Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
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19.01.2019

Harley Benton Custom Line CLJ-45E VS Test

Westerngitarre mit Tonabnehmer

Dreadnought-Alternative

Bei der Harley Benton Custom Line CLJ-45E VS wird fündig werden, wer Alternativen zur normalen Dreadnought sucht. Diese Gitarre ist zwar so groß wie eine Dreadnought, ist mit ihren runden Schultern aber deutlich weicher in der Linienführung - und zudem in ein schönes Retro-Finish gekleidet.

Eine Dreadnought klingt schon klasse mit ihren satten Bässen und brillanten Höhen. Es gibt jedoch nicht wenige Gitarristen, die deren kantigen Linien nicht mögen. Schon seit vielen Jahrzehnten gibt es jedoch eine wenig bekannte Alternative: die Slope Shoulder Dreadnought, auch als Southern Jumbo bekannt. Diese Korpusform ist gerade in letzter Zeit auf der Beliebtheitsskala nach oben gestiegen, und so verwundert es nicht, dass es mit der CLJ-45E VS ein solches Modell auch von Harley Benton gibt.

Details

Schon auf den ersten Blick wird deutlich, dass es sich bei der CLJ-45E um eine große Gitarre handelt, die jedoch etwas anders wirkt als die Dreadnoughts, die in dieser Klasse eigentlich allgegenwärtig sind. Das liegt an den runden Schultern, die dieser Korpusform auch den Namen gegeben haben. Die Bespielbarkeit beeinflusst das wenig, die Optik umso mehr. Auf ewig wird man bei dieser Gitarrenform ein Sunburst-Finish erwarten, wie es schon bei den ersten Modellen in den frühen 1930er-Jahren war, die damals aus der Gibson-Factory stammten. So ist es auch bei der Harley Benton.

Unter der Sunburst-Lackierung findet sich eine Decke aus massiver Sitka-Fichte, was schon mal eine Voraussetzung für einen dynamischen, obertonreichen Sound schafft. Sie ist mit dem sattsam bekannten X-Bracing versteift, jenem Balkensystem, das die Ausstattung der Akustikgitarre mit Stahlsaiten erst ermöglichte. Es ist sauber verarbeitet, auch wenn die einzelnen Balken ziemlich scharfkantig sind. Das ist speziell in dieser Preisklasse problemlos hinzunehmen, zumal es nur minimale Auswirkungen auf den Sound haben dürfte.

Boden und Zargen bestehen aus Mahagoni, dem klassischen Baustoff für Slope Shoulders. Natürlich ist es kein massives Material, aber es ist optisch sehr schön gemacht und kommt den Originalen damit sehr nah. Dazu trägt auch das dezente Binding in einem gebrochenen Weiß seinen Teil bei - sehr geschmackvoll!

Auch der Hals besteht aus Mahagoni, und zwar aus drei Teilen, denn Halsfuß und Kopfplatte sind separat angesetzt. Speziell bei der Kopfplatte wurde sensationell sauber gearbeitet - man sieht den Übergang wirklich nur dann, wenn man weiß, wonach man suchen muss. Zusätzlich klebt der CE-Sticker darüber ... Auch der Übergang am Halsfuß ist sauber kaschiert worden, indem der Lack leicht schattiert aufgetragen wurde. Auf der Kopfplatte sind sechs Mechaniken vom "Kluson"-Typ inklusive "Tulip"-Griffen montiert. Das sieht sehr hübsch aus, auch wenn es historisch nicht unbedingt korrekt ist.

Griffbrett und Steg werden aus Ovangkol gefertigt. Dieses Holz wird derzeit gerne benutzt, solange Palisander noch geschützt ist. Das Griffbrett ist mit dem gleichen cremefarbenen Material wie der Korpus eingefasst. Es trägt zwanzig schmale, aber relativ hohe Bünde. Perlmutt-Dots an den üblichen Positionen erleichtern die Orientierung.

Ein paar Worte möchte ich zur Bridge verlieren. Es handelt sich um eine "reverse" oder "belly up"-Bridge, denn sie ist genau anders herum aufgesetzt als die Martin-Brücken - auch das eine Gibson-Spezialität. Wenn man diese Konstruktion mit einem Martin-Guitars-Background das erste Mal sieht, könnte man beinahe an einen Herstellungsfehler denken, aber es ist natürlich Absicht. Und es beeinflusst den Sound, was sofort klar wird, wenn man sich vergegenwärtigt, dass sich eine Akustikbridge um die Längsachse dreht und daher die Krafteinwirkung zwischen Bridge und Schallloch größer sein muss als bei herkömmlichen Konstruktionen.

Ähnlich wie die Mechaniken ist auch der Tonabnehmer historisch nicht korrekt, aber er ist natürlich hochwillkommen, wenn man dieses hübsche Instrument auf der Bühne einsetzen will. Es handelt sich um einen Fishman-Piezo, der unter der Stegeinlage untergebracht ist, und der mit dem bewährten Preamp-System Isys+ (mit eingebautem Stimmgerät) verbunden ist. Das Stimmgerät wird über einen Druckschalter aktiviert, schaltet sich aber leider nicht automatisch ab. Also Vorsicht, sonst ist die Batterie leer! Buchse und Batteriefach sind in einem Bauteil zusammengefasst und in der Zarge untergebracht worden.

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