Feature
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01.10.2010

The Big Picture

Ich mag plastische Klangbilder: breit, tief, voller Frequenzgang. Und ich möchte, dass der Song auf vielen verschiedenen Abspielsystemen funktioniert (einige davon sehr Lo-Fi). Lasst uns nicht vergessen (bevor wir in Bezug auf die Wichtigkeit eines Mixes oder der Aufnahme zu arrogant abheben), dass Hörer auch auf dem primitivsten Abspiel-Equipment profunde musikalische Erfahrungen haben können: die alten Aufziehgrammophone aus der vor-elektrischen Steinzeit sind ein großartiges Beispiel dafür. Das ist die Macht der menschlichen Vorstellungskraft. Lasst uns also demütig sein.

Unser Mix muss so groovig wie möglich sein. Wenn vom Timing und Sound alles genau in die sprichwörtliche Tasche passt, so dass es groovt – das ist gut! Akustisch Dinge in die Tasche zu stecken, bedeutet, ihnen ihren Platz im Frequenzspektrum zuzugestehen, so dass sie dort „überleben“ und schimmern können, mit ein bisschen Raum zum Atmen. Filtert ALLE unerwünschten (unmusikalischen) Informationen raus, um Freiräume zu schaffen. Beim Panorama dreht sich augenscheinlich alles um Raumverteilung – aber diesmal in der Breite!

Wenn Kick Drum und Bass sich vervollständigen und einander ergänzen, ergibt sich das Fundament, auf dem viele großartige Mixe aufgebaut sind. EQ und Kompression helfen hier genau so wie im Rest der Mischung. Side Chain Kompression, bei der die Kick den Bass mehr oder weniger stark kontrolliert (ducking), kann ebenfalls hilfreich sein.

Die Funktion unseres groovy Backing-Tracks, mit seinem Licht und Schatten sowie dynamischem Aufbau, ist es natürlich den Gesang und die Intention des Gesangs zu unterstützen. Melodie UND Text. Ein guter Mix zeichnet sich dadurch aus, dass auch der Text unterstützt wird (so dass seine Bedeutung ebenfalls zwingend wird). Wir hören also eigentlich (fast) die ganze Zeit auf den Gesang! Ich verbringe sehr viel Zeit mit dem Feilen am Gesang, vor allem dem Lead-Gesang. Ich arbeite an der Textur, Dynamik und Präsenz. Ich setze sehr viel Automation ein (Volume, Plug-In und Effekte), um den Gesang passgenau einzufügen und ihm die nötige Durchsetzungskraft zu geben. Der Gesang hetzt zu sehr und ist zu weit „vorne“? Ihr wisst, was ihr tun müsst.

Auch die Backing-Vocals mache ich oft „tighter“, immer mit Bezug auf die Lead-Stimme natürlich.

Texturen

Meistens mische ich auf dem Rechner, und so ist das Erzeugen klanglicher Texturen sehr wichtig für mich geworden. Ich liebe den Sound von analogem Equipment und Bandmaschinen und bin permanent auf der Suche nach Wegen, dieses Klangvergnügen in meine digitale Arbeit reinzubringen – besonders bei Projekten, die ohne Band und mit sehr wenig analoger Sättigung aufgenommen wurden. Das Schaffen von Texturen ist ein faszinierendes Gebiet. Kompression und Overdrive können Texturen auf wunderbare Weise verbessern, genau wie die vielen Sättigungs Plug-Ins, die jetzt verfügbar sind. Für mich begann alles mit dem Vintage Warmer von PSP. Aber Achtung – diesen Effekt kann man sehr schnell übertrieben oder falsch einsetzen. Hier können euch nur die eigenen Ohren und euer ästhetisches Gespür leiten.

Busse und Gruppen

Unser Audio-Routing verfügt über Busse und Gruppen – und wir mögen es, diese einzusetzen, oh ja! Wir bearbeiten Gruppen von Signalen ZUSAMMEN über die Inserts der Busse. Das bringt Spaß und hilft uns dabei, die seltsame, wunderbare Situation heraufzubeschwören, wo der Mix anfängt gut zu klingen!

Visionsfördernde Maßnahmen

Viele Künstler haben bereits ein gutes Konzept und eine klare Vorstellung, wo sie hin wollen, und mein Job ist es, diese Vision zu fördern – nicht sie neu zu erfinden oder komplett zu verändern. Parallelbearbeitung über Busse ist ein großartiger Weg, den Sound eines Mixes zu verbessern. Das erhält die Ursprungsvision des Rough-Mixes, aber erlaubt es, extra Texturen und Tiefe drum herum aufzubauen. Bei Mogwais Album „The Hawk is Howling“ und später bei Grizzly Bears „Veckatimest“ bin ich zum Beispiel so vorgegangen.

Tipp: Ich spreche davon, Buss-Sends für eine Reihe verschiedener Kompressoren zu erzeugen (Neve, API, Distressor, 1176, LA2A, was immer ihr habt) und verschiedenen Kombinationen von Kompressoren. So könnt ihr sehr schnell unterschiedliche Dinge ausprobieren, und es bringt viel Spaß. Außerdem solltet ihr euch trauen, mehrere Kompressoren in Serie zu benutzen – all diese Dinge ergeben andere Sounds und neue Texturen. Das trifft auch auf Buss-Kompressoren zu, sogar am Stereo-Buss: Fatso, SSL, Sony Inflator, Vintage Warmer, Xenon Limiter – alle ein kleines Quäntchen hinzufügen lassen, zum Beispiel.

Auf dem neuen Josh T Pearson Album habe ich das noch ausgeweitet – und meine Bearbeitung parallel zum Originalsound hinzugefügt, um noch mehr Tiefe und Gewicht zu erzeugen. Wieder mal ist es wichtig, das zu tun, was angebracht ist: Bei einem von Joshs Tracks hatte ich beispielsweise einen prächtig klingenden Mix angefertigt, der einfach zu weit vom Rough-Mix entfernt war. So konnte sich niemand mehr mit dem Mix identifizieren. Es waren dann alle glücklich mit einer Weiterentwicklung des Rough-Mixes, wo die Vocal-Tracks sauber gemacht waren. Was auch immer funktioniert – das ist das, was schließlich zählt.

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