Hersteller_Genelec
Test
2
13.06.2015

Praxis

Aufbau

Meine Testpraxis dürfte zwar mittlerweile bekannt sein, allerdings kamen diesmal die Genelec 8351 in etwa zwei Metern Entfernung hinter meinen Arbeitstisch auf den Stativen zum stehen. Logisch, bei solch großen Speakern kann man das Stereodreieck durchaus größer wählen, wenn es denn der Raumklang hergibt. Die Ausrichtung der Speaker erfolgt aufgrund der Ei-Form in Verbindung mit dem ISO-Pods gewohnt leicht und unkompliziert. Gerade was die Neigung betrifft, ist man hier äußerst flexibel. Bevor ich jedoch das GLM-Kit hinzuziehe, habe ich mich als erstes an die analoge Verkabelung gewagt und die Speaker ohne aktivierte Filter angehört.  

Grundklang

Boom! Junge… so ein Feuerball! Ich muss sagen, von der Basspower dieser Speaker bin ich echt überrascht. Einen Subwoofer braucht man in Räumen bis etwa 40 qm definitiv nicht, es sei denn, man will sein Verhältnis zu den Nachbarn wirklich nachhaltig schädigen. Es müssen die Boxen wirklich laut aufgedreht werden, damit der Bassbereich übersteuert und die Box vor dem Bass kapituliert. Für das Farfield ist sie meiner Einschätzung nach dennoch nicht geeignet, vor allem, wenn die Kundschaft wirklich laut abhören möchte. Midfield geht allerdings mehr als klar, dann stimmt auch die Impulsfestigkeit aufgrund der höheren Reserven! Soviel zu Pegel und Bass.

Auch Mitten und Höhen werden zweifelsfrei übertragen, dabei ist die Box allerdings kein Schönzeichner, sondern ein echt lineares Arbeitstier. Ein Umstand, den ich schon immer an Genelec-Speakern schätzte. Entsprechend sind die Höhen und Mitten sehr detailliert und färbungsfrei. Die Übergangsfrequenzen sind für mich ebenso nicht heraushörbar, von daher hat Genelec seine Hausaufgaben auch hier mehr als gut gemacht. 

Entsprechend gut ist das Stereoverhalten, wodurch die Stereobühne sehr weit aufgefächert wird und sich Positionsänderungen einwandfrei nachvollziehen lassen. Selbst in die Tiefe lässt sich mit diesen Boxen sehr gut hineinhören, wenn der Abhörraum entsprechend präpariert wurde. Kritik gibt es an dieser Stelle wirklich mal keine. Gut, in meinem Abhörraum und mit meiner Positionierung gibt es ein paar Probleme im Bassbereich, aber dafür gibt es ja die Software, right?

GLM 2.0
Beim ersten Probehören vielen mir die sehr lauten Bässe in meinem Studio auf. Die GLM 2.0 Software verspricht hier mit automatischer, den räumlichen Bedingungen angepasster, Filterkalibrierung Abhilfe. Zu den Filtern zählen übrigens zwei Low-Shelfs, zwei High-Shelfs und bis zu sechs Notch-Filter. Die Anzahl der verfügbaren Filter ist von Speaker-Modell zu Speaker-Modell weiterhin unterschiedlich.

Sobald man die von der Software erkannten Genelec-Speaker in einem virtuellen Raum angeordnet hat, kann man die Messung mit dem mitgelieferten Mikro an wahlweise einer (Single-Point) oder bis zu vier Positionen (Multi-Point) starten. Jeder Lautsprecher sendet dann der Reihe nach ein Testsignal aus. Die gemessenen Übertragungsverläufe werden dabei direkt angezeigt. Im Anschluss an die Messung startet man die Kalibrierung, welche je nach Messergebnis die optimalen Filtereinstellungen bestimmt.

Bei Verwendung der automatischen Messung wird den tiefen Frequenzen für meinen Geschmack allerdings sehr stark entgegengewirkt, insbesondere beim Single-Point-Verfahren. Wie ich schon anfangs schrieb, ist es deshalb sinnvoll, die gefundenen „Problem“-Frequenzen nicht komplett zu linearisieren, sondern nur 40-60% des veranschlagten negativen Gains zu nutzten. Benutzt man das Multi-Point-Messverfahren, wird das automatisch ermittelte Ergebnis dank einer Messung an zwei bis vier verschiedenen Messpunkten etwas besser, aber auch meist sehr dünn im Bass.

Die Software ist übrigens für Windows PC und Mac OSX verfügbar, wobei sich Mac-User momentan noch mit der Beta-Version begnügen müssen. Vielleicht hatte ich auch deshalb noch ein paar Probleme mit der Software. Beispielsweise hatten die Boxen bei laufender GLM-Software nach dem Start des Betriebssystem gelegentlich Aussetzer, in denen für knapp eine Sekunde Stille herrschte. Wenn das GLM-Kit hingegen nicht an den Rechner angeschlossen war, hatten ich sehr selten aber wiederholt das Problem, dass sich nach dem Trennen vom Netz die GLM Lautstärke auf -∞ gesetzt hatte, was keine Tonausgabe zur Folge hatte. Es empfiehlt sich daher (für Mac-User), nach abgeschlossener Konfiguration die GLM-Software zu schließen, das Interface aber dennoch angeschlossen zu lassen. Bitte nachbessern!

Es geht auch ohne GLM, aber nicht so schön 

Trotz der GLM-Software samt seiner automatischen Kalibrierung ist es schon schön, grobe, klangtechnische Änderungen auch manuell mittels Dip-Schaltern vornehmen zu können, falls mal kein Computer, Mikro oder Zeit zur Seite steht. So umfangreich wie die „internen“ DSP-Filter sind diese aber nicht.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare