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Test
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16.10.2018

Gewa UP 380 WK Test

Digitalpiano

... Pianoklänge aus dem Vogtland


GEWA dürfte vornehmlich Spielern von Naturinstrumenten bekannt sein, lag das Kernsegment der deutschen Traditionsfirma bislang doch eher im Bereich von Streich- , Blasinstrumenten und Schlagwerk samt Zubehör. In jüngerer Zeit widmen sich die Ingenieure im lauschigen Vogtland aber zunehmend der Verknüpfung elektronischer Klangerzeugung mit mechanischen Komponenten – die Rede ist von Digitalpianos. Und so sind aktuell fünf Modelle in unterschiedlichen Bauformen und Ausstattungsvarianten erhältlich. Das hier getestete UP 380 WK markiert die Oberklasse in der Produktpalette und entsprechend gespannt haben wir uns an den Test gewagt.

Details

Überblick

Alle Digitalpianos von GEWA dürfen sich ein echtes „Made in Germany“ auf das Typenschild schreiben, denn tatsächlich erfolgt die Fertigung im Stammwerk in Adorf. Im Gespräch verrät der Produktmanager, dass – nachdem man jahrelang Pianos aus Fernost importierte – die Kosten, Lieferzeiten und Qualität noch mal auf den Prüfstand gestellt wurden und man zu der Entscheidung kam, dass die Produktion in Deutschland nicht nur machbar, sondern auch effektiver ist. Die erforderlichen Platinen werden nun also bei „Technisat“ gefertigt und der Klangerzeugungs-DSP stammt aus dem benachbarten Frankreich. Denn dort stellt die Firma „Dream“ mit ihrer SAM-Serie überaus leistungsfähige ICs her, die in der Lage sind, die komplexe Klangerzeugung eines Digitalpianos zu übernehmen. Entsprechend kommt im GEWA UP 380 WK das Spitzenmodell „SAM5916B“ zum Einsatz, das unter anderem in der Lage ist 256 polyphone Stimmen zu generieren, 2 Gigabyte Sample-Speicher zu verwalten, USB-Midi zu übermitteln und verschiedenste DSP-Effekte zu erzeugen. Sogar die Samples stammen gewissermaßen aus „Eigenmanufaktur“, denn sie wurde von Frank Plasa in seinem „H.O.M.E.“-Studio in Hamburg mikrofoniert und aufgenommen. Das Ausgangsinstrument war ein selektierter „Steinway & Sons D-274“.

Auspacken

Das UP 380 WK erreicht uns in nicht montiertem Zustand. Das Bruttogewicht liegt bei 65 Kilo weshalb man für den Anlieferungstermin einen Helfer einplanen sollte oder ein Trinkgeld für den Spediteur, damit er beim Hinauftragen in den achtzehnten Stock hilft (wichtig: Ab dem drittem Stock mit Motivationssprüchen wie 'ist nicht mehr weit' anfangen'). Aus der Verpackung wuchte ich dann fünf Einzelteile: Die Keyboard-Sektion, zwei Seitenteile, das Pedalbord, sowie die Rückwand. Dazu noch mehrere Tüten mit Schrauben und Kleinteilen. Daneben findet sich noch eine mehrsprachige Anleitung und ein Stromkabel.


Auch von der Idee, das Instrument alleine aufzubauen sollte man dringend Abstand nehmen, es sei denn man ist aktiver Kraftsportler, denn die Keyboard-Sektion ist wirklich schwer und lässt sich alleine nicht richtig fassen. Zu zweit gestaltet sich der Aufbau weitgehend unproblematisch: Erst komplettiert man den Unterbau, indem man die Seitenteile über das Pedalbord verbindet und anschließend die Rückwand anschraubt, danach senkt man die Klaviatur auf den Unterbau und verschraubt sie ebenfalls.

Hiernach gilt es nur noch das Anschlusskabel des Pedalboards mit der Buchse am Keyboard zu verbinden und mit den mitgelieferten Kabelhaltern an der Rückwand zu befestigen. Ferner sollte man die kleine Entlastungsschraube unterhalb der Pedaleinheit drehen, bis sie auf dem Boden aufsetzt und sich so dem Druck der Füße entgegen stemmt. Die Bedienungsanleitung verrät auch, dass man die Keyboard-Einheit natürlich auch ohne den Unterbau betreiben kann und sie beispielsweise auf einem Standard-Keyboard Ständer befestigt. Der sollte allerdings wirklich stabil sein, um das Gewicht sicher zu tragen.

Erster Eindruck

Ist das Instrument aufgebaut, erweist es sich als durchaus ansehnliches Möbel: Die Holzteile bestehen aus massiven Faserplatten, die im Sichtbereich mit einer tiefschwarzen Kunstoff-Oberfläche überzogen und mit einer Holzmaserungs-ähnlichen Struktur versehen sind. Im Detail ist diese Art der Oberflächenvergütung natürlich Geschmackssache – man kennt es von Türen oder Küchenmöbeln: Robust und widerstandsfähig gegen Stöße zwar, beim Anfassen und gegen das Licht betrachtet, merkt man jedoch den artifiziellen Charakter dieser Sandwichbauweise. In seiner Gesamtheit wirkt das UP 380 WK – auch, und besonders aufgrund der an vielen Stellen gedoppelten Linienführungen - weniger elegant, als vielmehr robust und kompakt.

Den Piano-Deckel klappt man nicht hoch, sondern schiebt ihn ins Instrument. Der Griff zu den Tasten zeigt, dass sie mit einem mattierten Kunststoff überzogen sind, der einen sehr guten Grip liefert. Ein seitlicher Blick verrät, dass hier ein Holzkern zum Einsatz kommt, was das hervorragende Tastengefühl noch unterstützt und für die Namensgebung verantwortlich ist: WK = Wooden Keys. Viel Aufwand hat der Hersteller laut eigenem Bekunden darauf verwendet, die Kalibrierung auf ausgewogene Gleichförmigkeit hin zu optimieren: Dass also jede Taste bei gleicher Anschlagsstärke einen gleich lauten Ton erzeugt. Bei unserem Testinstrument war dies in vorbildlicher Weise der Fall. Sollte es dennoch mit der Zeit zu einer Unausgewogenheit kommen, hat man im Funktionsmenü die Möglichkeit, für jede einzelne Taste eine Neukalibrierung vorzunehmen.


Anschlüsse

Die Anschlüsse sind – wegen der Optik bei Digitalpianos beliebt - an der Unterseite versteckt, persönlich hätte ich sie lieber an der Rückseite gesehen. Von links nach rechts finden sich hier: Ein Line-In (Miniklinke), Sustain-Pedal (Klinke), Stereo-Line-Out (2x Mono-Klinke), Midi-In/Out (5-Pol DIN), USB-Midi (USB A) und der Netzanschluss. Etwas weiter am Rand findet sich eine Aussparung in der zwei Kopfhörerbuchsen nebst USB-Buchse platziert sind. Die maximale  Kopfhörerlautstärke ist über das Menü begrenzbar, was insbesondere an Musikschulen (für Kinder) von Interesse ist, damit die kleinen Racker ihr empfindliches, junges Gehör nicht überstrapazieren.


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