Gitarre Workshop_Folge
Workshop
1
03.03.2014

Kompressor - Gitarren-Effekte richtig einsetzen - Workshop

Gitarren-Effekte verstehen, einstellen und einsetzen

Volume 1: Verzerrer, Modulations-Effekte, Wah und mehr

Den Kompressor-Effekt stammt ursprünglich aus der Studio-Technik und bearbeitet die Dynamik eines Signals. Seine grundsätzliche Arbeitsweise ist schnell beschrieben: leise Töne werden lauter gemacht, laute Töne in der Lautstärke abgedämpft.

Auch beim Kompressor hat es sich Thomas nicht nehmen lassen, ihn ausführlich und in Bild und Ton vorzustellen.

Da weder Bandmaschinen noch Computer in der Lage sind, das dynamische Spektrum eines Instruments eins zu eins wiederzugeben, wird dieser „Helfer“ auch dazu verwendet, um einfach Lautstärke-Unterschiede anzugleichen. So kommt mit Hilfe des Kompressors beispielsweise die Aufnahme einer Band grundsätzlich wesentlich kompakter und druckvoller rüber, als unbearbeitet. Besonders der Gesang kann durch die geschickte Verwendung eines Kompressors effektiv in den Vordergrund gerückt werden.

Die Kompressor-Pedale, die für uns Gitarristen angeboten werden, kosten meist nur ein Zehntel von dem  hochwertiger Studio-Kompressoren. Dem geschuldet kommt eine wesentlich einfachere Schaltung zum Einsatz, und  auch die Arbeitsweise ist bei weitem nicht so unauffällig, wie die der Großen . Aber gerade das macht den Charme dieses Effekts in Pedalform aus. Meist nur mit wenigen Reglern einstellbar, liefert diese Art Geräte einen unverwechselbaren Sound. Bei der Gitarre wird der Kompressor sehr oft bei cleanen Gitarren-Sounds eingesetzt. Zum Beispiel, um Fingerpicking-Parts oder Ghost-Notes etwas in der Lautstärke anzuheben. Bei verzerrten Sounds kann man den Kompressor als eine Art Booster einsetzen, um das Sustain künstlich zu verlängern oder den Pegel von Single-Coil-Pickups etwas anzuheben und den Amp so stärker in die Verzerrung zu fahren.

Ein Gerät mit einem charakteristischen Ton ist der Dynacomp von MXR. Böse Zungen behaupten, dass er deshalb so beliebt ist, weil er nur zwei Regler zum Einstellen hat (einer ist für die Lautstärke zuständig) und somit für Gitarristen leicht zu bedienen ist. Das stimmt zwar, aber er hat eben seinen typischen Sound. Besonders um Lead-Parts mit Clean-Sound (im Jazz oder Country) aufzupeppen, wird er sehr oft eingesetzt. Ein weiteres Pedal, das man oft in den Effekt-Boards der Gitarristen findet ist der Boss CS-3.

WAS KANN EINGESTELLT WERDEN?

Wie immer in diesem Special versteht sich auch die folgende Liste der angebotenen Regelmöglichkeiten, als eine Art General-Übersicht. Sowohl die Bestückung als auch die Bezeichnungen der einzelnen Elemente kann von Gerät zu Gerät stark differieren. Auf gut deutsch: der eine hat's, der andere nich'!

Threshold
Das ist der Punkt, an dem der Kompressor anfängt, zu arbeiten – also ein Schwellwert. Erreicht  der Ton die hier eingestellte Lautstärke, beginnt das Abschwächen des Signals.

Ratio
Hier wird das Verhältnis der Lautstärke-Absenkung eingestellt. Beim Wert 1:1 wird nicht komprimiert, das Originalsignal bleibt unverändert. Der Wert ∞ (unendlich) bedeutet, dass kein Ton lauter als der eingestellte Threshold-Wert ist. Diese Einstellung nennt man Limiter.

Tone
Einstellen der Klangfarbe.

Attack
Einschwingzeit. Hier wird die Zeit eingestellt, bis der Kompressor zu wirken beginnt. Hohe Werte erzeugen einen knackigen Anschlagston.

Release / Sustain
Ausschwingzeit. Bestimmt die Zeit, bis der Kompressor aufhört zu arbeiten. Bei hohen Werten kann das Sustain des Instruments künstlich verlängert werden.  

Level
Lautstärke des kompletten Signals

WIE KLINGT DER EFFEKT?

Um den Sound bzw. die Arbeitsweise des Kompressors deutlich darzustellen, ist es sinnvoll, den Klang zunächst ohne Effekt und anschließend mit eingeschaltetem Kompressor zu hören. Daher habe ich  die folgenden Beispiele zuerst ohne und dann mit eingeschaltetem Kompressor aufgenommen.

In meinem ersten Clip wird der Boss CS-3 in Verbindung mit einer Stratocaster eingesetzt, um das Signal beim Fingerpicking etwas anzuheben und die Lautstärke beim harten Anschlag mit dem Pick abzusenken. Man hört den deutlichen Lautstärkeunterschied, wenn der Effekt ausgeschaltet ist. Bei aktiviertem Kompressor sind beide Signale angeglichen.  

In dieser Form wird der Kompressor sehr oft im Band-Zusammenhang genutzt.

Ein ähnliches Beispiel aus dem Jazz-Bereich. In diesem Genre wird ja überwiegend mit einem Clean-Sound soliert. Dabei wechseln sich mit dem Pick gespielte Single-Notes gerne mit per Daumen angeschlagenen  Oktav-Linien a la  Wes Montgomery ab . Und hier liegt  das Problem: um einen schönen, warmen Sound beim Daumenanschlag zu erreichen, sollte möglichst weich angeschlagen werden.

Das hat selbstverständlich zur Folge, dass der Pegel im Vergleich zu den mit Pick angeschlagenen Passagen relativ niedrig ist. Aber wofür gibt es schließlich den Kompressor: er boostet das „Daumen-Signal“ und macht es so wettbewerbsfähig. Im Hörbeispiel  kam der MXR Dynacomp in Kombination mit einer Gibson ES-335 zum Einsatz.

Eine Strat hat ja bekanntlicherweise weniger Sustain und Ausgangspegel als zum Beispiel eine Les Paul. Wenn man aber trotzdem etwas mehr Pegel und Sustain aus dem Instrument herauskitzeln möchte, kann man sich mit dem Kompressor helfen.

Ihr hört eine Strat mit verzerrtem Sound, zuerst beim Kampf um den Ton, der Kompressor ist noch ausgeschaltet. Dann wird der Effekt eingeschaltet und das Sustain künstlich verlängert. Hierbei wurde wieder der Boss CS-3 eingesetzt.

WO KANN MAN DEN EFFEKT HÖREN?

Auf professionellen Studio-Recordings  ist der Kompressor nicht so deutlich herauszuhören, da in der Regel eben eher die teuren Studio-Geräte zum Einsatz kommen. Man kann aber davon ausgehen, dass bei heutigen Produktionen eigentlich auf jeder Gitarrenspur eine mehr oder weniger starke Kompression zu hören ist. Sie bringt den Sound nach vorne, ist aber nicht vordergründig wahrzunehmen.

Hier sind drei Song-Beispiele, bei denen der Kompressor etwas deutlicher zu hören ist.

Zurück zur Serien-Startseite

Verwandte Artikel

User Kommentare