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Test
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11.01.2013

Praxis

Softcheck DJUCED und Virtual-DJ

Dem Paket liegen gleich zwei DJ-Programme bei, nämlich Virtual DJ7 LE von Atomix und DJUCED 40 Degrees, entwickelt unter Beteiligung von zplane, einer Berliner Plug-in Schmiede bekannt für Pitch-Shift und Time-Stretch-Tools. Um genauer zu sein, steuern sie den Pitch-Algorithmus (Elastique Efficient V2), die tONaRT-Erkennung, die Beats-Tracking- (aufTAKT) und Metering-Engine bei und sind für die Effekte mitverantwortlich. Bei der Installation fahnden das Treiberpaket und DJUCED im Übrigen zuerst mal nach einem Update. Das ist etwas unkonventionell, aber warum nicht. Nur schade, dass dies bei VDJ nicht der Fall ist. Die Programmdatei auf meiner Vorserien-CD war nämlich leider beschädigt. Ergo unternehme ich einen Umweg über die Virtual DJ Website mit Account-Eröffnung und Seriennummern-Aktivierung, was die Option zum Download des Installers für VDJ 7.05LE nach sich zieht. War in der Presse nicht 8LE angekündigt?

DJUCED ...

… ist verglichen mit den Platzhirschen Traktor, VDJ und SSL noch ein echter Frischling. Mein Kollege Christian Kalinowski hatte vor Kurzem das Vergnügen, sich die Software im Bundle mit Hercules DJ Air Control ausführlich zur Brust zu nehmen, daher verweise ich in diesem Kurztest auf seinen Artikel (Test DJ Air Control), sollten offene Fragen auftauchen. DJUCED ist eine Dual-Deck-DJ-Lösung, ausgestattet mit den Kernkomponenten, die eine moderne digitale DJ-Software einfordert. Dazu zählen virtuelle Abspieleinheiten samt Mixer, eine durchdachte Musikverwaltung, automatische Tempoermittlung, grafische Wellenformen mit Beatgrid, Tempo- und Beatsynchronisation auf Knopfdruck und ein paar Programmroutinen zur kreativen Entfaltung. Hier konnte ich Effekte, Loops, einen Sample-Player und einen vierspurigen Pattern-Player ausmachen. Die Installation verlief reibungslos, das Programm konfiguriert sich automatisch, wenn der RMX 2 angeschlossen ist. Falls nicht, quittiert die Software nach 30 Minuten den Dienst.

Jedes virtuelle Deck kann entweder als Track-Deck, Sampler, Sequencer oder externe Quelle deklariert werden. Diese Auswahl muss aber per Mausklick in der Software erfolgen. Befüllt werden die Player aus dem Inhalt der Library, die mit gängigen Suchfunktionen und Tags ausgestattet ist. In der Seitenleiste sind Links zum Verzeichnisbaum, zur Sample-Library, den Playlisten, Recordings und der iTunes-Bibliothek gelistet. Ferner ist eine History gespielter Titel mit von der Partie, sodass der DJ „alte“ Sets nachträglich aufarbeiten kann.

Meinen EDM-Testordner importiere ich per Rechtsklick in die Soundlibrary und lasse ihn dabei gleich analysieren, was ungefähr 15 Sekunden pro Titel veranschlagt. Ordner können als aktualisierbare (!) Favoritenordner deklariert und mit abweichender Namensgebung versehen werden. Auch Playlisten sind per Drag´n´Drop schnell generiert. Prima. Für das nächste Update wünsche ich mir einen rekursiven Ordner-Import (sprich nebst Unterordnern und deren Files) inklusive einer optional zuschaltbaren Integritätsprüfung der Einträge bei Programmstart.

Probelauf

Zwei analysierte Tracks finden über die Tasten-Navigation ihren Weg in die Decks, wo sich eine zoombare, farbige Wellenform mit Beatgrid aufbaut, die auch Hotcues und Loops anzeigt, aber in ihrer Darstellungsqualität für mich längst nicht an Traktor oder SSL heranreicht. Die Cover-Art wird, ähnlich wie bei Algoriddims DJAY, auf dem virtuellen Plattenteller angezeigt. In die Soft-Decks integriert sind Hotcues und Loops. Oben sitzen die beiden Effektbataillone. Mit den Arbeitswerkzeugen am Controller gelingt es mir im Handumdrehen Standard-DJ-Manöver durchzuführen. Also Einstarten, Vorhören, manueller Pitch oder Auto-Sync, Frequenz-Manipulation und Titel einblenden. Ich hatte auch eigentlich nichts anderes erwartet. Die EQs werden von Kill-Tasten unterstützt, mit denen sich die zugehörigen Frequenzbereiche komplett auslöschen lassen. Wie die Kill-Buttons leuchten auch viele andere Tasten am Controller statusmeldend auf. Das gefällt. Ein positives Zeichen setzen auch die Jogdials, denn sie ermöglichen ein präzises Beatmatchen von Titeln, unterstützen das Scratchen und die akkurate Platzierung von Loops oder Cuepoints.

Was mir nicht zusagt, ist die gewöhnungsbedürftige Steuerung der Kreativabteilungen über den Modus-Schalter, was zum Teil auch ein Zugeständnis an die kompakte Bauform sein dürfte. Zum einen muss ich ständig zwischen Loop-, Cue-, Sample- und FX-Mode umschalten und kann diese nicht parallel dirigieren. Zum anderen sagt es mir persönlich nicht zu, Effekte über die Pads und Encoder-Shifting zu dirigieren. Die Steuerung über die Velocity-Pads erschien mir dabei noch unglücklicher gelöst. Vier Drehregler gefallen mir in diesem Zusammenhang besser. Auch sonst haben mich die FX nicht vom Hocker gehauen, denn sie klingen ziemlich ähnlich.

In der Schleifenbinderei kann ich aus dem vollen Schöpfen und treffe auf manuelle und automatische Loops, die korrekt platziert werden (was ebenfalls für Hotcues gilt). Der gerasterte Endlosdrehregler übernimmt die Funktion eines Loop-Dividers. Hier macht die Kombination aus Pads und Encoder Spaß. Via Drag und Drop befülle ich den Sample-Player oder zerhacke mit der Magic-Taste einen laufenden Loop in vier Teile, welche auf die Pads verteilt werden. Zum Abfeuern einer Sirene durchaus okay. Mit Beats ist dieses Feature in der Praxis allein schon durch fehlende Synchronisation zum Deck nur bedingt einzusetzen und im Vergleich zu den Platzhirschen als rudimentär einzustufen. Die (Velocity-) Pads konnten mich hier nicht wirklich überzeugen, da sie manchmal ein wenig inkonsistent auf meine unterschiedliche Anschlagsstärke reagieren. Letztlich wirkt auch der Sequenzer auf mich nicht sehr spaßig, denn weder lässt sich das einzige vierspurige Pattern synchronisieren, noch speichern, noch selbst mit Samples füllen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Das Bundle aus DJUCED 40 und RMX 2 ist unterm Strich keine schlechte Lösung zum Üben für einen DJ-Newbie. Vor allem ist das Programm vergleichsweise leicht zu adaptieren, eben weil die Feature-Dichte beherrschbar ist. Was ich allerdings bemängeln möchte: Während der Performance wurde ich leider sporadisch mit Audiobugs konfrontiert. Ärgerlich, aber sicherlich etwas, was sich im Rahmen eines Software- oder Treiber-Updates fixen lässt. Ferner scheint mir der Refresh nach einem erneuten Anschluss der Konsole noch nicht ausgereift.

VDJ7LE

Der Zweite im Bunde ist Virtual DJ - ein Klassiker unter den DJ-Programmen, der mit bis zu vier im Beat synchronisierbaren Decks, Loops, Effekten und Sampler ausgestattet und seit Jahren regelmäßiger Gast in unserer Redaktion ist. VDJ mixt neben Audio- auch Video-Dateien und kann in der größten Ausbaustufe VDJ-Pro auch mit Timecode-Option dienen. Bald steht das Release von VDJ8 an. Laut einschlägiger Quellen handelt es sich diesmal um ein „größeres“ Update, dass wir sobald erhältlich vorstellen werden. Eigentlich sollte ja zum Release des RMX 2 schon die 8LE im Paket sein. Bis diese erscheint, (laut Supportanfrage ist das Update auf 8LE dann kostenlos) müsst ihr jedoch Vorlieb mit der hier enthaltenen VDJ7LE Vers. 7.05 nehmen. Das Update auf die aktuelle Versionsnummer 7.3 lässt sich leider nicht aufspielen. Wie dem auch sei: In VDJ7LE kann der User auf ein Sortiment praxiserprobter Features zugreifen. Gemappt sind neben den Navigations- und Mixer-Elementen manuelle Loops nebst Cutter, Effekt-Steuerung, vier Hotcues und der Sampler. Damit lässt sich eine Mixsession adäquat bedienen, nur lief es mit VDJ für mich gefühlt etwas runder als mit DJUCED.

Soundcheck Das integrierte USB-Audiointerface arbeitet mit maximal 24 Bit und 96 kHz. Der Soundcheck erfolgte an den Studio-Monitoren, wo das Kistchen über die symmetrischen Ausgänge angeschlossen wurde und wirklich respektabel klingt. Mit dem Phono-Signal bin ich persönlich jedoch nicht in vollem Umfang zufrieden, da dieses etwas druckvoller klingen könnte.

Möchte der DJ mit dem eingeschliffenen Signal einer Platte (keine Standalone-Mixer-Funktion gegeben) in VDJ Scratch-Einlagen durchführen, empfiehlt es sich, den Audiopuffer herunterzustufen, denn der voreingestellte Safe-Modus mit seiner ziemlich hohen Eingangslatenz von satten 16 Millisekunden ist für zeitkritische Aktionen wie Echtvinyl-Scratching ungeeignet.

Die Vorhörsektion mit Lautstärkeregler und stufenlosem Blend-Poti ist links oben arrangiert und der Sound gelangt transparent auf den Kopfhörer, solange ich mit „normalen“ Pegeln arbeite. Bei hohen Lautstärken neigt er jedoch auf den letzten Teilern zum Zerren, besonders wenn zwei Kopfhörer betrieben werden.

Moderatoren freuen sich über eine in der Absenkung einstellbare Ducking-Funktion und einen Einschaltknopf für das justierbare Mikrofonsignal, dass ich nachstehend aufgezeichnet habe.

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