach dem Lösen lässt sich der untere Teil der Holzverkleidung nach hinten ausklappen und als Stütze verwenden. So kann man den Amp in einem Winkel von 45 Grad schrägstellen, um sich besser hören zu können.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

Boss Katana Air Test

Der Boss Katana Air Modelling Combo ist nicht nur kompakt, leicht und klingt gut – er rockt auch ohne Steckdose und braucht nicht einmal ein Gitarrenkabel.

Positive Grid Bias Mini Guitar Test

Das Positive Grid Bias Mini Guitar Topteil macht sich ziemlich klein, trotz 300 Watt, 16 programmierbaren Amp-Modellen und einer überzeugenden Performance.

Synergy SYN-50 Test

Das Synergy SYN-50 Röhrentopteil besitzt zwei Einschübe, in denen Verstärker-Ikonen als authentische Röhren-Module ihren legendären Sound generieren können.

Orange Rocker 15 Terror Test

Mit dem Orange Rocker 15 Terror präsentiert sich ein flexibles, kraftvolles kleines Vollröhren-Topteil, das von Blues bis Heavy Rock jedes Genre meistert.

User Kommentare