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23.10.2019

Klaviernoten für Einsteiger: Pop und Klassik

Notenalben für Anfänger, Wiedereinsteiger und Pädagogen

EasyPop, Journey through the Classics, PianoPiano und weitere Longseller

Klavierspielen nach Noten ist nicht jedermanns Stärke. Du hast vor kürzerer Zeit mit dem Pianospiel angefangen oder du möchtest nach jahrelanger Pause wieder musizieren? Vielleicht bist du Bandkeyboarder und willst deine Fähigkeit, Stücke ad hoc vom Blatt zu spielen, verbessern? Du bist Pädagoge und arbeitest privat oder an einer Musikschule? Für die beliebte Rubrik „Pop und populäre Klassik“ nennen wir einige Notenalben, die du unbedingt kennenlernen und gern auch in dein Repertoire aufnehmen solltest.

Spaß oder Lernen? Fürs Studieren sind solche Stücke unpraktisch, deren Melodien du schon lange kennst und mitsummen kannst. Ein hoher Bekanntheitsgrad führt dazu, dass die Stücke nicht „a prima vista“ (auf den ersten Blick) gespielt werden, sondern doch eher per Gehör. Außerdem ist es immer gut, etwas Neues zu erfahren. Wenn's denn auch leicht fällt – umso besser.

Easy Pop

Daniel Hellbach trifft mit seiner Serie „EasyPop“ ins Schwarze.  EasyPop Volume 1 gehört eigentlich in jedes Bücherregal und vermittelt auch Klassikfans, dass Pop facettenreich und gut spielbar sein kann. Die insgesamt 16 Stücke sind allesamt Miniaturen - Gesamtlänge von 8, 16 oder auch 24 Takten - in einer überschaubaren A-B-A-Form. Sehr gut: Es sind überhaupt keine bekannten Popsongs, sondern vielmehr eigene Muster, die unterschiedliche Stilmerkmale der Popmusik andeuten.

Du solltest nicht gerade mit dem ersten Titel „Wishful“ beginnen. Zwar schaut dieser Song auf den ersten Blick harmlos aus, fordert aber die linke Hand heraus, die dynamisch, rund und artikuliert das Thema gestalten muss, während die rechte Hand die Begleitakkorde übernimmt -normalerweise ist es ja umgekehrt. Viel entspannter startest du mit dem romantischen „Misty Day“ (verbreitet herbstliche Stimmung). Der achttaktige Hauptteil ist leicht spielbar, denn die ersten sechs Takte beruhen auf immer derselben Tonfolge (d-moll). „Easy“ mit einer absteigenden C-Dur Tonleiter im Bass ist ein schöner Gute-Laune-Swing, den du ohne Pause für einige Minuten wiederholen könntest.

Wer sich einmal näher mit den unterschiedlichen Akkordvorhalten - der Quartvorhalt sus4 ist längst nicht alles - befassen möchte, kann dies bei „Solitude“. In diesem Stück wimmelt es vor Vorhalt-Akkorden mit anschließender Auflösung. Ein „Turn around“ in G-Dur kannst du im nächsten Titel „Gliding“ zum Besten geben. Die ersten fünf Stücke machen durchweg Spaß. Wenn du schon etwas besser spielst, solltest du ruhig einmal versuchen, über diese eingängigen Akkordfolgen zu improvisieren.

Natürlich sind synkopische Rhythmen ein wichtiges Merkmal etlicher Popstücke. Bei den rasanten Titeln „Energy“ und „Slam“ kannst du Synkopen gut üben. Easy Pop Volume 1 von Daniel Hellbach bietet zwischen sentimentalen Balladen und fetzigen PopRock-Stücken auch schöne Überraschungen: Wie der Titel schon erahnen lässt, ähnelt das 16-taktige „Paris“ einem französischer Menuett-Walzer. Bevor du dich aber an weitere Folgen der EasyPop-Reihe machst, solltest erst einmal die Werke anderer Autoren probieren.

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Journey Through The Classics

Eine Zusammenstellung vieler schöner und meist nicht ganz so bekannter Klassikwerke wie „Für Elise“ bietet „Journey Through The Classics“ von Jennifer Linn. Wie Easy Pop enthält der erste Band dieser vierteiligen Serie sehr kurze und gefällige Stücke, die sich charakterlich unterscheiden und durch verschiedene Tempi - es dominieren die eher getragenen Werke - insgesamt Abwechslung schaffen. Die Komponisten haben nicht alle während der Klassik-Epoche gelebt, aber ihre Werke im klassischen Stil geschrieben. Die Stücke „Follow the Leader“, „Little March“ und „Romance“ sind wirklich sehr einfach vom Blatt zu spielen. Da sollten sich bei jedem Anfänger erste Erfolgserlebnisse einstellen.

Wer kleinere Vortragsstücke sucht, findet sie: „Bourrée in D Minor“ von Christoph Graupner ist eines der bekannteren Werke in dieser Sammlung. Übenswert ist jedenfalls auch die „Etude in E Minor“. Eine idyllische mittelalterliche Stimmung verbreitet „Sheperd's Flute“. Die linke Hand übernimmt lediglich die Quinte D-A in der großen Oktave, du kannst dich ganz auf den Vortrag der Flötenmelodie konzentrieren. 

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Piano Piano

Nun zu den wahren „Evergreens“ aus Klassik und Pop sowie Filmmusik. Wenn du Lust hast, richtig bekannte Stücke in einfachster Fassung zu spielen, wird dir der Band „Piano Piano“ von den Arrangeuren Gerhard Kölbl und Stefan Thurner gefallen. Diese Bearbeitungen erscheinen in Tonarten, die dich nicht durch zahlreiche Vorzeichen erst einmal verunsichern wollen - meist sind nur ein ‚b‘ oder ein ‚#‘ notiert. Schwierige Akkorde und komplizierte Rhythmen kannst du ebenso ausschließen. Mehr als drei Töne mit beiden Händen gleichzeitig brauchst du nicht zu spielen.

Bei insgesamt rund 100 Titeln solltest du schon ein paar Favoriten finden können. Natürlich triffst du auf die Wiener Klassiker Mozart, Beethoven und Haydn ebenso, wie auf Bach, Verdi oder Donizetti. Im Bereich der Popmusik solltest du schon die Beatles mögen. Aktuellere Hits sind aber nicht vertreten, es bleibt bei Traditionals und Ohrwürmern, die bereits vor Jahrzehnten um die Welt gingen. Am besten du schaust selber einmal auf das Inhaltsverzeichnis. Piano Piano gibt es auch zusammen mit Audio-CDs oder MIDI-Dateien (SMF), die beim Üben helfen sollen.

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Jugendalbum für Klavier

Wenn es deutlich anspruchsvoller und für lange Zeit herausfordernd sein darf: Das „Jugendalbum für Klavier“ von Manfred Schmitz ist eine wirklich lohnende Anschaffung mit über 120 Stücken. Es lässt Klassik, Pop und Jazz zu einer fantastischen, zeitlosen Klaviermusik verschmelzen. Schmitz orientiert sich an Robert Schumanns „Album für die Jugend“, bringt aber seine zeitgemäße Interpretation durch neuere Stile wie Rock, Jazz oder Pop-Romantik.

Für einen leichten klassischen Einstieg wählst du „Altes Lied“ im Dreiertakt“ oder „Das Tonleiter-Präludium“ sowie das „Rock Intermezzo“ für ein kraftvolles und grooviges Spiel. Auch gut spielbar und wirkungsvoll ist „Chanson Flair“. Gleiches trifft auf die reizende „Rock Toccata“ zu, die aber längere Zeit geübt werden muss. Die „Fantasie in a-Moll“ und weitere Stücke am Ende des Albums wenden sich an weit fortgeschrittene Schüler.

Erwähnenswert sind die metrische Vielfalt und zusammengesetzten Taktarten: So zum Beispiel ist „Rondo á la Dave“, eine Hommage an Dave Brubeck, im 9/8-Takt (2/8 + 2/8 + 2/8 + 3/8) geschrieben. Ein 5/4-Takt (Stichwort: „Take Five“) ist natürlich auch mit von der Partie. Auf Youtube findest du einige Werke des Jugendalbums. Es sind Einspielungen verschiedener Pianisten auf unterschiedlichem Level. Vieles ist nicht perfekt, aber immerhin kannst du dir einige sinnvolle Anregungen für deine eigene Interpretation holen oder die Stücke zumindest erst einmal anhören und entscheiden, ob sie dir überhaupt gefallen.

Das Jugendalbum für Klavier ist schon seit rund 20 Jahren ein Standardwerk für junge wie ältere Klavierspieler, die den Spagat zwischen Klassik, Pop, Jazz und Romantik auch bis zu einem hohen Schwierigkeitsgrad lieben.

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Yiruma – The Best

Einer darf schließlich nicht fehlen: Der junge südkoreanische Pianist und Komponist Yiruma als das Beste zum Schluss. Wer einmal mehr als den heißgeliebten Piano-Klassiker „River flows in you“ spielen möchte, erhält mit „Yiruma the Best“ auf 87 Seiten beste Gelegenheit, einige unbekanntere Stücke kennenzulernen. An manchen Stellen wirst du den Eindruck gewinnen, dass sich die Stücke immer wieder auch für das Barjazz-Piano adaptieren lassen, wenn man selber noch ein paar Akkordtöne ergänzt und manche Passagen improvisiert. Empfehlungen für den Start: Poem, Chaconne oder May Be.

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Schlusswort

Fassen wir zusammen: Mit diesen Notenbuch-Tipps gehst du eine ganze Weile bestens gelaunt ans Klavier und kannst viele gute praktische Erfahrungen machen. Wenn der eine oder andere Band sehr gut ankommt: Letztlich ist es besser, den Autor oder die Serie zu wechseln als dem zweiten Band derselben Buchreihe zu vertrauen.

Viel Spaß mit der musikalischen Vielfalt!

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