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Test
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09.11.2015

Flowkey Test

Online-Portal und iOS-App zum Klavier spielen lernen

Virtueller Klavierlehrer für das iPad

Flowkey ist ein Berliner Unternehmen, das ein Online-Portal und neuerdings auch eine iOS-App zum Klavier spielen lernen anbietet. Mit Flowkey soll man am Computer oder Tablet Klavier lernen können, wobei man auf dem eigenen Klavier bzw. Digitalpiano spielt und von der App Feedback bekommt. Zu Grunde liegt die laut Flowkey an der Technischen Universität Berlin entwickelte sogenannte „Flowkey-Methode“, wodurch das Üben mehr Spaß machen und effektiver sein soll als bisherige Computer-gestützte Übungssysteme. Wir haben uns das einmal angesehen und ausprobiert.

Ich war offen gestanden lange der Meinung, dass jedes Computer-basierte System zum Klavier spielen lernen zum Scheitern verurteilt sein muss. Zu wichtig erschienen mir die persönliche Interaktion von Schüler/in und Lehrer/in und das Eingehen auf individuelle Stärken, Schwächen und Vorlieben, und ich hielt es für kaum vorstellbar, dass man mit einer Lern-App über das Klimpern einfacher Melodien hinauskommen könnte. Apps wie das ziemlich gruselige Piano Apprentice, das ich vor einigen Jahren testen durfte, halfen nicht gerade, meine Begeisterung für solche Lernsysteme zu wecken. Aber man soll ja immer offen sein für Neues – schauen wir uns das also mal im Detail an!

Details

Web-Anwendung oder iPad-App

Flowkey steht in zwei Varianten zur Verfügung: Neben einem Online-Portal mit Browser-basierter Web-Anwendung (app.flowkey.com) gibt es inzwischen auch eine iOS-App. Beide haben das gleiche Layout und sind bei der Bedienung weitestgehend identisch. Man kann beliebig zwischen den beiden Plattformen hin und her wechseln und auf die gespeicherten Songs und Fortschritte zugreifen. Für andere mobile Systeme wie Android gibt es bisher keine Apps.

Die Preisgestaltung folgt dem im Internet und insbesondere bei Apps gängigen Prinzip: Man kann zunächst kostenfrei loslegen und die ersten Songs ausprobieren. Wenn man dann Spaß an der Sache gefunden hat und Zugriff auf die gesamte, ständig wachsende Titeldatenbank haben möchte, muss man einen Premium-Account kaufen. Die Preise wirken auf den ersten Blick durchaus saftig: Das Abo mit monatlicher Abbuchung kostet 19,99 Euro pro Monat, bei vierteljährlicher Abbuchung sind es monatlich 12,99 Euro und wer sich ein Jahr bindet, zahlt immerhin noch 9,99 Euro pro Monat. Wer kein Abo abschließen möchte, hat auch die Möglichkeit, für einmalig 299,99 Euro das lebenslange Nutzungsrecht zu erwerben. Verglichen mit den Kleinbeträgen, die man sonst so aus den App-Stores dieser Welt gewohnt ist, erscheint das erstmal ziemlich steil. Gegenüber echtem Klavierunterricht wäre es aber ein sensationelles Schnäppchen! Wie dem auch sei: Die Preise deuten jedenfalls darauf hin, dass man sich vom App-Store-Grabbeltisch abheben und als hochwertig erscheinen möchte – und es hoffentlich auch ist.

Zur Zeit läuft übrigens eine Kooperation mit Yamaha: Wer im Zeitraum 1.10.2015 bis 31.3.2016 in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder den Benelux-Ländern ein Digitalpiano oder ein Keyboard von Yamaha kauft, erhält einen Gutscheincode für einen dreimonatigen Premium-Zugang gratis.

Die Flowkey-Methode

Namensgebend für Flowkey ist laut den Entwicklern der psychologische Begriff des „Flow“, der einen Zustand völliger Vertiefung und höchster Motivation beschreibt. Damit soll das Klavier Üben so viel Spaß machen, dass es einem „plötzlich besser als Fernsehen, Facebook oder Ähnliches“ gefällt. Solche Verheißungen finde ich zwar etwas gewagt, aber es stimmt natürlich: Wenn man von etwas so in den Bann gezogen wird, dass man gar nicht mehr aufhören mag, dann wird es auch einen Lernerfolg geben. Ob Flowkey dieses Versprechen einlösen und (als Computerprogramm, wohlgemerkt!) tatsächlich „Leidenschaft und Motivation“ wecken kann, werden wir natürlich noch in der Praxis ausprobieren.

Wie die Entwickler den Flow-Zustand auslösen wollen, wird auf der Seite mit einem schönen Mengendiagramm näher erläutert. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass dafür drei Bedingungen erfüllt sein müssten, und zwar: keine Unterbrechung, unmittelbare Rückmeldung und ein angemessener Schwierigkeitsgrad. In der Mitte des Diagramms treffen sich diese drei Bedingungen und – ich zitiere: „Dann entsteht Flow, und die Zeit scheint stillzustehen“.

Das klingt alles ganz prächtig und in Sachen Werbetext muss man den Machern der stylischen App unbedingt ein Kompliment aussprechen! Letztlich sind diese drei Faktoren aber natürlich Selbstverständlichkeiten und so etwas wie die Mindestanforderungen an guten Unterricht. Jede/r halbwegs begabte Lehrer/in wird instinktiv dafür sorgen, dass sie erfüllt sind, und sich dennoch – so einfach ist es dann nämlich doch nicht! – gelegentlich mit unmotivierten Schülern herumplagen müssen. Ein Geheimrezept hat Flowkey also nicht gefunden, und natürlich ist man auch nicht erst kürzlich an der Technischen Universität Berlin darauf gekommen, dass es gut ist, wenn die Herausforderung den Fähigkeiten angemessen ist. Ich halte diese Methode im Kern also für nichts wirklich Neues. Interessant wird es aber bei der Umsetzung. Wie gestaltet man ein Lernprogramm, das herausfordert, Anreize und Feedback gibt und sich stets an den persönlichen Fähigkeiten des „Schülers“ orientiert? Wie Flowkey diesen Anforderungen gerecht werden möchte, schauen wir uns am besten in der Praxis an.

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