Software
Test
10
27.01.2021

Praxis

Wir starten den Praxisrundgang erst einmal mit dem einfachsten Schritt: Presets! Es ist wirklich eine dankbare Sache, wenn man schon ein paar vorgefertigte Sounds anwählen kann und sich nicht erst einmal einen Wolf programmieren muss. Die Presets kann man als guten Startpunkt wählen und dann auch dank der sehr übersichtlichen grafischen Gestaltung recht schnell und intuitiv verändern. Wenn man ein Effektpedal an eine andere Stelle verschieben möchte, geht das ganz simpel per Drag-and-drop. Dort sehen Amps und Effekte dem Original recht ähnlich. Das ist natürlich nett anzusehen und hat zudem den deutlich praktischen Vorteil, dass man durch die gute grafische Gestaltung bestimmte Amps oder Effektpedale schneller findet. Es sieht nicht nur gut aus, es lässt sich wirklich wie mit „richtigen“ Amps und Effekten arbeiten – Kompliment! Bei den folgenden Beispielen hört ihr eine kleine Auswahl aus dem Amp-Sortiment mit Sounds, die ich aus den Presets erstellt und hier und da mit ein paar kleinen Veränderungen versehen habe.

Der Klangcharakter der typischen Amps ist getroffen und auch in Bezug auf die Ansprache und das Reaktionsvermögen sieht es recht gut aus, die betreffenden Amp Modelle reagieren gut auf die Aktionen an der Gitarre (Anschlag und Volume Poti). Nimmt man zum Beispiel ein Marshall-Modell und wechselt zwischen Fingeranschlag und Pickanschlag, dann wird der klangliche Unterschied deutlich übertragen. Ich habe das Ganze mit einem 2015er iMac mit 3,3 GHz Quad Core Intel Core i5 Prozessor getestet. Als Audio-Interface wurde das Universal Audio Apollo eingesetzt, dort habe ich die Gitarre an den HiZ-Eingang angeschlossen und anschließend zum Spielen die Stand-alone-App benutzt. Was die Latenzen betrifft, funktionierte das recht gut. Klar, der Ton kommt minimal verzögert, trotzdem kann man damit spielen und aufnehmen. Wird das direkte Gitarrensignal nur leicht hinzugemischt, fühlt es sich sogar noch etwas besser an.  

Bei AmpliTube 5 kann sehr viel im Detail verändert werden. Eine große technische Erneuerung ist die Möglichkeit der detaillierten Mikrofonierung. Das war bei AmpliTube 4 auch schon recht komfortabel, dort konnte man das Mikrofon mit der Maus packen und anschließend verschieben – sowohl seitlich als auch in der Entfernung zum Speaker. In der neuen Version wurde das Ganze nun noch verfeinert, sodass man beim angewählten Cab auf den Button VIR Tech klicken kann und anschließend eine Detailaufnahme des Speakers mit der Position des Mikrofons erhält – dargestellt wird sie mit einem orangen Punkt. Der Punkt, also das Mikrofon, kann man mit der Maus aufgegriffen und so präzise vor dem Speaker positionieren. Die klanglichen Unterschiede sind schon bei der kleinsten Veränderung deutlich zu hören. Hier wurde in der Tat eine Vielzahl von Impulsantworten erstellt, die wiederum diese exakte Klangveränderung ermöglichen. Im ersten Beispiel hört ihr verschiedene Positionen des Mikrofons und im Video ist das Ganze auch in Aktion zu sehen. Weiter geht es mit den Lautsprechern. Jeder Lautsprecher in der Gitarrenbox kann verändert werden. Man kann eine 4x12-Box mit vier unterschiedlichen Speakern bestücken. Es werden zwar nur zwei mikrofoniert, der Sound der Raummikrofone ändert sich dadurch bereits spürbar. Stichwort Raum: Auch der kann verändert werden. Und da hat IK Multimedia wirklich ein paar ziemlich brauchbare Exemplare bereitgestellt, was den dreidimensionalen Sound der Gitarre angeht. Mit dem Mixer können die Signale dann gemischt und auch im Panorama platziert werden. Obwohl man so einiges an den Parametern verändern kann, behält man dank übersichtlicher Darstellung alles im Blick.  


Effekte sind natürlich auch in Hülle und Fülle im Einsatz, und die machen ebenfalls nicht nur optisch einen guten Eindruck. Verglichen mit den Originalbodentretern ist da selbstverständlich ein Unterschied zu hören, allerdings muss hier vor dem Urteil auch der Preis berücksichtigt werden: Die große AmpliTube Version kostet gerade einmal so viel wie ein Boutique Overdrive Pedal. Neben den altbekannten Klassikern wie Dynacomp, Tube Screamer, etc. sind auch ein paar digitale Replikate von speziellere Kollegen an Bord, zum Beispiel der ZVex Seek Wah. Durch die Möglichkeit der unterschiedlichen Signalführung und Bestückung mit Effekten lassen sich eine Menge an Sounds realisieren, zum Beispiel Wet/Dry/Wet in Stereo mit drei unterschiedlichen Amps. Effekte können gezielt nur auf eine Seite des Panoramas gelegt werden. Gerade wenn man mit sphärischen Klängen arbeitet, können Sounds und Effekte mit dieser Signalführung optimal platziert werden. Sehr gut gefallen haben mir die EQs und Dynamikprozessoren, die man am Ende der Signalkette platzieren kann und den Gitarrensound „recording ready“ formen kann, damit er besser in den Mix integriert werden kann. Da macht es Sinn, die Höhen am Amp etwas gedämpfter zu halten, die oberen Frequenzen am Ende der Kette mit einem Neve Style EQ dezent und gezielt anzuheben und noch ein kleines bisschen Kompression mit einem LA-2A hinzuzufügen. Hier sind ein paar Beispiele mit den Effekten. 

Zum Abschluss hört ihr hier noch einen kurzen Track im kompletten Bandkontext mit zwei unterschiedlichen Sounds: einmal Clean mit Phaser und Delay und anschließend einen mit Verzerrung – hier war der Metal Lead V Amp im Einsatz.  

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