Test
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10.12.2015

JBL EON612 und EON615 Test

Aktivlautsprecher

EON Reloaded

Vor zwanzig Jahren stellte JBL die EON-Serie vor, sozusagen die Mutter aller Kunststoffboxen. Die Multifunktionsboxen fanden schnell viele Freunde, unzählige Gigs in Jugendheimen, Clubs und Kneipen wurden mit ihnen absolviert. JBL hat die Modelle seitdem ständig dem Stand der Technik angepasst, konsequenterweise wurde die aktuelle 600er-Serie mit Bluetooth und Fernsteuerung per App ausgestattet. Doch können die Boxen auch in der Praxis überzeugen? Wir schauen nach.

Details

Als Tontechniker ist man über das geringe Gewicht (15 kg und 18 kg) der Kandidaten erfreut. Das Handling gelingt dank vier verbauter Griffe ebenfalls sehr komfortabel. Gehäuseführungen erlauben es, mehrere Boxen des gleichen Typs übereinander zu stapeln. Das spart Platz im Lager. Die Box ist mit Ausnahme der Aktivelektronik und des Lautsprechergitters aus Kunststoff hergestellt, macht aber keinen billigen Eindruck. Im Gegenteil: Durch das durchgängige Lautsprechergitter mit dahinter liegendem, schwarzem Vlies besitzt die neue EON-Serie einen dezenten, professionellen Look. Selbst das ansonsten orangefarbige JBL-Logo wurde eingeschwärzt und ein dezenter, weiß leuchtender LED-Streifen auf der Vorderseite zeigt an, wenn die Stromversorgung hergestellt ist. Wem selbst das noch zu auffällig ist, schaltet ihn ab.

Die Gehäuse der EONs sind symmetrisch, was für Multifunktionsboxen ungewöhnlich ist. Wie sich das in der Praxis äußert, werden wir später klären. Zunächst noch einen Blick auf weitere Ausstattungsdetails. Die Box verfügt sowohl über eine Hochständeraufnahme als auch über Flugpunkte. Die Hochständeraufnahme ist waagerecht, weshalb man zusätzliche Boxenschrägsteller (z. B. K&M 19670) benötigt, falls man die Box in Richtung Publikum neigen möchte. Gut, dass die Hochständeraufnahme eine Schraube besitzt, mit der sich die Box fest auf der Distanzstange arretieren lässt. Wer kennt nicht das Problem, dass bei Club-Konzerten der ein oder andere bierselige Gast ein Topteil kurzerhand wegdreht, falls ihm der Song nicht gefällt. Keine Chance beim 600er-Top.

Durch die fünf M10-Flugpunkte können die Kandidaten sicher in die Luft gehen, was besonders für Festinstallationen sinnvoll ist. In dieser Preisklasse nicht selbstverständlich, ebenso wie das üppig ausgestattete Class-D-Aktivmodul. Etwas ungewöhnlich ist allerdings die schaltbare Betriebsspannung (235/115 Volt), da die meisten Aktivboxen heutzutage Weitbereichs-Schaltnetzteile verwenden.

Eingangsseitig stehen zwei Neutrik-Kombobuchsen samt separaten Gain-Potis und LED-Clip-Anzeigen zur Verfügung. Über einen Taster lässt sich die Eingangsempfindlichkeit von Mikrofon- auf Line-Pegel umschalten. Beide Eingänge können gleichzeitig genutzt werden, der Mix wird über ein zusätzliches Master-Volume-Poti an der Aktivelektronik geregelt. Somit lässt sich schnell eine Hintergrundbeschallung samt Mikrofondurchsage realisieren, ohne dass ein Mischpult benötigt wird. Schön, dass auch ein XLR-Link-Ausgang vorhanden ist.

Oberhalb der Potis befindet sich ein Mode-Taster, der eine Vorentzerrung anwählt. Folgende vier Presets stehen auf der Speisekarte: „Main‟ ist für den Einsatz als Fullrange-Speaker gedacht; „Monitor‟ empfiehlt sich, falls die Box als Floorwedge verwendet wird. „Sub‟ aktiviert einen Lowcut-Filter bei 100 Hz (ideal fürs Zusammenspiel mit einem Subwoofer), während „Speech‟ die Sprachbeschallung optimieren soll. Drei Taster gehören zur Bluetooth-Funktion, die über eine kostenlose App für iOS und Android gesteuert wird. Die Buttons „Sync“ und „Boot“ aktivieren/resetten die Bluetooth-Verbindung.

Das Aktivmodul benötigt nur wenige kleine Öffnungen zur Kühlung und verzichtet auf einen Lüfter. Die Box lässt sich daher auch in sensibler Mission (Sprachbeschallung oder Theater) einsetzten. Wie bei JBL üblich, kommt die Treiberbestückung aus eigenem Hause. Der Hochtöner fällt dank Neodymmagnet erfreulich klein aus und trägt somit zum niedrigen Gesamtgewicht bei. Die 12- und 15-Zoll-Treiber sind einfache Konstrukte samt Blechkorb und Ferritmagneten. Auffällig ist der vorgesetzte „Pattern Control Guide“, der die akustische Abstrahlung von Tief- und Hochtönern angleichen soll. 

Die Remote-App Beim ersten Start der „EON Connect‟-App (Achtung, das EON im Namen ist wichtig!) scannt die App den Bluetooth-Bereich und spürt die Boxen auf, wenn deren Sync-Taste gedrückt wurde. Aber nicht nur das: Besitzen die Speaker eine veraltete Firmware, so lässt sich diese via App updaten. Schick! Das kann allerdings bis zu zehn Minuten dauern, weshalb man Firmware-Updates besser nicht auf der Live-Baustelle vornehmen sollte. Bis zu vier Boxen verwaltet die App, ideal für eine kleine Club-PA mit zwei Bässen und zwei Topteilen.

Neben der drahtlosen Steuerung der Lautstärke gibt es auch Zugriff auf einen EQ mit Bass- und Höhen-Kuhschwanzfilter, wie man es von der Stereoanlage kennt. Zusätzlich lässt sich ein dreibandiger Parametrik-EQ aktivieren. Gerade in schwierigen Räumen ist dies hilfreich, vor allem, wenn ihr mit einem einfachen Analogpult nebst Grafik-EQ unterwegs seid. Auch für eine Festinstallation ist die EQ-Option klasse, lässt sich so die Anlage ohne weiteres Equipment auf den Raum entzerren. Die Anpassung der Laufzeiten übernimmt das eingebaute Line Delay, das für jede Box im Netzwerk separat justiert werden kann. Entfernungsangaben lassen sich zurzeit nur in Feet eingeben. Bleibt zu hoffen, dass dies mit einem Update geändert wird.

Die App selbst bietet keine Speicherplätze, allerdings dürft ihr die Default-Presets der Box überschreiben. Die Änderungen bleiben nach dem Ausschalten erhalten. Solltet ihr die vier Default-Sounds benötigen und habt gerade kein Remote-Device zur Hand, lassen sich die User-Einstellungen mit der „EQ+“ Taste am Aktivmodul deaktivieren. Das Streamen von Musik über ein Smartphone oder einen Tablet-Computer per App und Bluetooth ist allerdings nicht möglich.

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