Gitarre
Test
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27.08.2012

PRAXIS

Siggi Braun hat die Gitarre perfekt eingestellt. Die Bespielbarkeit ist optimal, da schnarrt nichts und die Rotosound 10er Drähte schwingen völlig ungehindert aus. Schon unverstärkt zeigt sie, was in ihr steckt. Akkorde werden klar definiert und sehr direkt dargestellt. Das Klangbild ist recht twangig und spritzig, eher untypisch für Paulas. Das macht neugierig. Für die folgenden Beispiele kommt ausschließlich ein altes TSL 100 Marshall Top mit passender 2x12“ Box mit Celestion G75er Speakern zum Einsatz, abgenommen wird sie mit einem Shure SM57 und mit einem Neve 8801Preamp, als Wandler dienen Avid HD I/Os.

Los geht‘s clean und ich schalte alle drei Positionen der Reihe nach durch, beginnend mit dem Hals-PU.

Alle drei Positionen zeigen sich mit einem eigenen Charakter. Der Hals PU tönt süßlich-warm, in der Mitte wird es etwas drahtiger und der Steghumbucker drückt angenehm mittig und zeigt, dass er durchaus auch für cleane Spielweisen zu gebrauchen ist. Die Gitarre setzt jeden Ton sehr direkt und raumfüllend um, sehr gut!

Im nächsten Beispiel kommt die Mittelposition zum Einsatz.

Hier zeigt sich die Luftigkeit der Zwischenposition. Die besitzt genau die richtige Balance zwischen fett und twang, sodass sich auch sehr gut Strummings realisieren lassen, die sich der Musik unterordnen und automatisch ihren (Frequenz-) Platz finden.

Wer gedacht hat, dass Paulas nicht funken können, irrt gewaltig!

Ich habe nichts an der Einstellung des Amps und der Gitarre verändert, lediglich die Anschlagsstärke macht hier den Sound.

Wieder schalte ich alle Positionen durch, jetzt allerdings angezerrt.

Was sich clean angedeutet hat, bewahrheitet sich spätestens jetzt. Die Pickups harmonieren wunderbar mit dem Holz. Ausgewogen ist wahrscheinlich der treffendste Begriff, wenn es um eine Beschreibung des Sounds geht. Bei dieser Les Paul ist das Mittenbild nicht so tief angelegt wie bei den meisten Mahagonigitarren, insbesondere Les Pauls. Dadurch wird das Klangbild luftiger und klingt nach einer gut eingespielten, alten Gitarre.

Als Nächstes folgen zwei Riffs mit unterschiedlichen Tempi. In beiden Fällen habe ich den Steghumbucker verwendet.

Dass die Gitarre rocken kann, war mir in dem Moment klar, als ich sie trocken angespielt habe. Jeder Anschlag wird mit einem fetten Schmatzen quittiert und behält trotz des deftigen Zerrgrades immer noch genügend Durchsichtigkeit.

Ob sie auch böse kann, wird sich im nächsten Beispiel zeigen.

Ich habe die Mitten am Amp ein wenig herausgedreht und den Zerrgrad erhöht. Die Pickups kommen eher dem beinharten Rocker als dem Metaller entgegen. Klar, mit etwas Klangverbiegerei geht alles, aber irgendwie fühlt sie sich nicht wirklich wohl. Also schnell die Mitten für ein kleines Solo wieder rein.

Ja, das ist ihre Welt. Lange Töne, hier und da ein schnelles Lick, aber ansonsten Ton pur. Das macht Spaß!

Ich habe die FGN mit ein paar wirklich guten Les Pauls verglichen und muss feststellen, dass sie einfach ausgewogener klingt. Natürlich wird die sehr gut gewählte Hardware und auch hervorragende Einstellung ihren Teil dazu beitragen, aber die Basis, also das Holz, die Bünde und alles, was sonst bei einer Gitarre direkt zum guten Ton beiträgt, muss von bester Qualität und optimal verarbeitet sein, sonst gelingt eine Gitarre nicht so großartig wie unsere Testkandidatin.

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