Test
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22.07.2019

Praxis

Eine Yamaha 9000 Bassdrum dient als Referenztrommel 

Um herauszufinden, welche klanglichen Kapazitäten in den Fellen stecken, habe ich meine alte Yamaha Recording Standard Bassdrum in den Maßen 22x14 Zoll aus dem Regal geholt. Anders als spätere Versionen, wurden diese Trommeln mit dünnen Kesseln und leicht verrundeter Gratung gebaut. Diese Birken-Bassdrum klingt sehr druckvoll und rund und erschien mir optimal geeignet, die Unterschiede der Testkandidaten heraus zu arbeiten. Zunächst müssen sich alle drei Felle als Schlagfelle beweisen. Als Resonanzfell kommt in dieser Disziplin ein mitteltief gestimmtes Remo Ambassador coated mit fünf Zoll großem Luftloch zum Einsatz. Dieses Fell ist mit einem kleinen, zusammen gerollten Handtuch minimal bedämpft. Die Schlagfelle sind davon nicht berührt. In der ersten Hälfte der Files lasse ich den Beater im Fell, in der zweiten nehme ich ihn nach dem Anschlag weg. Los geht’s!

Die UVs als Schlagfelle 

Alle drei Felle passen perfekt auf die Gratung des Recording-Bassdrum, wodurch auch das Tuning schnell von der Hand geht. Natürlich ist es nicht ganz einfach, ein stark vorgedämpftes Bassdrum-Fell auf einen klaren Ton zu stimmen, ich habe jedoch mein Bestes gegeben. Für fast alle Soundfiles wähle ich eine mittlere Stimmung aller Felle, um eine gute Vergleichbarkeit zu erhalten. Nur das EMAD habe ich in den letzten beiden Files kurz über „Flattern“ gestimmt. Die Soundfiles passen paarweise zusammen, im ersten hört ihr die Gesamtmikrofonierung mit den Overheads und Close-Mics, im zweiten hört ihr nur das innere Kickdrum-Mic, ein Subkick sowie ein Kondensatormikro, welches in einigem Abstand vor der Bassdrum aufgebaut ist. Die Kombination bildet den Eindruck relativ gut ab, Perfektion ist hier allerdings nicht möglich. Insgesamt fällt mir der insgesamt sehr warme und runde Grund-Sound der UV-beschichteten Folien auf. Wir beginnen mit dem UV1, welches erwartungsgemäß einen sehr offenen, schmatzigen Ton erzeugt, der trotzdem nicht zu unkontrolliert ist. Wer Keith Carlocks Bassdrumsound mag oder auf den offenen Ton von John Bonham steht, bekommt hier einen sehr schönen Startpunkt. Ein tolles Fell. 

Die vorgedämpften EQ4 und EMAD klingen geschlossener

Weiter geht es mit dem EQ4, welches mit dem fest installierten Dämpfring einen wesentlich kontrollierten, aber eben nicht toten Sound liefert. Dieses Fell klingt etwas weicher als ein Remo PS3 und etwas wärmer als beispielsweise ein Aquarian Force I oder auch Superkick I. Wer einfach ein vielseitig einsetzbares, druckvolles und kontrolliertes „Plug and Play“-Bassdrum-Fell haben möchte, welches sich in praktisch allen Musikrichtungen wohlfühlt, ist mit diesem Teil gut beraten. Natürlich geht das EMAD klanglich in eine ähnliche Richtung, bietet jedoch durch die variable Dämpfung mehr Klangoptionen. Ohne installierte Schaumstoffringe bietet es etwas mehr „Schmatz“ und Obertöne als das EQ4, auf der anderen Seite des klanglichen Spektrums liegt die Option mit dem breiten Ring in sehr tiefer Stimmung. Damit verschiebt sich der Fokus eindeutig in Richtung Attack, während der runde, bassige Grundton erhalten bleibt. In punkto Sustain bietet das EMAD die meisten Eingriffsmöglichkeiten.

Das UV1 als Resofell, EQ4 und EMAD als Schlagfelle 

Wenn man zwei vorgedämpfte und ein ungedämpftes Bassdrum-Fell zur Verfügung hat, liegt es natürlich nahe, diese miteinander zu kombinieren. Also wandert das UV1 nun an die Vorderseite der Bassdrum. Im Gegensatz zu den anderen Soundfiles mit dem ventilierten Remo Resonanzfell, kommt nun keinerlei zusätzliche Dämpfung zum Einsatz, die Bassdrum ist also innen leer. Beide Kombis liegen wieder in mittleren Stimmlagen, gespielt habe ich die Beispiele mit zurück genommenem Beater, um das Sustain nicht abzuwürgen. Auch hier gefällt mir sehr gut, dass das UV1 als Reso zwar schön atmet, aber gleichzeitig nicht allzu wild wird, was die Obertöne angeht. Schön ist auch, dass die Charakteristik der beiden Schlagfelle gut hörbar bleibt, das EMAD ist in diesem Beispiel mit dem schmalen Dämpfring versehen. 

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