Test
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27.12.2019

Evans UV2 Tom- und Snarefelle Test

Drumset Felle

Strahlend weiß und unzerstörbar?

Nachdem wir vor einiger Zeit die Evans UV1 Felle getestet haben, sind heute die nagelneuen UV2 Tom- und Snarefelle an der Reihe. Die Ziffer 2 im Produktnamen lässt es bereits vermuten, hier handelt es sich um doppellagige Versionen der UV1. Aber auch mit den Buchstaben hat es eine besondere Bewandtnis, denn Evans setzt für die weiße Beschichtung nach eigenen Angaben tatsächlich UV-Licht ein. 

Das Entwicklungsziel der UV2 lautet offenbar, extrem haltbare, klanglich kontrollierte Felle anzubieten, denen man auch nach vielen Spielstunden die kräftige trommlerische Bearbeitung kaum ansieht. In eigenen Belastungstests hat Evans eine annähernd doppelte Haltbarkeit der UV-Folien im Vergleich zu den hauseigenen G1 und G2 Serien festgestellt. Das wäre ja fast zu schön, um wahr zu sein, besonders dann, wenn die Teile auch noch gut klingen. Ob die Testobjekte die hohen Erwartungen erfüllen können, lest ihr auf den folgenden Zeilen. 

Details & Praxis

Die weiße Beschichtung ist kreisförmig aufgedruckt

Drei Pappschachteln mit Fellen liegen vor mir, zwei davon beinhalten jeweils ein UV2 Tomfell und ein einlagiges UV1 Universalfell zum Vergleich. Die dritte ist deutlich größer und als „UV2 Rock Pack“ ausgewiesen. Darin finde ich drei UV2 Tomfelle der Größen 10, 12 und 16 Zoll. Eine ausführliche Beschreibung der UV1 Felle findet ihr übrigens hier. Das Konzept der UV2 ist grundsätzlich nichts Neues. Zwei klare, sieben mil dünne Kunststofffolien werden zu einem doppellagigen Fell zusammengefügt und in Aluminiumrahmen verklebt (zum Vergleich: Die UV1 sind einlagig und aus einer zehn mil starken Folie hergestellt). Im Gegensatz zu den Klassikern G2 kommt hier jedoch ein zäherer Plastikfilm zum Einsatz, der die Haltbarkeit erheblich erhöhen soll. Ein weiterer Clou ist die spezielle, aufgedruckte und per UV-Licht gehärtete Beschichtung. Diese lässt den Gratungsbereich frei, an den Rändern bleiben die Felle also transparent. Beim Darüberfassen wirkt das Coating weniger spröde und glatter als bei vielen Konkurrenzprodukten, laut Evans soll es auch bei kräftiger Beanspruchung langfristig haltbar sein und nicht zum Abblättern neigen. Bei näherer Inspektion fällt noch ein weiteres, sehr unscheinbares Detail auf: Die untere Folie besitzt in Randnähe ein winziges Loch. Ich vermute, dass es zur Vermeidung von Lufteinschlüssen zwischen beiden Lagen dient. Insgesamt sind die Felle sehr gut verarbeitet. 

Auf den Toms: Weniger Obertöne, aber nicht zu tot

Um den Evans UV2 Fellen standesgemäß auf den Zahn fühlen zu können, baue ich mein schönes Yamaha Recording Drumset der ersten Generation auf. 22X14, 10x8, 12x8 und 16x16 sind die benötigten Größen, als Snaredrum kommt eine edle DW Craviotto 14x5,5 mit solidem Kirschholzkessel zum Einsatz. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ein bisschen skeptisch war ich vor dem Test schon, denn Felle, deren Einsatzgebiet mit Rock und Metal beschrieben wird, haben oft die Eigenschaft, zwar haltbar, aber klanglich eher dumpf zu sein. Dagegen ist nichts zu sagen, allerdings mangelt es dieser Spezies meist an Vielseitigkeit. Umso erstaunter war ich nach den ersten Schlägen auf die Toms. Ja, die UV2 sind kontrolliert, lassen aber einen großen Teil der klanglichen Eigenschaften meines geliebten Birkenkesselsets bestehen. Auffällig ist aber auch, dass die Felle durchaus kräftiger bearbeitet werden möchten, um dieses offene Verhalten zu zeigen. Dadurch entsteht das subjektive Empfinden, dass sie später komprimieren als andere doppellagige Felle. In mittleren Lagen fühle ich mich sehr gut aufgehoben, jetzt frage ich mich, was darüber so passiert. 

Interessanterweise geben die UV2 bei höheren Stimmungen nicht nur noch ein mattes „Plopp“ von sich, sondern wirken lebendig und – verhältnismäßig – offen. Das bedeutet nicht, dass sie klingen wie beispielsweise ein Remo Ambassador, aber sie gehen gerade bei sehr lauter Spielweise in diese Richtung. Dreht man die Stimmschrauben in tiefe Tuning-Gefilde, gibt es den fetten, kontrollierten Ton, den viele Backbeat-Drummer so mögen. Dazu gehört ein ordentlicher, nicht zu aggressiver Attacksound, gefolgt von einer wohligen „Bassblase“. Mein 16er Floortom klingt damit wirklich grandios. 

Auf der Snare: UV1 vs. UV2

Das Bild, welches die UV2 auf den Toms zeichnen, bestätigt sich auch auf der Snaredrum. Dazu muss ich schreiben, dass die Craviotto Cherry Trommel lebendige, sehr präsente Obertöne zu erzeugen vermag. Diese bleiben zu einem Großteil erhalten, wobei der Unterschied zum UV1 erstaunlich gering ausfällt (den Vergleich könnt ihr euch im Video anhören). Wie auch das einlagige Geschwisterfell, erzeugt das UV2 einen wirklich lebhaften Ton, dem man die insgesamt 14 mil Gesamtdicke nicht unbedingt anhört. Das dürfte an der zäheren Plastikrezeptur liegen, die weniger Energie aufnimmt als es bei den bekannten G-Fellen von Evans der Fall ist. Wer an Remo-Felle gewöhnt ist, wird den etwas stärkeren Eigenklang der UV-Versionen bemerken, welcher sich auch bei tiefen Stimmungen noch in den Gesamtklang mischt. Zunächst bin ich davon etwas irritiert, nach einer kurzen Eingewöhnungsphase gefällt mir das aber ganz gut, weil es eine neue Klangfarbe ergibt. Besonders die Symbiose mit meiner 14x4 Tempest Glockenbronze Snare liefert tolle Sounds. Müsste ich mit wenigen Worten beschreiben, wie die UV2 Felle klingen, würde ich es mit einer Mischung aus einlagigen Aquarians und doppellagigen Remo Emperors versuchen. Das trifft es allerdings nur sehr grob. 

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