Schrottpresse
Feature
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08.05.2020

Finden Festivals bald im Auto statt?

Not machte schon oft erfinderisch. Kein Wunder, dass nun zu Corona-Zeiten kreative Konzepte nur so aus dem Boden sprießen. Weil auch die Kinos von dem ausbleibenden Publikum betroffen sind, wurden in manchen Teilen des Landes nun wieder Autokinos ins Leben gerufen. Was man sonst nur aus alten Streifen, Erinnerungen oder Erzählungen kannte, erfährt ein Revival. Denn so können Hygiene-Maßnahmen leicht eingehalten werden, Veranstalter Filme zeigen und das Publikum Spaß in den tristen Corona-Alltag bekommen.

Was für große Leinwände funktioniert, könnte auch für Musik klappen – das dachten sich unter anderem bereits Alligatoah und Sido. Beide gaben Ende April Autokonzerte, welche nun online in der ARTE-Mediathek zu sehen ist. 

Wie fühlt sich so ein Konzert im Auto an? Mit der Windschutzscheibe vor der Nase auf dem Autositz zu Schunkeln anstatt unter freiem Himmel mit unzähligen anderen Menschen zu tanzen mag Leute unterschiedlich reizen oder abschrecken. Dennoch: dies ist momentan der einzige Weg, Live-Musik zu rezipieren. Ebenso ungewohnt muss sich das Spektakel für die Künstlerin oder den Künstler anfühlen. Statt dem Blick in zahlreiche glückliche Gesichter sind da nur ein Haufen Autoscheinwerfer, statt jubelnden Armen fröhlich blinkende Lichter. 

Matthias Mettmann von der Stuttgarter Veranstaltungsagentur Chimperator Live, so berichtet der Spiegel, erzählt von den Vorhaben, ein ganzes Auto-Festival auf die Beine zu stellen. Das Konzept dafür läge den Behörden vor und müsse noch genehmigt werden. Auf dem Gelände der Cannstatter Wasen sollen von Mitte Mai bis Ende August Konzerte im Autokino-Stil stattfinden. „Es gehe darum, so Mettmann, eine Struktur zu schaffen, die dann von verschiedenen Veranstaltern bespielt werden könne,“ schreibt der Spiegel, „im Mittelpunkt stünden Musik und Film, aber auch Vorträge, Theaterstücke oder Gottesdienste seien denkbar.“ Abseits des Spaßes und der Abwechslung, die solche Veranstaltungen für das Publikum mit sich bringen, sollen sie natürlich auch der Branche selbst helfen. Zumindest in begrenzten Umfang würden so unter anderem Jobs für Bühnenarbeiter und -arbeiterinnen sowie Techniker und Technikerinnen geschaffen. 

Wahrscheinlich wäre auch dies nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, könnte jedoch gleichzeitig auch anderen Veranstalterinnen und Veranstaltern als Vorbild dienen. Denn auch wenn viele Konzerte und Festivals vorerst nur auf den Herbst verschoben wurden, kann niemand mit Sicherheit deren Durchführung voraussagen. Aber weil der Weg zurück in den Alltag noch lange sein wird, sind Auto-Konzerte wenigstens kleine Lichtblicke in schwieriger Zeit. 

Großevents werden, laut Zeke Emanuel, wohl noch länger nicht stattfinden. Der Wissenschaftler  rechnet mit einer Wiederaufnahme erst im Herbst 2021. 

Facebook führt, für alle Streaming-Zuschauer, bezahlbare Tickets für Live-Streams ein und bietet so Musikschaffenden die Möglichkeit, auch für digitale Konzerte bezahlt zu werden. 

Wer selbst aus dem Wohnzimmer streamen möchte, sollte sich die besten Tipps zur richtigen Beleuchtung nicht entgehen lassen. 

Wer hätte gedacht, dass wir mal den unbeirrbaren Mosher oder Freizeittenor vermissen würden? Welcher der typischen Rockkonzertbesucher fehlt dir am meisten? 

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