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01.12.2016

Gear-Chat: Anders Trentemøller im Interview

Livespielen, Touren und was zu tun ist, wenn das Equipment versagt

Anders Trentemøller aus Kopenhagen, Dänemark machte vor 10 Jahren vor allem mit Remixes für Röyksopp, The Knife, Robbie Williams, Moby, Robyn und die Pet Shop Boys von sich reden und definierte mit seinen knalligen Drum-Grooves, kantigen Bässen und stotternden Effekten das Electro-Genre der 00er Jahre. Wer bei seinem ersten Album auf Steve Bugs Poker Flat Label nun ein „Best of Trentemøller“ erwartete, wurde angenehm enttäuscht: „The Last Resort“ ist ein auch heute noch sehr hörenswertes Electronica-Album der deeperen Sorte. Damit ging Trentemøller dann auf Tour.

2006 tourte er noch mit kleinem Elektronik-Besteck und einem begleitenden Gitarristen durch die Clubs. Mittlerweile hat Trentemøller mit „Fixion“ bereits sein viertes Studioalbum vorgelegt und spielt weltweit sehr erfolgreich in großen Hallen. Bei der aktuellen Tour hat er eine feste Band dabei. Was ihn antreibt, seine Musik live auf die Bühne zu bringen, erzählt er Mijk van Dijk im exklusiven Bonedo-Interview:

Du spielst schon seit 2007 deine damals hauptsächlich elektronische Musik live mit Band auf der Bühne. Was war der ausschlaggebende Punkt?

Trentemøller: Nach dem ersten Album hat es sich einfach so ergeben. Ich hatte Gitarre auf einigen Stücken und es erschien mir falsch, die Gitarre vom Computer abzuspielen und nicht lieber live zu spielen. Ich musste schon da feststellen, dass ich einiges in den Arrangements vereinfachen musste, um die Songs live spielen zu können. Auf manchen Songs waren bis zu fünf Gitarren-Linien. Also ging es darum, die Gitarren so zu arrangieren, dass sie von nur einem Gitarristen auch gespielt werden konnten.

Welche Instrumente nutzt du auf der aktuellen Tour auf der Bühne?

Trentemøller: Einen Moog Sub37, ein Mellotron M4000D Mini, den Waldorf Streichfett sowie ein MIDI-Keyboard mit diversen Softsynths in Native Instruments Kontakt 5, Simpler in Ableton Live and einige U-He Softsynths.

Und was machst du selbst auf der Bühne?

Trentemøller: Noch bei der letzten Tour habe ich den Bass selber gespielt, manchmal live am Moog, oft auch als Sequenz. Auf der aktuellen Tour habe ich jetzt auch einen Bassisten dabei. Auf „Fixion“ sind viele Songs mit E-Bass eingespielt worden und da ist es für mich nur folgerichtig, das dann auch so auf der Bühne zu tun.

Ich selbst spiele jetzt auf der Bühne nur noch Keyboards und ein wenig Percussion. Ein paar wenige Sequenzen werden von unserem Drummer zusätzlich zum Live-Schlagzeug getriggert, ansonsten spielen wir jetzt wirklich komplett live.

Hattest du den Sub37 schon auf der letzten Tour dabei?

Trentemøller: Nein, da war es noch ein Moog Voyager. Aber der verstimmte sich ständig. Ich hatte ein Stimmgerät angeschlossen und musste ihn während der Konzerte immer und immer wieder neu stimmen, was sehr frustrierend war. Bei unserer letzten Show in LA im Fonda Theatre ging es dann gar nicht mehr und ich musste mitten in der Show mit anderen Synths improvisieren, was aber durchaus inspirierend war.

Wirklich? Stresst es dich nicht, wenn das Equipment nicht mitspielt?

Trentemøller: Zuerst war das sehr frustrierend, weil ich bestimmte Parts eben mit bestimmten Sounds spielen wollte. Aber andererseits hat es irgendwie Spaß gemacht, dazu gezwungen zu sein, einen neuen Part aus dem Stand heraus improvisieren zu müssen. Vor allem, weil es das Ende der Tour war und ich diese Songs seit Ewigkeiten gespielt hatte. Ich liebe es zu improvisieren, also fühlte es sich irgendwann sogar gut an. Aber ich muss zugeben, ich mag keine technischen Probleme, wenn ich live spiele. Sie stressen mich.

Solange es andere Möglichkeiten gibt, wie z. B. den Part auf einem anderen Instrument zu spielen, kann das eine gute Herausforderung sein. Es ist nur problematisch, wenn technische Probleme dich davon abhalten, live auf der Bühne kreativ zu sein. Natürlich bevorzuge ich es also, das all mein Equipment funktioniert, wenn wir ein Live-Konzert spielen.

Hast du den Streichfett aus Platzgründen gewählt?

Trentemøller: Auf dem neuen Album habe ich viele String-Synthesizer eingesetzt und weil sie aus den 70ern sind, sind sie nicht besonders stabil und superschwer. Ich fand dann diese kleine Kiste, die nur alte String-Synths imitiert. Und sie klingt sehr ähnlich wie die Originale, nicht absolut gleich, aber völlig in Ordnung für eine Live-Situation.

Du scheinst ein Faible für Keyboards aus den 70er Jahren zu haben. Auch die Effekte, die du auf der Bühne nutzt sind sehr old-schoolish.

Trentemøller: Ich benutze auch moderne Softsynths, z. B. Instrumente von U-He und Kontakt und anderes. Es ist ein Mix aus modern und alt. Ich mag beide Welten, aber ich denke nicht viel darüber nach, was jetzt da das Alte oder Neue ist. Hauptsache, es klingt gut. Ob der Sound dann von einem Gerät aus den 70ern oder 2016 stammt, ist mir dann wirklich egal. Es geht immer darum, was der Song „benötigt“, welcher Sound zum Song am besten passt.

Setzt du dann überhaupt noch Backing-Tracks ein?

Trentemøller: Ich will gar nicht alles live spielen müssen. Ich mag es, dass manche Sachen sehr staccato und sequenced klingen. Das muss dann auch genauso tight sein. Und dazu etwas elektronische Percussion und Extra-Synth-Pads. Ich kann ja nicht alles auf einmal spielen, ich habe schließlich auch nur zwei Hände, haha!

Was genau interessiert dich daran, deine Musik live auf die Bühne zu bringen?

Trentemøller: Das Interessante am live Spielen ist, dass sich viele Songs während einer Tour verändern. Zuerst muss man die richtige Form für eine Live-Version finden. Manche Songs, von denen ich dachte, sie wären einfach live zu spielen, mussten wir noch sehr verändern, damit es sich gut anfühlte. Und während der Tour verändern sich die Songs dann auch. Der Drummer spielt andere Fills oder Grooves, der Gitarrist kommt mit einem neuen Riff daher, das toll klingt und am Ende der Tour spielt man das Stück anders als zu Anfang. Das gefällt mir persönlich auch, denn ich empfinde es als langweilig, ein Stück exakt wie auf Platte zu reproduzieren. Dann könnte man sich ja auch gleich die CD einlegen.

Manche Fans mögen es aber mitunter gar nicht, wenn sich die Songs beim Konzert allzu sehr von den liebgewonnenen Studioversionen unterscheiden.

Trentemøller: Ja, da ist was dran. Man sollte den Song schon wiedererkennbar spielen. Wenn ich auf ein The Cure Konzert gehe und die spielen dann „Lullaby“ in einer völlig merkwürdigen Version, wäre ich auch nicht glücklich. Aber generell kommt es darauf an, die Seele des Songs rüberzubringen. Ich mag es zum Beispiel, einen Song mit einem bestimmten Sound oder Melodie schon mal anzuteasen, dann erst mal etwas anderes zu spielen und schließlich den Refrain genauso zu bringen, wie ihn das Publikum kennt.

In deinen DJ-Sets hast du ja schon immer sehr viel unterschiedliche Musik gespielt, z. B. in einem Electro-Set mal The Cure etc. Legst du noch oft als DJ auf?

Trentemøller: Ich DJe nur noch sehr selten, obwohl ich immer noch viele Anfragen erhalte. Im letzten Jahr habe ich nur vier DJ-Sets gespielt. Manchmal spiele ich gerne Rock/Indie-Sets in einer Bar in Kopenhagen.

Ich mag es, wenn es sehr intim wird und ich viele verschiedene Styles spielen kann, von Krautrock über 50s Girlgroup Pop und Surf zu Elektronik und Psychedelic Rock zu was auch immer.

Man kann einfach sehr viele verschiedene Stilistiken spielen, wenn man die Sachen gut mixt. DJing macht mir also immer noch Spaß, aber mein Fokus liegt definitiv auf dem Band-Ding. Ich denke, es ist für mich einfach viel interessanter, meine eigene Musik live zu spielen.

Du warst gerade auf Tour in Europa und den USA und am 19. Januar startet schon deine nächste Tour in Amsterdam, die dich für 11 Wochen für 50 Konzerte wieder kreuz und quer durch Europa und die USA führen wird. Findest du das nicht anstrengend?

Trentemøller: Ich toure sehr gern. Es ist für mich ein Geschenk, durch die Welt zu reisen, andere Städte und Länder zu sehen, meine Musik auf Konzerten zu spielen und direktes Feedback vom Publikum zu bekommen. Dabei wächst man dann auch mit seiner Band und Crew zu einer Gemeinschaft zusammen, auch weil wir gemeinsam mit dem Bandbus unterwegs sind. Mancher andere Musiker empfindet das als anstrengend. Ich dagegen liebe es!

 

 

 

Anders Trentemøller Live Band

Marie Fisker: Gesang, Gitarre, Synthesizer, tritt auch als Solokünstlerin auf.

Jeppe Brix: Gitarre, Synthesizer, spielt bei Howl Baby Howl und Pinkunoizu.

Jakob Falgren: Bass, Bass-Synthesizer, spielt in den Bands Choir Of Young Believers und Pinkunoizu.

Jakob Hoyer: Drums, spielt bei Jakob Bellens und in diversen Jazzgruppen

Anders Trentemøller: Synthesizer, Percussion

Anders Trentemøller Equipment

Moog Sub 37 durch folgende Effektpedale:

Rat Distortion

Electro Harmonix Holy Grail

Reverb JHS Colourbox

Mellotron M4000D Mini durch folgende Effekte:

Catlinbread Echorec und DOD Stereo Chorus 565-A

MIDI-Keyboard mit diversen Softsynths:

Native Instruments Kontakt 5

Simpler in Ableton Live

diverse U-He Softsynths

Waldorf Streichfett String Synthesizer

Alben

2006 – The Last Resort

2010 – Into The Great White Yonder

2013 – Live in Copenhagen 2013 – Lost

2016 – Fixion

Videos

Trentemøller– Moan, live in Berlin am 21. September 2016

Trentemøller – Moan, live in Los Angeles am 29. September 2016

Trentemøller Tour Dates

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