Test
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03.06.2015

Fredenstein F609 Test

API Series 500 Röhren-Preamp

Großer Röhrensound auf kleinem Raum

Der F609, Fredensteins Röhren-Mikrofonvorverstärker für den API–500-Standard, ist im bonedo-Test. Besonders daran ist nicht, dass wir etwas im Review behandeln, es sich um einen Preamp handelt oder dass es ein Einschub für das beliebte 500er-Modulformat ist – sondern dass der F609 ein Tube-Preamp ist. In den kleinen Kassetten im Series-500-Format ist bekanntlich nicht sonderlich viel Platz, ein Valve-Preamp benötigt aber genau diesen. Nun ist Fredenstein mit seinem F609 nicht der erste Hersteller, der die Elektronik in einen Rackslot presst, LaChapell, Roll, Triton, Radial und Crane Song etwa machen das ebenfalls.  

Ein Röhrengerät ist per Definition dann eines, wenn es a) ein Gerät ist und b) irgendwo eine Röhre verbaut ist. Es gibt ja Beispiele, in denen die eigentliche Verstärkung durch OP-Amps erfolgt und eine Röhre im Signalweg lieb vor sich hin wärmen darf, aber nicht das tut, was man klanglich eigentlich gerne hätte. So viel schon mal im Voraus: Beim Fredenstein ist das nicht so. Und der Test des V.A.S.-Preamps hat ja schon gezeigt, dass Fredenstein preisgünstig hervorragend klingende Vorverstärker zu bauen in der Lage ist. Es ist also eigentlich nicht zu erwarten, dass der F609 da eine Ausnahme macht.

Details

Eigentlich hohe Spannungen nötig

Ein Röhrenmikrofonvorverstärker benötigt hohe Spannungen. Zwar lassen sich Röhren oft auch im Niedervoltbetrieb fahren, doch bleiben dann viele klangliche Eigenschaften außen vor, die man durch Hinaufklettern der Kennlinie erreicht – gezielte Generierung von Obertönen beispielsweise. 

Fredenstein zeigt sich konsequent und transformiert die zur Verfügung stehenden Spannungen des Modulhousings auf 160 Volt hoch. Profitieren können von der Hochspannung zwei Spanngitter-Doppeltrioden, namentlich eine ECC802S und eine ECC803S. Sehr gut: Obwohl auf Frontplatten von 500er-Modulen eigentlich immer zu wenig Platz ist, fehlt auch ein Bypass-Schalter nicht. Denn schaltet man ein Housing an, werden immer alle Module mit Spannung versorgt, ob man sie nun im Einsatz hat oder nicht. 

Vollausstattung

Unter den Bedienelementen des Fredenstein F609 findet man eigentlich alles, was man von einem Tube-Preamp erwartet. So kann die klassische 48V-Phantomspeisung auf den Signaleingang geschaltet werden, eine Tiefensperre greift bei Bedarf bei 50 oder 100 Hz und das Signal lässt sich mit dem Polaritätsschalter invertieren. Mit 20 dB Dämpfung geht das Pad kräftig zur Sache.

Regler gibt es zwei. Zunächst das Gain, welches für minimal 34 dB und maximal 70 dB Röhrenverstärkung sorgt. Das nachfolgende Output-Level ist ein Fader ohne Aufholverstärkung mit einem Regelbereich von 20 dB. Setzt man also Gain auf Minimum, aktiviert Pad und zieht Output-Level auf -20 dB, kann man durchaus Line-Signale durch den F609 schicken. Als maximales Output-Level gibt Fredenstein +26 dBu an, Clip leuchtet bei +24 dBu. Naturgemäß etwas behäbiger reagiert das VU-Meter, welches gleichzeitig ein stilbildendes Element des Fredenstein-Preamps ist – gemeinsam mit der „CI“-Farbe der Frontplatte, die außer bei den sehr preiswerten Geräten überall zum Einsatz kommt. Und wie es sich für einen Preamp mit Vollausstattung gehört, fehlt auch nicht der hochohmige Eingang auf der Vorderseite, um Bässe, Gitarren, Synths und Konsorten in den Röhrengenuss zu bringen (und zu verstärken, logisch). 

Platine

Das Modul ist nicht offen, was bezüglich der Immissionen und Emisionen von Einstreuungen eine gute Nachricht ist. Die notwendige Luftzirkulation erfolgt durch Gitter. Auf der Platine fallen die beiden Röhren auf Sockeln auf, die beiden Übertrager und das tief bauende Zeigerinstrument. Den wenigen verbleibenden Platz dazwischen bevölkern vornehmlich SMD-Bauteile.

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