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Test
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19.12.2017

Focusrite RedNet Test

Audio-Network-System mit Dante

Audiostreaming im Netzwerk

Die Firma Focusrite erweiterte seine auf Dante-Ethernet-Technologie basierende RedNet-Produktpalette ständig um weitere Interfaces. Neben der kompakten Bauweise mit nur einer Höheneinheit verfügen einige neuere Modelle über Features, die auch im Liveeinsatz und im Broadcast von großem Nutzen sind, wie beispielsweise redundante Netzwerk- und Stromanschlüsse. Für einen Test wurde uns von Focusrite ein umfangreiches System zur Verfügung gestellt, mit dem wir die RedNet-Produktlinie ausprobieren konnten.

AOIP-Netzwerke haben alles verändert. Wo man früher noch für jeden Audiokanal ein eigenes Kabel zwischen zwei Geräten verlegen musste, werden heute durch die Trennung von logischem und physikalischem Signalpfad mit viel kleinerem Aufwand mehrere Kanäle über ein einziges Kabel geschickt. Aus Kostensicht sind die digitalen Netzwerksysteme im Vergleich zur Analogverkabelung günstiger, denn hierbei können auch komplexe Infrastrukturen ohne große bauliche Maßnahmen realisiert werden. Alles was man benötigt um ein Audio-over-IP-Netzwerk mit einer DAW zu verbinden, ist ein entsprechendes Interface und ein einfaches Ethernet-Cat-5-Kabel. Focusrite bietet eine ganze Reihe von Interfaces an, die ein Netzwerk zur Audioverkablung besonders hochwertig und zuverlässig ermöglichen.

Details

RedNet ist Focusrites High-End-Interface-Serie für das Dante-Netzwerk

Die Firma Focusrite, ein für gute Mic-Preamps und Kanalzüge bekanntes Traditionsunternehmen, hat eine eigene Hardware-Produktlinie für Audio-Netzwerktechnologie. Basierend auf dem Dante-Netzwerk steht eine Reihe von Interfaces zur Verfügung, die unterschiedlichsten Bedürfnissen der Proaudiowelt gerecht wird. Mit ihren RedNet-Geräten bietet Focusrite verschiedene Interfaces und Bridges zur Einbindung von analogen und digitalen Signalen sowie komplexen Audiosystemen wie MADI und Pro Tools in ein Dante-Netzwerk. Der Funktionsumfang der Interfaces wurde stetig erweitert, sodass sie mittlerweile nicht nur mit fixen Linepegeln arbeiten, sondern beispielsweise mit fernsteuerbaren Mikrofonvorverstärkern ausgestattet sind, bei denen sich Gain und weitere Parameter direkt aus der DAW fernsteuern lassen. Neben mehrkanaligem MADI und AES steht auch eine Bridge zur Verbindung mit aktuellen Pro-Tools-HDX-Systemen bereit. Und Workstations ohne RedNet-Hardware – selbst Laptops – können mit Hilfe einer Software namens Dante Virtual Soundcard in das RedNet-/Dante-Netz voll eingebunden werden. Alles was man dazu benötigt, ist eine Netzwerkverbindung über den Ethernetanschluss. 

Der Aufbau und Anschluss ist kinderleicht

Der große Vorteil neben der Hardware- und Feature-Vielfalt besteht beim Focusrite-RedNet-System darin, dass sich es sich zu einem bestehenden Netzwerk hinzufügen lässt und keine exklusive Verkabelung benötigt. Studios und Firmenräume verfügen in der Regel bereits über ein Cat-5- oder Cat-6-Netzwerk, das in aller Regel dafür benutzt wird um eine Internetanbindung zu haben. Das Schöne an der Focusrite-Lösung ist, dass man sich bei dem RedNet-System Dank der Verwendung von Standard-IT-Hardware und Kabeln in seiner bisherigen Netzwerknutzung nicht einschränken und auch nicht neu investieren muss. Hierfür müssen keine teuren und schweren Multicorekabel verlegt werden, was das System natürlich auch für den Einsatz im Livekonzertbetrieb attraktiv macht. Und auch im Nutzungsverhalten muss in der Regel nichts verändert werden. Man kann nach wie vor surfen und mailen, ohne auf RedNet besonders Rücksicht nehmen zu müssen.

Man muss kein Handbuchstudium betreiben und kein Programmier-Experte sein, um komplexe Systeme aufzubauen. Focusrite ist es bei der Kombination der Softwaretreiber mit den RedNet-Interfaces hervorragend gelungen, dem Benutzer so wenig Arbeit wie möglich zu machen. Ohne spezielles RedNet-Wissen lässt sich ein mehrkanaliges Audionetzwerk aufbauen das mehrere Räume und Aktivitäten umfasst. Es handelt sich um Plug-and-Play-Technologie, die sich sozusagen selbständig erkennt und automatisch konfiguriert. Kanäle hinzufügen oder um Digitalschnittstellen erweitern? Kein großes Problem, man schließt einfach ein Ethernet-Kabel an ein anderes Interface an, fertig. Dantes Zero-Configuration-System sorgt dafür, dass nahezu jeder die Installation und Konfiguration vornehmen kann. Sofern das Netzwerk im DHCP-Modus arbeitet, läuft alles quasi wie von selbst. Sobald ein neues Gerät mit dem Netzwerk verbunden ist, sind dessen Ein- und Ausgänge sofort verfügbar. Man kann Geräte und dessen Anschlüsse frei benennen. Das System merkt sich diese Namen, sodass sie die Interfaces jederzeit trennen und wieder anschließen können und diese direkt wieder mit den vergebenenen Beschriftungen bereit stehen. Klar sind dem Ganzen irgendwo Grenzen gesetzt, aber zum Beispiel an einem Pro-Tools-HD-System können gleichzeit bis zu sechs RedNet-5-Interfaces verwendet werden. Jedes davon kann bis zu 32 Ein- und Ausgänge zwischen dem Dante-Netzwerk und Pro Tools routen, sodass sich eine Gesamtzahl von 192 Kanälen an Ein- und Ausgängen für das System ergibt. Damit kommt man doch schon mal ein Stück weit. 

Das rote Netzwerk erkennt die angeschlossenen Geräte übrigens sofort und übernimmt die Konfiguration. Focusrites RedNet-Komponenten sind vollständig kompatibel mit jedem anderen Dante-Audio-Netzwerk und den entsprechenden Komponenten, sodass man sich hier nicht auf die Focusrite-Produkte einschränken muss. Die Interfaces arbeiten also mit anderen Dante-basierten Produkten wie beispielsweise Digitalmischpulten von Yamaha, Allen&Heath und so weiter zusammen.

Das System ist sogar so flexibel, dass beispielsweise eine einzige Signalquelle auf mehreren Geräten verwendert werden kann. Oder viele Quellen aus unterschiedlichen Interfaces an einem System aufgenommen werden können. Wo man zu Analogzeiten an Patchbays Quellen multipliziert hat, genügt heutzutage ein entsprechendes Häkchen in der Controller-Software.

Dante schnurrt seit Jahren wie ein Kätzchen

Dante bewährt sich schon seit Jahren im Liveeinsatz unter härtesten Bedingungen und so kommt es nicht von ungefähr, dass es mittlerweile immer mehr Anbieter und Lösungen gibt, die sich Dante an Bord holen. Über ein einziges Ethernet-Kabel können hunderte Audiokanäle in höchster Auflösung bidirektional, mit kleinen Latenzen und ohne Ausfälle transportiert werden. Gerade in großen Installationen, komplexen Tonstudios oder bei einzigartigen Konzerten ist es besonders wichtig, dass man sich auf die verwendete Technik verlassen kann. So lange die Ethernet-Verbindung steht, ist die Funktionalität des RedNet-Geräteparks gewährleistet. Bei den 2015 erschienenen Geräten wurde in puncto Sicherheit noch eine Schippe draufgelegt, indem sie mit redundanten Netzwerk- und Strom-Anschlüssen ausgestattet wurden. Gerade im Broadcast-Bereich sind Havariesysteme besonders wichtig, da es immer mal zu einem Ausfall eines Routers oder einer Stromversorgung kommen kann und man anders als im Studiobetrieb nicht die Chance hat, einen neuen Take anzusetzen. Ebenso macht die Synchronisation über den Ethernetport RedNet grundsätzlich eine Spur sicherer als bei Lösungen mit einer separaten Wordclock-Verbindung. Anders als bei herkömmlichen Verkabelungen mit Digital-Audio-Schnittstellen, bei denen meistens auch eine gesonderte Synchronisation mit einer digitalen Clock stabil laufen musste, geschieht die gesammte Synchronisierung und der Datentransport im RedNet-Dante-Verbund über das Ethernetkabel. Das Ganze mit nahezu keiner Latenz und vollständiger Kompatibilität zu Pro Tools HD.

Die Hardware – PCI-Karte und Interfaces

Die Grundausstattung ist simpel: Man benötigt für den Rechner auf dem die DAW laufen soll eine RedNet-PCIe-Karte plus ein oder mehrere Hardware-Interfaces. Die PCI-Express-Steckkarte gibt es in einer günstigeren, einfachen Variante und in einer Netzwerk-redundanten Version die zwei Ethernet-Anschlüsse bietet. Die redundante Karte ist zirka 50 Prozent teurer als die einfache Karte und bietet tatsächlich nur zusätzliche Sicherheit für eventuelle Netzwerkausfälle. Von den Leistungsdaten her betrachtet liefern beide die gleiche Audio-Performance ab. Bis zu 128 Ein- und 128 Ausgänge mit 96 Kilohertz oder weniger. Bei Samplingraten über 96 und bis zu 192 Kilohertz wird wie bei ADAT-Schnittstellen gemuxt, sodass dann lediglich die Hälfte der Ein- und Ausgänge zur Verfügung stehen. Der eigentlich Clou, der Techniker, Aufnahme-Ingenieure und Tonmeister gleichermaßen Schnappatmung bescheren dürfte, ist die Tatsache, dass der Verbund dieser PCI-Karte zusammen mit den RedNet-Geräten eine Analog-zu-Analog-Roundtrip-Latenz von weniger als 3 Millisekunden aufweist. Und dies wohlgemerkt in einem herkömmlichen Ehternet-Netzwerk mit Cat-5-Verkabelung. Mit dedizierten MADI-Leitungen oder im autarken Digitalverbund mag dies vielleicht nicht besonders spektakulär sein, aber solche Latenzen gepaart mit hohen Kanalzahlen und hohen Auflösungen ohne Ausfälle in einem gemischt betriebenen Netzwerk zur Verfügung haben zu können, ist schon etwas besonderes. Falls nun jemand auf die Idee käme, dass 3 Millisekunden viel wären, dem sei gesagt, dass dies ungefähr einem Meter Abstand beispielsweise von der Abhöre bis zum Ohr entspricht. Damit kann man sehr gut arbeiten.

Die Interfaces

Die schiere Auswahl an Hardwareschnittstellen mit unterschiedlichen Bestückungen an Ein- und Ausgängen, analoger sowie digitaler Art, ist beeindruckend. Insgesamt 17 RedNet-Hardwareprodukte sind erhältlich, sodass sich für so gut wie jeden Bedarf das passende System zusammenstellen lassen dürfte. 

RedNet 1 bietet die Portierung von acht analogen Ein- und Ausgängen in die digitale Dante-Welt per D-Sub-25-Anschluss.

RedNet 2 verdoppelt dies und bietet je 16 Kanäle auf zwei D-Sub-25-Anschlüssen.

Mit RedNet 3 holt man sich ADAT, AES/EBU und S/P-DIF ins Netzwerk.

Im RedNet 4 stecken acht der aktuellsten, fernsteuerbaren Focusrite Mikrofon-Vorverstärker sowie eine D-Sub-25-Buchse, um zusätzlich acht Linekanäle einzubinden.

RedNet 5 verbindet das RedNet-System mit Pro Tools HD. Bis zu sechs Einheiten können an ein Pro-Tools-HDX-System angeschlossen werden. Es arbeitet mir Pro-Tools-Interfaces zusammen, sodass hierfür keine RedNet-PCIe-Karte erforderlich ist.

RedNet 6 ist die MADI-Bridge, die das Dante-basierte RedNet mit MADI-Komponenten verbindet. Sie bietet zudem asynchrone Sample-Raten-Wandler (ASRC) für jeden Ein- und Ausgang, sodass MADI- und RedNet-Systeme auch dann verbunden werden können, wenn diese mit unterschiedlichen Sampleraten arbeiten.

Mit RedNet D16 AES erweitert man das System um 16 Ein- und Ausgänge im AES/EBU-Format. Consumer-Equipment kann zudem über zwei S/PDIF-Ein- und -Ausgänge angeschlossen werden.

RedNet MP8R ist ein Acht-Kanal-Mikrofon-Vorverstärker. Die Vorverstärker sind fernbedienbar und bieten zwei Eingangsimpedanzen für mehr Flexibilität: 10 kOhm oder 2,4 kOhm. Über die vorhandenen acht Aux-Ausgänge mit automatischer, DSP-basierter Gain-Steuerung lassen sich zum Beispiel einfach digitale Splits realisieren. Ein Feature, das dieses Interface zusammen mit den redundanten Strom- und Ethernet-Anschlüssen für den Liveeinsatz prädestiniert.

RedNet D16R stellt bidirektional 16 AES/EBU-Kanäle fürs Dantenetzwerk zur Verfügung und ist ideal um eine Verbindung zu AES3-Digital-Mischpulten herzustellen. Zwei kombinierte 8-Kanal-AES59-I/Os mit DB25-Anschlüssen sowie ein Paar XLR3-Anschlüsse als Doppelung der Kanäle 1 & 2, ein S/PDIF-Ein- und -Ausgang sowie Wordclock-Anschlüsse wurden dem D16R spendiert.

RedNet HD32R ist der kompaktere, Redundanz-bietende Bruder des RedNet 5, der die vollständige Zusammenarbeit mit Pro Tools HD und HDX erlaubt.

RedNet D64R ist die kleinere Strom- und Ethernet-Redundanz bietende Variante des RedNet 6, mit der die Brücke zu MADI-Equipment geschlagen wird.

RedNet A16R kann als ein erweitertes RedNet 2 angesehen werden, denn es stellt grundsätzlich 16 analoge Ein- und Ausgänge über D-Sub-25-Buchsen zur Verfügung, wurde aber um zwei zusätzliche Kanäle in AES/EBU-Ausführung erweitert.

 

Rednet A8R ist der kleine Bruder des A16R und kann 8 Analoge Ein- und Ausgänge ins Dante-Netzwerk schleifen.

Das kleinste Gerät aus der RedNet-Serie ist das AM2. Es handelt sich dabei um eine Desktopvariante eines Kopfhörerverstärkers mit zusätzlichem Lineausgang. Es ist also prädestiniert als Kopfhörerausgang des RedNets oder als Abhörcontroller, der einen regel- und mutebaren Lineausgang per XLR liefert. 

 

Beim Rednet X2P handelt es sich um eine kompakte Analog-Input/Output-Box. Das kleine Gehäuse vereint zwei Mikrofoneingänge inklusive Red Evolution Mic-Preamps, zwei Line-Eingänge und zwei Line-Ausgänge die alle jeweils per Drehregler eingestellt werden können. Als Clou gibt es die Möglichkeit, einen latenzfreien Mix auf den Kopfhörerausgang zu legen. Mit Hilfe des Input-Mix-Reglers kann man hier stufenlos das Lautstärkeverhältnis zwischen Netzwerk-Audio und den lokalen Analog-Eingängen regeln.

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