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Test
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27.01.2014

Faderfox DJ-44 Test

DJ-MIDI-Controller

DJ-Controller mit Labortechnik-Charme

Mathias Fuchß, der umtriebige Erfinder von universellen, zumeist recht handlichen MIDI-Controllern, hat sich eine neue Geräte-Serie ausgedacht, die auf den Namen „Solid Control“ hört. Der erste Spross dieser neuen Controller-Generation nennt sich DJ-44 und empfiehlt sich als robuste, ultraportable Steuerzentrale für jede DJ-Software, die zur Entgegennahme (und Rückgabe) von MIDI-Kommandos befähigt ist – vornehmlich NI Traktor und Ableton Live. Auf fast genau der Stellfläche einer DIN-A4-Seite verspricht der praktischerweise direkt in ein Case integrierte Controller, alle haptischen Möglichkeiten zur Befehligung von vier Decks bereitzustellen.

Details

Traditionell läutet man einen Test von Controller-Hardware aus der Manufaktur von Faderfox gerne mit der Anekdote ein, dass die Ursprünge des Ein-Mann-Unternehmens darin liegen, dass Mathias Fuchß irgendwann zur Jahrtausendwende, unzufrieden mit dem, was der Markt ihm an Controller-Lösungen zu bieten hatte, gemeinsam mit seinem Vater das erste Mikromodul in Heimarbeit zusammenlötete. Daraus entstand eine komplette Serie hübscher, pultförmiger Steuerbefehlsgeber, die am Markt so viel Anklang fanden, dass sich die Herren Fuchß vor Aufträgen gar nicht mehr retten konnten und deshalb die Firma Faderfox gründeten, um fortan die Musik- und DJ-Welt mit ihren Controllern, die mittlerweile in der dritten Generation angekommen sind, zu versorgen. Das Bemerkenswerte dabei ist weniger der Umstand, dass es offenbar auch als Kleinstunternehmen möglich ist, Produkte zu entwickeln, die es zu internationaler Bekanntheit bringen, sondern mehr, wie dankbar der Markt auf innovative Konzepte und Ideen reagiert. Das umso mehr in Anbetracht der Tatsache, dass man sich im Hause Faderfox in jüngerer Zeit neben den Modullösungen verstärkt in Richtung All-In-One-Controller bewegt, wie beispielsweise der 4MIDILoop oder der 4TrackTrigger beweisen. Nun also bringen Faderfox mit dem DJ44 eine ultraportable Steuer- und Regeloberfläche, die zudem noch in ein formschönes Alluminiumköfferchen integriert ist – was vor allem für vielreisende Musikdienstleister interessant sein dürfte, da sich seine Abmessungen als extrem Handgepäck-freundlich erweisen.

Konzept

Der Faderfox DJ44 ist ein klassenkompatibler Plug&Play-fähiger DJ-Controller, der sich via USB gleichermaßen mit PC- und Mac-Rechnern verbinden lässt. Er verfügt jedoch nicht über eine integrierte Soundkarte, weshalb man zum Vorhören einen externen Wandler einplanen muss. Um das transportfreundliche Konzept nicht zu korrumpieren, sollte es natürlich ein ebenfalls möglichst handlicher Vertreter sein. Der Markt bietet in dieser Hinsicht angenehmerweise mehr als genug gute und preisgünstige Lösungen – allerdings sollte man entsprechend auf einen integrierten, stromstarken Kopfhörerausgang achten.

Zurück zum DJ44: Sein Layout bildet im Kern die Funktionen und Bedienelemente eines typischen zwei bis vier Deck DJ-Controllers ab. Neben den Standards Kanalpegel, Transport und Cue-/Monitoring, verfügt er zusätzlich über Multifunktionstaster für Hotcues/Samples und Bedienelemente zur Effektsteuerung. Eine Besonderheit ist neben der Tatsache, dass er sein Case quasi schon selber mitbringt, die Abwesenheit von Jogwheels. Das ist fraglos Geschmackssache und könnte für manche DJs ein K.O.-Kriterium sein. Ich persönlich komme damit ausgesprochen gut klar. Auch und besonders, da der bei den Kurbelrädchen eingesparte Platz den verbleibenden Bedienelementen zur Verfügung steht und dementsprechend ein so schlankes System wie den DJ44 erst ermöglicht.

Auspacken

Unser Vorserien-Muster kommt ordentlich gepolstert in einem nicht weiter auffälligen Karton in unser Teststudio. Überhaupt ist zu erwarten, dass der DJ44 aufgrund seines Systemaufbaus als bereits ins Case integrierte Lösung samt Deckel und seines geringen Gewichts von 1,6 Kilo auch erschwerte Transportbedingungen anstandslos hinnimmt. Mit in die Verpackung legt der Hersteller eine CD mit Anleitungen, Mappings (Traktor), Scripts (Ableton Live) und Dokumentationen für alle Faderfox-Geräte (darunter auch der DJ44). Ferner eine gedruckte Schnellanleitung, ein abgewinkeltes USB-Kabel und einen Aufkleber mit einer Mapping-Legende für Ableton Live. Der Aufkleber mit Erklärungen zu Traktor ist bereits in der Innenseite des Deckels angebracht. 

Äußerlichkeiten

Der Erstkontakt hinterlässt einen höchst vertrauenerweckenden Eindruck in Bezug auf den mechanischen Aufbau. Dieser wird insbesondere durch die schwarzen Kunststoffkanten im Boden und Deckel sowie die profilierten, genieteten Aluminiumschienen des Gehäuses und den verbindlich einrastenden Kunststoffverschluss an der Vorderseite positiv unterstützt. Und auch das Öffnen des matt-silbern schimmernden Aluminium-Cases mit seinen kompakten Abmessungen von 290 Millimetern in der Breite, 220 in der Tiefe und einer Höhe von 55 Millimetern versetzt mich in erwartungsfrohe Neugier. Denn das zutage tretende Innenleben versprüht einen höchst seriösen, nüchternen optischen Charme, der irgendwo zwischen Labormessinstrument und Rundfunktechnik angesiedelt ist, wobei die Taster bei mir zusätzlich die Erinnerung an 80er Jahre Studioequipment wachrufen. Mein persönliches Geschmacksempfinden, welches ich im minimal-funktionalen Bereich mit einem Hang zum Industriedesign ansiedeln würde, trifft der DJ44 in jedem Fall voll. Wer dagegen spacig-verspieltes DJ-Werkzeug präferiert, dem dürfte die Gestaltung weniger Freude bereiten. Auch den dezenten Farbcode halte ich für außerordentlich gelungen, zumal sich die schwarze Beschriftung auf metallischem Grund hervorragend ablesen lässt.

Eine schnelle Dreh-, Schieb- und Tast-Runde liefert in allen Bereich ein tadelloses Bild. Sämtliche Bauteile sitzen ordentlich verankert an ihren Positionen und reagieren ohne Murren und mit präzisen Wegen auf Betätigung. Eine Ausnahme macht hier allerdings der Crossfader, denn er leistet ungefähr den gleichen Widerstand wie die Linefader, was bei denen Prinzip-bedingt völlig in Ordnung geht, im Fall des Crossfaders aber ein Tick zu viel Trägheit ist. Auf Nachfrage gibt Mathias Fuchß zu Protokoll, dass die Fader mit der Zeit erfahrungsgemäß unvermeidlich leichtgängiger werden. Da wir im kurzen Testzeitraum natürlich nicht die Möglichkeit hatten, die Fader-Bahn entsprechend oft zu durchpflügen, lassen wir diese Aussage an dieser Stelle so stehen. Dennoch muss ich attestieren, dass sich der Crossfader im Auslieferungszustand eher für langsame Überblendungen, nicht aber für flinkfingerige Cuts eignet.

Wenden wir uns nun dem Layout des DJ44 zu. Er ist – optisch durch Linien angedeutet – in vier Sektionen gegliedert und zwar Effekte, Mischer, Taster (Transport/Trigger) und Monitoring/Datei-Navigation. Im Hohen Norden sind zwei Areale mit jeweils vier Potis und vier Tastern bestückt, die primär der Effektsteuerung dienen. Das Zentrum des DJ44 wird vom Mischer okkupiert, der auf jeder seiner beider Flanken unter anderem einen Dreiband-EQ (plus Kill-Taster), ein Loop-Längen-Display samt Rotary-Encoder, einen Linefader, einen Filter-Regler sowie ein Pitch-Potenziometer und einen Sync-Taster beherbergt. Im Zentrum dienen zwei Taster zur Auswahl des zu steuernden Decks (A/C, B/D). Darunter folgen die beiden Linefader, die von zwei achtsegmentigen LED-Ketten zur Pegelanzeige flankiert werden. Ein Stockwerk tiefer sind zwanzig Taster (teilweise mit integrierter LED) positioniert, deren Möglichkeit zur Einflussnahme durch einen Shift-Taster noch mal verdoppelt wird. In die obere rechte Ecke schmiegt sich formschön, im Winkel von 22,5° Grad positioniert, die USB-Buchse (1.0 oder höher). Darunter folgen Potenziometer für die Kopfhörer- und Saalmischung (Main, Mix, Monitor), zwei Rotary-Encoder zur Dateinavigation und zwei Taster zum Laden von Stücken in die Decks.

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