Gitarre Bass Hersteller_Kemper
Test
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29.07.2019

Kemper Profiler Stage Test

Modeling Amp Pedalboard

Bühnen-Profiler

Mit dem Kemper Profiler Stage präsentiert der deutsche Hersteller ein All-in-one-Produkt, das Profiler und Remote in einem Gehäuse vereint. Der Name Stage sagt deutlich, für welchen Einsatzzweck das Gerät konzipiert ist, und weil man nur noch ein Teil auf die Bühne stellen muss, gestaltet sich auch der Transport recht entspannt.

Auch preislich zeigt sich das Ganze recht attraktiv, denn der Profiler Stage wechselt für runde 1600 Euro den Besitzer. Ein verlockendes Angebot wenn man bedenkt, dass für die Alternative Profiler Head/Rack und Remote aktuell knapp über 2000 Euro aufgerufen sind. Was der Profiler Stage alles kann und was ihn von seinen älteren Geschwistern unterscheidet, erfahrt ihr im folgenden Test - immerhin haben Profiler Head und Powerhead in unseren Tests einen sehr guten Eindruck hinterlassen.

Details

Der Profiler Stage ist in einem soliden Metallgehäuse untergebracht, das 470 x 260 x 85 mm (B x T x H) misst und 4,6 kg wiegt. Nüchtern betrachtet hat Kemper mit dem Profiler Stage im Prinzip die Remote etwas vergrößert und in ihr einen kompletten Profiler (ohne Endstufe) untergebracht. Dabei sind die Fußtaster in zwei Reihen angeordnet, wobei die zweite leicht erhöht und dadurch gut erreichbar ist. Die vordere Hälfte der Bedienoberfläche ist mit den Bedienelementen bestückt. Die Zentrale bildet das 124 x 32 mm große LCD-Display, darunter vier Parameter-Regler, flankiert vom Gain und Master-Volume. Oberhalb findet man den Type- und Browse-Regler zur Anwahl von Effekten oder Rigs. Ansonsten gibt es eine Menge hintergrundbeleuchteter Taster, die auch fast alle bei der Head- und Rack-Version vorhanden sind. Neu sind die speziellen Taster für Morphing und das Edit-Menü. Im Vergleich zum Head/Rack wurden einige Regler eingespart, wie die sechs schnellen Zugriffs-Potis für Mod, Delay und Reverb beispielsweise sowie das separate für das Noise-Gate, das hier in die Input-Sektion verfrachtet wurde. Die Auswahl der Betriebsmodi erfolgt ebenfalls über Taster (Browser, Perform), beim Head/Rack ist dafür ein Chickenhead-Poti zuständig. Das Erstellen von eigenen Amp-Profilen ist mit dem Profiler Stage ebenfalls möglich, hierzu müssen Browse- und Perform-Taster gleichzeitig gedrückt werden.

Das Display entspricht 1:1 der Anzeige der Remote und kann unterschiedlich eingestellt werden, sodass man auf der Bühne einen guten Überblick über das angewählte Rig und die möglichen Schaltfunktionen hat. Die Mitbewerber im Multi-Effekt/Modeling-Amp-Bereich haben mitunter attraktivere, hochauflösende und mehrfarbige Displays, aber für die Anzeige der Sounds und die Funktionen der Effekt-Taster ist das Display absolut ausreichend. Auch beim Editieren passt soweit alles, wenn man vor der Kiste sitzt. Kemper hat im Januar 2019 auf der Namm Show bereits eine Beta-Version eines Editors für den Profiler vorgestellt, langfristig wird das mit Sicherheit eine komfortablere Bedienung ermöglichen, sodass man nicht auf dem Boden knien muss, um Sounds einzustellen. Genaue Angaben, wann der Editor final veröffentlicht wird, gibt es leider noch nicht. Ansonsten macht der Stage einen sehr soliden und roadtauglichen Eindruck, die Fußtaster können auch grobe Tritte verkraften und auch Potis und Endlos-Drehregler wirken stabil und wertig.

Rückseite/Anschlüsse

An der Stirnseite sind alle Anschlüsse aufgereiht, und davon gibt es eine Menge. Es geht los mit der Eingangsbuchse und den Anschlüssen für die beiden separaten Effektloops, je einmal Send und zweimal Return (Stereo). Auch das ist eine Abweichung zur Head/Rack-Version, die nur mit einem Effektloop ausgestattet ist. Die Loops können frei im Signalweg positioniert werden, man muss dafür in einem Effekt-Modul in der Signalkette den entsprechenden Loop aktivieren. Der Send-1-Ausgang kann als zusätzlicher Output aktiviert werden, z.B. für Aufnahmen des direkten Gitarrensignals. Der Return 1 dient auch als Aux-In, falls man einen MP3-Player zum Üben anschließen möchte. Für die Main-Outputs (zum Audio-Interface, Mixer) stehen je zwei XLR- oder Klinkenbuchsen zur Verfügung, das Signal zum Monitor-Out hat ebenfalls zwei Anschlüsse. Der Monitor-Out ist ein separat regelbarer Ausgang (inkl. Master-EQ) für den Amp auf der Bühne, der wahlweise in Mono oder Stereo betrieben werden kann. Falls man einen Gitarrenlautsprecher benutzt, lässt sich das Cab-Profil für den Monitor-Out deaktivieren, der Main-Out wird unangetastet mit dem kompletten Profil (Amp&Cab) bestückt.

Als nächstes kommen der Kopfhöreranschluss im Stereo Miniklinkenformat und die digitalen Anschlüsse, die für Recording und Reamping gedacht sind, wenn man die digitale Ebene nicht mehr verlassen möchte. Die Sample-Rate ist einstellbar zwischen 44,1, 48, 88,2 und 96 kHz. Man hat auch beim Profiler Stage auf ein integriertes Expression-Pedal verzichtet, wodurch der User die Möglichkeit hat, seine eigene Konfiguration zu erstellen und das oder die Pedale seiner Wahl auf die gewünschten Seiten zu positionieren. Bis zu vier Expression-Pedale zur Steuerung von Volume, Wah, Pitch oder Morphing können an die Pedalbuchsen angeschlossen werden. Alternativ finden auch Fußtaster hier Zugang. Falls man externe Pedale oder den Profiler selbst über MIDI steuern möchte, gibt es zwei Standard-MIDI-Anschlüsse, über die Program-Change- und Control-Change-Meldungen gesendet und empfangen werden. Den Abschluss bilden die beiden USB-Buchsen vom Typ A und B. Einmal für die Verwendung eines USB-Sticks zur Datensicherung und Datenübertragung. Man kann auch die kompletten Daten eines Heads oder Racks in den Profiler Stage importieren, sofern beide über die identische Firmware-Version verfügen. Der zweite USB-Anschluss ist für die Verbindung mit einem Computer vorgesehen, bei der der Rig-Manager zum Einsatz kommt.

Rig Manager

Die kostenlos für PC und Mac zur Verfügung stehende Rig Manager App verwaltet Rigs und Performances sowie Stack-, Effekt- und Output-Presets. Außerdem lassen sich mit ihr Rigs und Performances auf dem Computer speichern, um auf dem Profiler Speicherplatz zu sparen bzw. dessen Inhalt übersichtlich zu ordnen. Man hat über den Rig Manager auch Zugang zu Rig Exchange, einer Tauschbörse, in der User ihre eigenen Rigs hochladen oder welche von Kollegen kostenlos herunterladen können. Zum Zeitpunkt des Tests waren dort runde 14.000 gelistet. Die Qualität ist nicht geprüft, aber mitunter findet man darunter durchaus einige Perlen. Die Rigs können per Preview-Modus angehört und ausprobiert werden.

Bedienung

Das Bedienkonzept des Profiler Stage ist identisch mit dem "normalen" Profiler. Es gibt zwei Betriebsmodi, Browse und Perform. Der Browse-Mode ist das Lager aller Rigs. Als Rig wird die Kombination aus Amp/Cab-Profil mit Effekten bezeichnet. Bei anderen Herstellern nennt man das Patch oder Preset. Insgesamt passen 999 Rigs in den Browse-Mode. Die Sortierung erfolgt ab Werk nach Name, kann aber auch mit einem Klick geändert werden (Sortierung nach Autor, Gain, Favoriten ...)

Der Perform-Mode ist für den Bühneneinsatz konzipiert, hier stehen 125 sogenannte Performances zur Verfügung und in jede lassen sich bis zu 5 Rigs laden. Beispielsweise kann man sich für einen Song eine Performance zurechtlegen, bei der die Sounds für Intro, Verse, Chorus, Bridge und Solo auf die Speichernummern 1-5 gelegt und anschließend mit den entsprechenden Fußschaltern aufgerufen werden. Jede der 125 Performances erreicht man über die Up/Down-Fußtaster in der zweiten Fußtaster-Reihe.

Die Signalkette ist mit 12 LED-Tastern auf der rechten Seite dargestellt. Es geht los mit der Input-Sektion, hier wird unter anderem das Input-Noise-Gate eingestellt. Dann kommen die Effekt-Module A-D, in die man je einen Effekttypen laden kann, gefolgt von der Stack-Sektion mit Amplifier und Cabinet. Danach noch einmal vier Effekt-Module, die mit X, MOD, DLY und REV bezeichnet sind. Die Effektmodule sind mittlerweile so konzipiert, dass alle Effekttypen frei auf die Module verteilt werden können. Also zum Beispiel ein Analog Delay vor den Stack für Vintage-Style-Sounds, zwei Delays oder Reverbs hintereinander, und wer es mag, kann auch gerne ein Reverb durch einen Distortion-Effekt am Ende der Kette jagen. Insgesamt stehen über 80 verschiedene Effekttypen zur Auswahl. Am Ende der Signalkette befindet sich der Taster für das Output-Menü, in dem verschiedene Einstellungen zu den Ausgängen vorgenommen werden können.

Einzelne Effektmodule lassen sich bei Bedarf auch mit einem Fußtaster ein- und ausschalten. In der zweiten Reihe sind dazu vier Stück für das Pedalboard-Feeling bereitgestellt. Die Belegung ist völlig frei, bei der Programmierung wird nur der gewünschte Fußtaster und der Taster des Effekts in der Signalkette gleichzeitig gedrückt.

Will man Sounds editieren, muss der Edit-Taster gedrückt werden und danach der Taster des Moduls, das man einstellen möchte. Das Edit-Menü erscheint im Display, und die vier Reglern unter dem Display stellen die jeweils dargestellten Parameter ein. Sind mehr als vier verfügbar, wird mit den Page-Tastern weitergeblättert. Im Vergleich zu Mitbewerbern hat der Profiler Stage zwar eine Menge Taster zum Editieren an Bord, was auf den ersten Blick etwas komplex wirkt. Allerdings muss man sich so nicht durch eine Unzahl von Untermenüs kämpfen und hat direkt die gewünschten Parameter im Zugriff.

Profiling

Mit dem Profiler Stage können auch eigene Profile erstellt werden. Hierzu müssen die Taster für Browser und Perform an der linken Seite gleichzeitig gedrückt werden. Dann ist der Profiling-Mode aktiviert, der bei den Topteil-Ausgaben mit dem Chickenhead-Regler aufgerufen wird. Über den Send 1 wird der Profiler Stage mit dem Eingang eines "echten" Amps verbunden. Der Lautsprecher des Amps wird mikrofoniert und das Mikrofonsignal geht zurück in den Return 1. Man benötigt hierfür ein Mikrofonkabel mit Klinkenstecker (XLR-Klinke). Wenn "Start Profiling" gedrückt wird, sendet der Profiler Testtöne an den Amp, analysiert das Ganze und erstellt ein Profil des Verstärkers. Man muss allerdings nicht selbst Profile erstellen, denn der Profiler Stage ist ab Werk schon mit über hundert Rigs mit den unterschiedlichsten Amp-Profilen ausgestattet.

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