Test
5
26.07.2019

Praxis

In einer eher unscheinbaren grau-schwarzen Farbkombination und mit dem oben platzierten „Fun Generation“ Logo präsentiert sich mir der zu testende Tonabnehmer. Wie auch bei regulären Concorde-Modellen üblich, verfügt der Stylus über eine großzügige Aussparung, welche den Blick von oben auf die Nadelspitze ermöglicht. Ein präzises „Needle-Dropping“ ist mit unserem Testkandidaten dennoch eher mühsam, da dem Nadelträger an seiner Spitze eine kontrastreiche farbliche Markierung fehlt. Ersatznadeln sind übrigens für günstigste 19 Euro zu haben.   Wie auch bei den regulären Concorde-Modellen von Ortofon, handelt es sich beim Fun Generation Scratch um einen Komplett-Tonabnehmer mit SME-Bajonettverschluss. Ohne zusätzliche Headshell lassen sich diese direkt mit einem entsprechenden Rohr-Tonarm verbinden.

Alle Plattenspieler auf dem Markt, die eine Systemlänge von 52 mm bzw. einen Überhang von 15 mm erfordern, sind mit der Concorde-Bauform kompatibel. Darunter u.a. der allseits bekannte Technics 1200/1210 MKII Serie, der Pioneer PLX-1000 sowie zahlreiche andere Modelle.   Die Qualität der SME-Kontakte ist wie bei den teureren Modellen der Serie exzellent. Auch für den kleineren Geldbeutel bekommt der Kunde hier die vergoldeten Konnektoren mit ihren abgerundeten Oberflächen (erhöhte Kontaktfläche/Kontaktsicherheit) geboten.

Ich montiere den Tonabnehmer an den Bajonettanschluss meines Technics 1210 MKII, justiere die Tonarmhöhe und die Auflagekraft. Laut Hersteller liegt der mittlere Wert bei 4 Gramm/Nm. Nun aber endlich zum eigentlichen Praxistest.

Ich lege die extrem basslastige US-Maxisingle „Get Up, Get Down, Get Funky, Get Loose“ vom Künstler „Chilla Frauste“ auf dem Label „Miami Street“ aus dem Jahr 1989 auf den Plattenteller. Bei derartig gepressten Scheiben und deren großer Rillenbreite wird die Nadel stärker ausgelenkt als bei leisen Alben. Das Auflagegewicht muss daher entsprechend höher sein. Erfreulicherweise wird die Scheibe bereits ab einer Auflagekraft von nur 1,7 Gramm/Nm verzerrungsfrei abgespielt.

Als Nächstes stehen Backspins sowie schnelle Basic-Scratches auf dem Testplan. Auch hier macht unser Testkandidat eine sehr gute Figur, denn bereits ab einem Auflagegewicht von lediglich 2,1 Gramm bleibt die Nadel hier zuverlässig in der Rille. Und nur 2,9 Gramm/Nm Auflagekraft bedarf es bei schneller ausgeführten und komplexeren Scratch-Pattern und abrupten Backspins, damit unser Testkandidat das „Fahrtwasser“ nicht verlässt.

Insgesamt erwies sich der Fun Generation Scratch Tonabnehmer für Scratches und Backspins im Testdurchlauf als erfreulich gut geeignet. Bezüglich einer plattenschonenden Arbeitsweise gehen bei diesem Produkt die Daumen ebenfalls nach oben. Unser Kandidat verfügt über eine mittelharte Aufhängung des Nadelträgers und so bewegt sich dieser beim Vor- und Zurückbewegen der Platte etwas stärker als bei vielen anderen Tonabnehmern (z. B. Concorde Gold) dieser Bauart von Ortofon. Stärkere, tieffrequente Nebengeräusche treten beim Scratchen dennoch nur in einem vernachlässigbaren Maß auf. Der Nadelträger des Fun Generation Scratch Tonabnehmers ist generell robust und verschiedensten Scratching- und Turntablism-Aktionen problemlos gewachsen.

Klang

Fun Generation Scratch bietet einen ausreichend hohen Ausgangspegel von 5 mV. Allerdings liegt dieser aber im Vergleich am unteren Ende vergleichbarer Concorde-Modelle von Ortofon. Tonabnehmer wie das klassische Concorde Pro-S System sowie das Modell Reloop Concorde Black verfügen ebenso eine Ausgangsspannung von 5 mV, während ein das Concorde Q.Bert-S System bis zu 11 mV „generiert“. Zu Hören bekomme ich einen erfrischend lebhaften Klang mit ordentlichen „Punch“ im oberen Bassbereich und erstaunlich transparenten Höhen. Leider kommen die Mitten hingegen etwas drucklos daher.

Das gesamte tieffrequente Feld inklusive des Subbereichs präsentiert sich durchsetzungsstark, aber leider auch ein wenig verschwommen. So ist beim für die Soundbeispiele verwendeten Song, dem Instrumental des Liedes „Mind Expansion“ der Gruppe „LSD“ aus dem Jahr 1991 die Original-Bassline des verwendeten Samples kaum noch separat vom TR-808 Subbass wahrzunehmen. Die gesampelte Kick, welche eher im oberen Bassbereich angesiedelt ist, präsentiert sich hingegen mit ordentlich „Punch“.

Erfreulich offen und lebendig zeigt sich dank der transparenten Höhen die eingesetzte Hornsektion sowie das TR-808 Hi-Hat-Pattern. Die im Lied verwendete Snare kommt angesichts der leicht drucklosen Mitten leider nur eingeschränkt zur Geltung. Dennoch liefert unser Testkandidat in Anbetracht seiner vergleichbar geringen Ausgangsspannung sowie des günstigsten Preises einen soliden Gesamtsound, der in einer Schulnote ausgedrückt eine 3+ verdient hat!

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare