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Workshop
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07.06.2010

Praxis

Harmonic-Mix-Techniken
Rock around the clock: Die einfachste Mixtechnik des Camelot System besteht darin, sich grundsätzlich zwischen benachbarten Tonarten zu bewegen, egal ob mit oder gegen den Uhrzeiger. Bei Bedarf wechselt der DJ zwischen innerem und äußerem Ring. Der Mix bleibt harmonisch.

Region Shifting: DJs und Tänzer profitieren von der Mix-Harmonie, aber auch von der Individualität eines Sets. Da liegt nicht immer jeder Keycode nebeneinander. Beim Region-Shifting geht es darum, durch die Veränderung der Tonhöhe in die Tonart des nachfolgenden Tracks zu gelangen. Und wie gelingt das am Besten? Mit dem Pitch-Schieber. Wenn man die Geschwindigkeit eines Songs um etwa 6% erhöht, transponiert man die Tonhöhe um einen Halbschritt beziehungsweise einen Semiton. Nachstehend seht ihr eine Rapid Evolution  Auswertung eines Songs, der um genau 6 Prozent gepitcht und neu analysiert wurde. Der 2A Track wird zum 9-A-Stück und kann nun mit einem anderen 9A, 10A, 8A oder 9B Song gemischt werden.

Energy Boost oder Modmixing: Beim Energy Boost Mixing werden 1-2 Semitöne zugelegt, um mehr Dynamik auf dem Dancefloor zu entfachen. Also etwa von 2A nach 9A (1 Semiton) oder zwei Semitöne (14 Steps, also einmal um die Uhr und zwei drauf). Beim Modmix sollte der DJ darauf achten, dass er den Übergang in einer Drumbeat- oder Percussionphase vollzieht, bevor Melodien oder Bässe einsetzen, da sich die Harmonien nicht miteinander vertragen.

Setbau
Möchte man ein Set von Grund auf nach harmonischen Aspekten planen, könnten vielleicht diese unterschiedlichen Herangehensweisen helfen:

Verfahren 1

Start -und Endtrack eines Mixsets werden festgelegt und die Zwischenräume dann nach Camelot-Regeln aufgefüllt.

Verfahren 2
Der DJ beschließt, zur Peaktime die sechs Tracks A, B, C, D, E, F auf jeden Fall zu spielen. Sie besitzen die Keycodes 2A, 3A, 4A, 5A, 9A und 10A. Er sortiert sie nach ästhetischen Gesichtspunkten, muss aber dabei einmal Region-Shifting anwenden (mögliche Resultate: 5A , 4A, 3A, 2A, 9A, 10A oder 10A, 9A, 2A, 3A, 4A, 5A auch 2A, 9A, 10A, 3A, 4A, 5A ist denkbar). Er überlegt sich dann, mit welchen Tracks er die Hauptzeit vorbereiten will. Danach entscheidet er, welche Songs nach der Peaktime gespielt werden sollen, um das Set rund abzuschließen. Er nimmt den Camelot-Kreis zur Hilfe.

Gerade für Mix-CDs oder Radiosendungen sind die zuvor genannten Puzzleverfahren recht gut zu gebrauchen. Bei einem 120-Minuten-Test-Webcast, mit einer durchschnittlichen Bruttolaufzeit von 4 Minuten pro Audiofile mussten 30 Songs herhalten. Davon bildeten zweimal fünf Stücke zwei Peaktimes. Zudem wurden ein Start- und ein Endsong gewählt. Die Zwischenräume wurden passend aufgefüllt. Insgesamt wurden nur sechs Codes verwendet, um ein einheitlicheres Gesamtgefühl beim Zuhörer zu produzieren. Bei der Vorauswahl konnten mir Beatunes Matchlisten weiterhelfen. Das Ergebnis hat sich für meine Begriffe recht rund angehört. Nur eines darf man dabei natürlich nicht vergessen. Ein Radiostream ist kein Clubset, was der nachfolgende Playlistenauszug eines bekannten deutschen DJs verdeutlichen soll. Man kann davon ausgehen, dass die vierstellige Tänzerzahl garantiert gut drauf abgegangen ist, obwohl offensichtlich kein Quintenzirkel zum Einsatz kam.

Exercise One & David Sugar - OI OI London, this ist Kreuzberg -  9A
Yapacc & Nice - Object_Object Remix  - 2A
Minilogue - Jamaica  - 6A
Style Of Eye - The Big Kazoo - 11
B

Mashups und Keymixing

Gerade bei Live-Mashups läuft man schnell Gefahr, während des Loopens und Schnipselmixens Disharmonien zu erzeugen. Sind die Audiodateien jedoch nach Tonart oder Farbcode sortiert, kann der DJ sich einen schnelleren Überblick verschaffen, welche Songs, Instrumentalversionen oder Acapellas auf welchen Beat passen könnten. Live ist dies natürlich nicht so einfach, weil man hier auch von der Improvisation lebt. Gerade nach ein paar Bierchen können spontane Auswüchse dann auch schon mal ins Auge gehen, vor allem wenn mehrere unterschiedliche Harmonien respektive Keycodes ins Spiel kommen. Zum Beispiel passt der 8A-Basslauf wunderbar zum 9A-Riff. Die 9B-Vocals passen zu dem Riff, aber leider nicht zum Bass. Da ist es doch klasse, wenn Farbcodes ein deutliches Signal liefern. Und wie wird’s organisiert? Das kann man nicht pauschalisieren.

Organisatorisches
Je nach verwendetem Tonträger bedarf es eines darauf ausgelegten Ordnungssystems. Bei Schallplatten und CDs ist der Vorbereitungsaufwand höher als beim rechnergesteuerten DJ-Set, wo man sich Hilfsmittel wie automatisch gefilterte Kennzahlenordner zunutze machen kann.

Vorbereitung eines analogen Vinyl-Sets

Zuerst benötigt der DJ Informationen über Tonart und Tempo der Schallplatten. Hier kann er sich eine der später vorgestellten Online-Datenbanken zunutze machen. Ist ein Track nicht vorhanden, verwendet er eine Line-in fähige Analysesoftware. Dann sortiert er die einzelnen Songs nach ihren BPM und grenzt diese mit Vinyl-Dividern voneinander ab. Innerhalb der einzelnen Tempo-Zonen sortiert er dann nach Keycodes. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Vinyl-Divider mit farblich gekennzeichneten Key-Codes zu beschriften und dann innerhalb der Keycodes nach BPM zu sortieren. Was bedeutet dies nun in Zahlen ausgedrückt? Unter der Voraussetzung, dass der Koffer 80 Platten fasst und das Set innerhalb von 4-6 Tonarten bleibt, 15-20 Scheiben pro Keycode. Da kann man doch was mit anstellen.

Im nicht seltenen Fall „Line-in-Bewertung“ ist das Verfahren recht umständlich und bedarf eines sehr hohen Zeitaufwandes. Beim Mixen von Schallplatten braucht der DJ zudem ein Referenztempo, denn beim Einpitchen der Tracks verändert sich nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Tonart des Songs. In der Praxis spielt das Keymixing beim Turntablisten eher eine untergeordnete Rolle. Songs, die aus Sicht der Harmonielehre nicht zueinanderpassen, werden während der Drumbeat-Phasen, Intros oder Outros gemixt.

Vorbereitung eines CD-Sets
Zunächst werden auch hier Tempo und Tonart der Songs ermittelt. Dann brennt man alle Lieder mit gleichem Wert auf die gleiche CD, zum Beispiel alle 3A Tracks auf die eine, 4A Material auf die Nächste. Am besten, jede CD ist gleich zweimal vorhanden, denn dann ist es auch problemlos möglich, über einen längeren Zeitraum in der gleichen Tonart zu spielen. Praktischerweise gibt es im Einzelhandel bedruckbare Rohlinge, sodass Tracknamen, Artist BPM und Keycode direkt auf die CD gelabelt werden können. Auch die Farbmarkierung macht Sinn. Der DJ beschränkt sich vielleicht auf die Camelot-Haupttöne grün, blau und orange und lässt Mischfarben aus. Nach einiger Zeit merkt man sich automatisch, dass 3B „ziemlich grün“ ist. Wer es ganz genau nimmt, kann natürlich auch jede Farbnuance einzeln ausdrucken. Die sinnvollste Anordnung im CD-Koffer ergibt sich aus der Schulmathematik der ersten Klasse. Wir fangen bei Eins an und hören bei Zwölf auf, 1A kommt vor 1B. So findet man schnell die Tonart der Wahl. Nebenbei bemerkt entspricht es der Camelot -Einteilung. Sollen Tracks unterschiedlichen Geschwindigkeiten gemixt werden, helfen Master-Tempo oder Region-Shifting weiter.

Vorbereitung eines Laptop-Sets

Der digitale Harmoniker hat es im Gegensatz zu seinen Kollegen eigentlich recht leicht. Er besorgt sich eine DJ-Software, die für ihn die Geschwindigkeit in BPM berechnet, das Keytag ausliest und ein automatisches Beatgrid als Synchronisationsgrundlage anlegt. Damit ist die technische Voraussetzung für den gelungenen Mix theoretisch gegeben. Für den musikalischen Einklang besorgt er sich ein Musikverwaltungsprogramm, mit dem er seinen Tracks nach unterschiedlichen Genres sortieren kann. Im Idealfall mit intelligenten, verknüpfbaren Filtern. Ist die Einteilung vorgenommen, kann er den Comment-Tag nutzen, um die Songs etwa so zu kommentieren: Warm-up Phase, Peak-Time, Breaks, Uppers, Percussion, usw. Nun kann er eine persönliche Gewichtung anhand des Ratings erstellen (1-5 Sterne). Damit hat auch der Einsteiger schon mal einen gar nicht mehr so groben Leitfaden in der Hand. Fehlt nur noch die Tonart und ein bisschen Dramaturgie. Potentielle Gefahren während des manuellen Pitchvorgangs oder der Autosynchronisation werden einfach durch den Keylock abgefangen. Doch so einfach funktioniert der Dancefloor nicht. Ausgiebiges Probehören, Testeinsätze und Notfallpläne gehören zum Pflichtprogramm. Ein anderer organisiert seine Playlisten lieber komplett per Hand und lässt vielleicht nach Fertigstellung einen Algorithmus drüberlaufen, um dissonante Schwachstellen herauszufinden und zu überdenken.

Persönliche Einschätzung
Aus meiner Sicht eignet sich Harmonic-Mixing weniger für DJs, die in Beschallungspausen auf Open-Airs auflegen oder für solche, die große Temposchwankungen in ihre Sets einplanen oder für Chartbuster und Mainstream-Deejays.  Auch bei Kollegen, die weder Faden noch Mixen, Wedding-DJs und Jukeboxern, kommt Harmonic Mixing eher nicht zum Tragen.

Keymixing eignet sich mehr für die wirklich mixende DJ-Fraktion oder für Mashup-Performer, die den Mix mit eigenem Audiomaterial und Samples anreichern. Und nicht zu vergessen für technoverwandte Mischmeister, die lange beat- und temposynchrone Übergänge zelebrieren wollen, ohne ein tonales Chaos anzurichten. Auch Breakbeat-, Trance- und Goa- oder Hip Hop-DJs können von den Keytags profitieren.

Die Softwares im Überblick

Testsetup
Die Geschwindigkeit der Software-Analyse hängt von der Prozessorleistung des genutzten Rechnersystems ab. Für den Praxistest wurden ein 2,26-GHz-Core2Duo Macbook und ein Sony Vaio mit ebenfalls 2,26 GHz Doppelkern genutzt. Im Tempotest galt es, ein Pop-Album (Snapshot: A Domino Kompilation -12 Tracks) und eine Dance-CD (Bargrooves Over Ice 2 – 26 Tracks) möglichst schnell zu verarbeiten. Im Zuverlässigkeitstest mussten die Kandidaten Mixed in Key, Beatunes, Mixmeister und Rapid-Evolution ihre Treffsicherheit anhand einer Rock-Pop Auswahl und einer House-Zusammenstellung unter Beweis stellen. Dafür ist eine Bezugsgröße nötig. Als Infopools dienten hier „www.trackfinder.com“ und „www.musicnotes.com“, die ich zuvor kurz vorstellen möchte.

trackfinder.com
Trackfinder ist ein Internetdienst, der interessierten Usern Informationen zu Tonart und Tempo von Musikstücken per Datenbankabfrage zur Verfügung stellt. Hat der DJ einen Track ausgewählt, schlägt die Website auch dazu passende Musikstücke vor. Abfragen und Ergebnisse können auf einen bestimmten Camelot-Code oder eines von 17 Genres (Techno, House, Electro und Artverwandte) eingegrenzt werden. Zum Testzeitpunkt listet die Page 433.638 Einträge. Meine ersten Anfragen zu brandneuen Housetracks brachten keine Resultate hervor, die Playlistenauszüge aus dem Internet wurden problemlos ermittelt. Eine Suche nach dem Produzenten Dennis Ferrer führte zu über 600 Treffern, Green Velvet verzeichnete gar 2097 Einträge. Diese können bereits auf der Site angehört werden. Ferner sind die meisten Songs mit einem Online-Portal für den Sofort-Kauf verlinkt. Trackfinder dient als Grundlage für den Housemusic-Lauf.

musicnotes.com

Wer´s nicht so mit der Elektronik hat, der findet auf Musicnotes nicht nur Noten, sondern auch weitere Informationen rund um populäre Kompositionen. Und zwar für AC/DC genauso wie für Händel, Beyonce Knowles oder Marilyn Manson. Viele Ergebnisse können als MIDI-Dateien im Browser vorgehört und auf Knopfdruck auch gleich in eine andere Tonart transponiert werden. Der breit gefächerte Pool diente als Grundlage des Rock und Pop-Tests. Neben Fehlinterpretationen werden Volltreffer und kompatible Werte in der nachstehenden PDF-Datei ausgewiesen (Download). Die Prozentbewertung beinhaltet exakte und kompatible Tonarten. Kompatibel sind benachbarte Keycodes. Die folgenden Songs galt es zu analysieren.

House

1.    Studio Apartment - Siarre (Sergio Flores Afro Tek Remix)
2.    Johnny Corporate - Sunday Shoutin`
3.    Seamus Haji Vs Lords Of Flatbush - 24 Hours (NiceTight Derriere)  
4.    Sunburst Band - Journey To The Sun (Dennis Ferrer Remix)
5.    Phunklarique Pierce - Swoosh (Kaiserdisco Remix)
6.    Anil Chawla & Dale Anderson – Minimalize
7.    Copyright feat. Tasita D'Mour - We Can Rise
8.    Copyright feat.  Imaani – Wizeman
9.    ATFC featuring Lisa Millett - Bad Habit
10.    Imaani - Deeper
11.    Danism and Haze-Mesmerise
12.    All over the world – Furry Freaks
13.    Rej – Ame
14.    He Is  - Ferrer  Sydenham Mix
15.    Soulsearcher - Can't_Get_Enough_(Henrik_B_Mix)
16.    the Shapeshifters - Chime (Martijn Ten Velden Remix)
17.    Awa Band - Timba
18.    Osunlade -  My Reflection (DJ Gregory Mix)
19.    Swim – Matthias Tanzmann
20.    Sinus - Nick Curley und Reclick


80´s Rock & Pop


1.    Eye Of The Tiger  - Survivor
2.    The Final Countdown  - Europe
3.    Africa - Toto
4.    Eternal Flame - The Bangles
5.    Eye In The Sky - The Alan Parsons Project
6.    The Way It Is - Bruce Hornsby and the Range
7.    You Spin Me Round (Like A Record) - Dead Or Alive
8.    Total Eclipse Of The Heart - Bonnie Tyler
9.    I Wanna Dance With Somebody - Whitney Houston  
10.    Tell It To My Heart - Taylor Dayne
11.    Footloose - Kenny Loggins
12.    Hold Me Now - Thompson Twins  
13.    Maneater - Daryl Hall & John Oates
14.    Time After Time - Cyndi Lauper
15.    Living After Midnight - Judas Priest
16.    Sexual Healing - Marvin Gaye
17.    Holding Out For A Hero - Bonnie Tyler  
18.    The Power Of Love - Jennifer Rush



Die Softwares

Rapid Evolution
Rapid Evolution ist ein frei erhältliches Programm zur Organisation der Musikbibliothek. Es versteht MP3, WAV, Ogg Vorbis und AAC-Dateien, ein installiertes Java-Runtime Environment ist zum Betrieb Pflicht. Der Nutzer importiert einzelne Musikstücke, ganze Ordner oder Playlisten (m3u, xml, Excel, Mixmeister5, Mixvibes, Traktor3-nml) und organisiert den Datenbestand anhand gängiger ID3-Tags. Fehlende oder zusätzliche Attribute trägt er über einen umfangreichen Editor manuell ein. RE hat integrierte Analysefunktion um die Tonart oder die Geschwindigkeit eines Songs zu ermitteln. Anhand der Berechnungen kann der DJ nun harmonische Playlisten per Hand anlegen. Der Mixset-Generator hingegen stellt, nachdem der User einen Start-Track ausgewählt und einige individuelle Kennzeichen wie Keywords oder Genre festgelegt hat, eine Computerselektion zusammen. Für die BPM- und Key-Analyse der Bargrooves-Compilation benötigt Rapid-Evolution etwa 10 Minuten. Beim Domino-Sampler stürzt die Macintosh Fassung mehrfach ohne ersichtlichen Grund ab. Der Wechsel auf das Windows-Notebook war unumgänglich, hier dauerte die Komplettanalyse von 25 Songs rund 20 Minuten.

Eindruck: Rapid-Evolution hat viele nützliche Funktionen wie. Import, Export, Tag-Editor, Mixset-Generator und Pitch. Und das alles gibt es kostenlos. Unter Windows traten keine Probleme auf, die Mac-Abstürze sind jedoch bedauerlich. Hier sollten die Beteiligten baldmöglichst für Abhilfe sorgen, den RE ist eine interessante Musikverwaltung. Die Trefferquote im Genremix liegt zwar leider nur bei 33 Prozent, bei House sind es hingegen 60 Prozent.

Beatunes
Beatunes greift auf die iTunes-Bibliothek zu und erweitert diese um einige nützliche Features. Es findet Dubletten und löscht diese auf Wunsch vom Datenträger. Es weist auf Unstimmigkeiten innerhalb diverser ID3-Bezüge hin (zum Beispiel wenn ein Artist oder Track in mehreren Genres gelistet ist), findet fehlerhafte Schreibweisen, gleicht Metadaten online ab und exportiert Excel Tabellen. Auch Beatunes offeriert BPM-/Keywert Berechnung. Es kennzeichnet artverwandte Songs zusätzlich mit einem Farbcode. Das bedeutet: Zwei grüne Songs ähneln sich eher, als ein Grüner und ein roter. Beatunes kann auf Wunsch computergestützte gefilterte Matchlisten aus der Bibliothek erstellen, um dem DJ die Songauswahl für einen wohlklingenden Mix zu erleichtern. Mit einem Klick werden Songinfos auf Discogs und Co nachgeschlagen und die eigenen Playlisten über Blogatunes online kommuniziert. Selbst eine Sprachanalyse ist implementiert. Sie erfolgt entweder anhand der iTunes Lyrics oder über eine Google-Abfrage zum Songtitel. Laut Hersteller ist es so einfacher, ein Mixtape in einer gezielten Sprache zu erstellen. Dem möchte ich von minimalistischer Techno-Seite nichts hinzuzufügen.

Eindruck: Beatunes ist nicht nur eine sinnvolle, sondern auch ansprechende Ergänzung zu iTunes, zudem ist es der schnellste Kandidat in der Berechnung der Musikdateien. Für die BPM-, Key- und Farb-Analyse der Crossbeat-Labelcompilation benötigt es nur 1:10 Minuten, für die Bargrooves keine 2 Minuten. Schneller war kein Herausforderer. Und auch was die Trefferquote angeht, schlägt sich Beatunes achtbar. 72 Prozent verzeichnet es bei Rock-Pop, bei House sind es 50 Prozent. Platz zwei. Beatunes kostet 31,95 Dollar.

Mixed in key
Mixed in Key gehört zu den bekanntesten Applikationen, wenn es um Harmonic-Mixing geht. Der 59-Dollar-Vertreter trumpft mit einer ausgesprochen anwenderfreundlichen Oberfläche auf. Einzelne Songs oder ganze Verzeichnisse werden einfach im Programmfenster deponiert oder per Browser geladen, ANALYZE FILES startet die Berechnung. Mixed in Key ist keine Bibliothek wie Beatunes oder Rapid-Evolution. Es berechnet lediglich Key und BPM und trägt das Ergebnis an einer benutzerdefinierten Stelle in den ID3-Tag ein. Vorsicht. Wer in den Voreinstellungen File-Renaming aktiviert, riskiert, dass andere DJ-Softwares den entsprechenden Datei-Verweis nicht mehr auffinden. Daher ist es besser, das Ergebnis direkt in den dafür vorgesehenen Initial-Key-Tag zu schreiben, statt die Datei umzubenennen. Dieses Tag können Traktor, SSL und Konsorten dann auslesen. Mixed in Key verwaltet die Songs in einer eigenen rudimentären Kollektion, die durch Unterordner organisiert und als Excel Spreadsheet exportiert werden kann. Ein Kopieren einzelner Ordner auf externe Datenträger ist nicht möglich. MIK ist das einzige Programm im Test, das ausschließlich online analysiert. Besteht keine Internet-Verbindung, kann keine Berechnung erfolgen. Der Hersteller verwendet laut eigener Angaben einen besonders teuren und ausgefeilten Prüfalgorithmus, der diese Online-Verbindung zwingend erfordert.
Eindruck: Mixed in Key glänzt mit Stabilität und einfacher Bedienung kann aber im Funktionsumfang nicht mit den übrigen vorgestellten Programmen mithalten. Es unterstützt nur WAV und MP3-Dateien, zudem ist eine ständige Internetverbindung während der Fileanalyse erforderlich. Für die Domino Compilation braucht es 1:40 Minuten, die Bargrooves berechnet es in 6:30 Minuten. Was die Treffsicherheit angeht, liegt MIK bei House um 80 Prozent, bei Poprock um 77 Prozent. Das ist das beste Ergebnis im Testparcour.

Mixmeister
Ein DJ-Mix muss nicht zwangsläufig Live erfolgen. Gerade bei der Produktion von Mix-CDs kommen häufig auch offline Lösungen wie Numarks Mixmeister zum Einsatz. Die DJ-Software ist ab 169 Euro zu haben und arbeitet ähnlich wie ein Sequenzerprogramm nach dem Timeline-Prinzip. Songs werden auf acht Spuren arrangiert, dann wählt der DJ die Positionen im Track aus, an denen die Übergänge erfolgen sollen, und wählt für die überlappenden Bereiche Blendeffekte aus. PLAY spielt den Mix linear ab, während der Wiedergabe schraubt der DJ an den Frequenzen oder bedient interne oder VST-Effekte. Reglerbewegungen zeichnet die Software auf. Diese Automationen lassen sich dann im Nachhinein bearbeiten. Mixmeister berechnet das Tempo und die Tonart. Auswahl und Anordnung der Songs liegen beim DJ. Für Mixmeister ist eine spezielle Steuerhardware „Mixmeister-Control“ erhältlich, die just eine Preissenkung auf 169 Euro erfuhr. (UVP € 509). MIDI-Learn integriert bei Bedarf vorhandenes Kontrollwerkzeug.

Eindruck: Mixmeister Fusion ist ein nicht-destruktives Tool zum Erstellen von Offline-Mix-Sets, zum Beispiel für CDs. Nicht nur, dass das Anlegen eines harmonischen Sets mit Mixmeister leicht von der Hand geht, intuitiv ist und Spaß macht, automatisches Beatmatching, Übergänge und Effekte bringen zusätzliche Kreativität ins Spiel. Unsere Test-Alben berechnet es in knapp zwei (Domino) und sechs (Bargrooves) Minuten. Was die Trefferquote angeht, kann ich MMF 75 Prozent für das Housepaket attestieren. Beim Pop-Rocksample war leider nur jeder dritte Key kompatibel.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Ergebnisse nur auf die ausgewählten Kollektionen zutreffen. Eine andere Zusammenstellung oder ein anderes Genre können abweichende Resultate hervorbringen. Auch sind fehlerhafte Datenbankeinträge der Websites die den Basiswert stellen grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Daher sollte die Wertung eher als Tendenz betrachtet werden.

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