Eurorack-Module
Test
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23.10.2018

Erica Synths Techno System Test

Komplettes Eurorack-System als Über-Drum-Maschine

Hybride Drum-Maschine im Eurorackformat, die deutlich mehr kann als nur Techno

Endlich da: Das sehnlichst erwartete Techno System von Erica Synths! Dabei handelt es sich um ein Eurorack-Komplettsystem bestehend aus 16 Modulen des lettischen Herstellers, mit einer praxisgerechten Auswahl an digitalen sowie analogen Modulen. Äußerlich in schickem Schwarz, ist dieses System für Live-Performances und den Einsatz im Studio gedacht, wobei der Einsatzschwerpunkt primär auf Beat-lastigen Musikrichtungen liegt. 

Im Grunde haben wir es hier noch mit 15 anstatt 16 Modulen zu tun, da das digitale Sample Modul  ‚SAMPLE DRUM‘ leider nicht enthalten ist. Das Modul ist nicht rechtzeitig fertig geworden und soll voraussichtlich erst in den nächsten Monaten verfügbar sein. Dafür wird das Techno System etwas preiswerter angeboten und das Sample Drum-Modul lässt sich später separat dazukaufen.

Also los, schauen und hören wir uns doch einmal an, was es mit dem vielversprechenden Techno System auf sich hat.

Details

Allgemeines

Das Techno System besteht aus den Modulen Sample Drum, Bassline, Bass Drum, Snare, Toms, Clap, Hi-Hats D, Cymbals, Modulator, Link, Dual FX, Dual Drive, Drum Sequencer und gleich drei verschiedenen Mischern in Form von Stereo Mixer, Mixer und Mixer Lite. Das Ganze wird in einem hochwertigem Case aus Metall samt Stromversorgung und Deckel ausgeliefert.

Das Sample Drum-Modul ist also leider noch nicht enthalten. Der Drum Sequencer wurde seit unserem Test durch mehrere Firmware Updates verbessert und glänzt im Techno System mit schwarzen anstatt weißer Tasten. Des Weiteren sind die ersten zwölf Trigger- und Accent-Ausgänge auf die Trigger-Eingänge der Drum-Module normalisiert. Das bedeutet, dass man keine Kabel stecken muss um die Drum-Module mit dem Sequenzer anzusteuern. Steckt man dennoch ein Kabel in einen Trigger-Eingang, so wird diese Verbindung unterbrochen und das entsprechende Drum-Modul hört jetzt auf die externen Trigger. Das ist wirklich vorbildlich! Alle Eurorackmodule sollten hinten kleine Steckverbindungen haben um diese mit anderen Modulen normalisieren zu können. Denn manche Verbindungen stecken einfach immer, egal welche Patches man baut. Sei es von Sequenzern zu Hüllkurven oder Drum-Modulen, oder von Mischern zu Output-Modulen. Dabei geht auch nichts verloren, da diese Verbindungen ja automatisch unterbrochen werden, sobald man dann doch mal etwas Anderes patchen möchte. Nicht nur, dass der Sequenzer auf die Drum Module normalisiert ist, erscheinen bei den ersten 12 der 16 Kanäle Abkürzungen der entsprechenden Module, anstatt Ziffern, auf dem Display des Sequenzers. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit sich nur die entsprechenden Ziffern der jeweiligen Kanäle, anstatt der Abkürzungen für die Module anzeigen zu lassen.

Bass Drum, Snare Drum, Clap, Toms, Bassline, Dual Drive und den Drum Mixer haben wir uns bereits beim Erica Synths Drum Rack Test angeschaut. Kommen wir nun zu den restlichen neuen Modulen des Techno Systems.

HI-HATS D

Anders als bei den anderen neuen Erica Modulen der Drum Series, sind die Hi-Hats Sample-basiert, durchlaufen jedoch jeweils einen analogen VCA und auch die Hüllkurven wurden durch analoge Schaltungen verwirklicht. Dieses hybride Hi-Hat Modul kommt in 10TE Breite und bietet Closed sowie Open Hi-Hats an. So gibt es auch zwei Trigger-Eingänge für die beiden verschiedenen Hi-Hats, wobei es jedoch nur einen Accent Eingang gibt, der sich auf beide Hi-Hats gleichzeitig auswirkt. Mit zwei kleinen Drucktastern lassen sich beide Hi-Hats auch manuell auslösen, wobei zwei kleine LEDs anzeigen, sobald die jeweilige Hi-Hat erklingt.

Beide Hi-Hats werden intern gemischt und an einer gemeinsamen Buchse ausgegeben. Per Steuerspannung kann man die Decay-Zeiten der beiden Hi-Hats automatisieren, die aber beide über einen gemeinsamen CV Eingang für die beiden Decays der zwei Hi-Hat Arten verfügen. Für diesen Zweck steht ein Poti zur Verfügung, das als Abschwächer für die eingehenden CVs dient. Mit zwei weiteren Potis kann man dann aber das Decay der jeweiligen Hi-Hat getrennt manuell einstellen. Ein weiteres Poti dient zur gemeinsamen manuellen Einstellung der beiden Tonhöhen und auch hier arbeitet ein weiteres Abschwächer-Poti, das für eingehende Steuerspannungen zur Steuerung der beiden Tonhöhen verantwortlich ist.

Das Letzte der sechs Potis kontrolliert die exponentielle oder lineare Arbeitsweise der beiden VCAs. Hier kann man vorbildlich zwischen diesen beiden Betriebsarten stufenlos überblenden und erhält somit gezielt Kontrolle über deren Abklingverhalten. Zum Schluss hat es noch einen kleinen Kippschalter, der bei Aktivierung einen bestimmten Teil des Open Hi-Hats Samples in einen Loop-Modus versetzt, sodass so eine Art Delay-Effekt entsteht, solange die Decay Zeit anhält. Die hybride Herangehensweise klingt sehr gut und durch die sehr kurzen Latenzen und analogen VCAs sowie Hüllkurven, merkt man gar nicht, dass man es hier mit einem digitalen Klangerzeuger zu tun hat.

CYMBALS

Auch die Cymbals sind 10TE breit und wurden hybrid aufgebaut. Genau wie bei den Hi-Hats, durchlaufen die Cymbals analoge VCAs, die jeweils per analoger Hüllkurve gesteuert werden. Auch hier gibt es zwei verschiedene Arten, welche hier als Crash und Ride bezeichnet werden. Anders als bei den Hi-Hats, kann man hier per Poti zwischen zehn verschiedenen Samples für Crash und Rides wählen, die vom Produzenten Nero Bellum speziell für dieses Modul entwickelt wurden. Auch hier klingen alle Samples hochwertig und bieten eine schöne Auswahl an stimmigen Sounds. Dafür ersetzt das Poti zur Sample Auswahl das zweite Tune-Poti, sodass man beide Cymbals nur gemeinsam in der Tonhöhe manuell stimmen.

Für diesen Zweck arbeitet auch ein gemeinsamer CV-Eingang für die Tonhöhe der beiden Cymbals, wobei auch hier das Abschwächer-Poti nicht fehlen darf. Die beiden Decays können getrennt per Poti, sowie per Steuerspannungen gesteuert werden. Trotz der beiden CV-Eingänge für Decay gibt es nur ein Abschwächer-Poti, das beide CV-Eingangsbuchsen gleichzeitig bedient. Genau wie bei den Hi-Hats hat es auch hier zwei Trigger-Eingänge, aber nur eine Accent-Eingangsbuchse, die sich gleichzeitig auf Crash und Ride auswirkt. Genauso dienen zwei Mini-Drucktaster zur manuellen Auslösung von Crash und Ride plus zwei kleine LEDs, die anzeigen, wann Crash oder Ride ertönen.

Auch hier wird per Kippschalter ein Loop-Modus aktiviert, wobei es hier zwei von dieser Sorte gibt, womit sich Crash und Ride getrennt in den Loop Modus versetzen lassen. Zum Schluss werden noch zwei Ausgangsbuchsen für jeweils Crash und Ride geboten, die aufeinander normalisiert sind. Steckt kein Kabel im Ausgang des Crashs, so werden Crash und Ride gemeinsam aus der Ride Ausgangsbuchse ausgegeben.

MODULATOR

Beim Modulator Modul handelt es sich um zwei unabhängige, aber identische LFOs in 10TE Breite, das sich als wirklich mächtiges Modulationswerkzeug entpuppt. Beide LFOs lassen sich sogar getrennt als Noise-Klangerzeuger nutzen. Beim Modulator handelt es sich um ein komplett digitales Modul, da sich beide LFOs zu eingehenden Trigger-Signalen syncen lassen und viele weitere Optionen bietet, die analog so einfach nicht zu realisierbar wären. Außer den beiden Trigger-Eingängen zum Syncen der beiden LFOs, gibt es zwei weitere Buchsen für eingehende Steuerspannungen, die Einfluss auf die Geschwindigkeiten der LFOs nehmen. Für diesen Zweck hat es auch zwei Potis, mit welchen sich die beiden LFOs getrennt in ihrer Geschwindigkeit regeln lassen. Befindet sich der jeweilige LFO im Sync zu externen Trigger-Signalen, so kann man mit diesen Potis das Timing zu den eingehenden Sync-Triggern teilen oder multiplizieren. Über jedem dieser beiden Potis zeigen jeweils zwei LEDs anhand zweier Farben an, welche gerade ausgegebenen Steuerspannungen Verwendung finden. Es sind zwei LEDs pro LFO, da jeder der beiden LFOs auch phasenverschoben ausgegeben wird. Somit hat jede LFO-Sektion auch zwei Ausgänge, einen Hauptausgang und Einen für die, in der Phase verschobenen, zweite Version des gleichen LFOs.

Geboten werden sieben verschiedene Wellenformen pro LFO, zwischen denen man stufenlos überblenden kann. Das macht man mit zwei weiteren Potis, eines für jeden LFO. Das ist ein sehr schönes Feature, da man damit eine sehr große Auswahl an möglichen Wellenformen zur Verfügung gestellt bekommt. Dreht man diese Potis komplett im Uhrzeigersinn, so gibt der jeweilige LFO digitales Rauschen aus. Die letzten beiden der sechs Potis bieten gleich drei unterschiedliche Funktionen. Zum einen hat man damit die Möglichkeit manuell zu bestimmen, um wie viel Grad die zweite Version des gleichen LFOs in der Phase verschoben werden soll. Zum anderen dienen diese als Filter-Cutoff, wenn man sich im Rauschen-Modus befindet. Auf dem jeweiligen Hauptausgang wird immer das unbearbeitete Rauschen ausgegeben und auf dem Zweiten dann das vom Filter bearbeitete Rauschen. Mit einem Kippschalter kann man einen VCA-Modus für den ersten LFO aktivieren. In diesem Fall wirken sich beide dieser Potis auf den ersten LFO aus. Hierbei lässt sich mit dem ersten Poti einstellen, wie lange es dauern soll, bis der LFO sich auf seine volle Stärke einschwingt, und das Zweite dient hierbei sozusagen als Decay einer Hüllkurve für diesen VCA.

Man kann übrigens den VCA-Modus aktivieren und dann wieder zurück zum Phasen-Modus schalten, wobei hier die Einstellungen für den VCA beibehalten werden, während man mit diesen beiden Potis wieder die Phase der beiden LFOs einstellen kann. Zum Schluss gibt es noch einen zweiten Kippschalter, mit dem sich der zweite LFO zum Ersten syncen lässt. Hierbei wird die Sync-Buchse für den zweiten LFO ausgeschaltet und das Poti für Geschwindigkeit übernimmt wieder die Funktion von teilen und multiplizieren. Alles ist sehr gut durchdacht und sehr nützlich. Hier könnte ich mir auch ein größeres Modulator Plus- Modul von Erica in Zukunft vorstellen, wo man außer der Geschwindigkeit auch diese anderen sehr interessanten Funktionen per CV steuern kann.

DUAL FX

Das Dual FX-Modul bietet gleich zwei ‚Spin FV-1 Chips‘, die auch schon beim Erica Synths ‚Black Hole‘ und z. B. dem ‚Z-DSP‘ von TipTop verwendet werden. Auch hier finden wir wieder zwei identische Einheiten in 10TE Breite vor. Jede der beiden FX- Einheiten verfügt über drei Potis, vier Buchsen und zwei kleinen Drucktaster. Es werden acht Effekte pro Einheit geboten, welche alle speziell auf Drum Klänge ausgelegt sind. Hierbei handelt es sich um Mono Delay, Stereo Delay, Hi-Pass Delay, Big Reverb, Saturated Reverb, Stalker Reverb, Ripper und Dual Pitch Shifter.

Die ersten beiden Potis pro Einheiten steuern jeweils zwei verschiedene Parameter des ausgewählten Effekts. Das dritte Poti sorgt dann für das Überblenden vom Trockenen zum bearbeiteten Signal. Mit jeweils drei kleinen LEDs pro Effekt Einheit wird per binärem Code angezeigt, welcher der acht Effekte gerade in Verwendung ist. Mit dem ‚Select‘ Knopf wählt man die verschiedenen Effekte aus. Außer einer Audio Eingangsbuchse pro Einheit, gibt es noch eine Eingangsbuchse für eingehende CVs. Hält man den ‚Select‘ Knopf 2 Sekunden lang gedrückt, so kann man sich aussuchen, welcher der drei Potis per CV automatisiert werden soll. Sehr schön! Somit kann man nicht nur einen der beiden Parameter per CV steuern, sondern auch das Dry/Wet-Verhältnis regeln.

Der zweite Drucktaster ist mit ‚Save‘ beschriftet und macht auch das, was draufsteht. Dabei werden alle Einstellungen gespeichert, beide Parameter- und Dry/Wet-Einstellungen. Dazu dient ein Preset-Slot pro Effekt. Nach dem Laden des gespeicherten Presets, müssen die Werte mit den Potis abgeholt werden. Hierbei leuchten alle LEDs kurz auf, wenn der geladene Wert erreicht ist. Das ist besonders beim Live-Spielen nützlich, denn so kann man schnell zum Ausgangspunkt zurückkehren. Zum Schluss haben wir hier noch zwei Ausgangsbuchsen, denn einige der Effekte sind als Stereo-Effekte ausgelegt. Wie nicht anders vom Spin FV-1 Chip erwartet, klingen auch hier alle Effekte sehr hochwertig.

MIXER LITE, STEREO MIXER und LINK

Das Mixer Lite-Modul ist eine abgespeckte Version des Drum Mixer in 10TE Breite und stellt sechs Kanäle zur Verfügung. Auch hier finden wir wieder sechs Potis und acht Buchsen vor. Die ersten sechs Buchsen sind Audio-Eingänge und so steuern die sechs Drehregler auch die Lautstärke dieser Kanäle, hierbei kann man per Poti die Eingangssignale bis zu +6 dB verstärken. Alle Potis verfügen über eine kleine LED, die informiert, wenn der Headroom ausgeschöpft ist. Die letzten beiden der acht Buchsen sind als Main Out und Aux Out ausgelegt denn, genau wie bei seinem großen Bruder, hat auch der Mixer Lite einen Aux-Bus. Mit drei Kippschaltern kann man also die ersten drei Kanäle entweder auf den Main Out oder auf beide Ausgänge gleichzeitig routen. Auch hier gibt es, wie beim Drum Mixer, einen eingebauten Kompressor. Dieser lässt sich jedoch nur mit zwei kleinen Trim-Potis auf der Platine einstellen.

Der Stereo Mixer ist ebenso 10TE breit und bietet vier Stereo-Kanalzüge und einen eingebauten Limiter. Das Modul bietet also vier Eingangsbuchsen- sowie ein Ausgangsbuchsen-Pärchen. Vier Potis mit LEDs erlauben manuelle Kontrolle über die vier Stereo-Kanäle. Alle Eingangs-Pärchen sind auf einander normalisiert, steckt man also nur ein Kabel in den linken Kanal, so wird dieser gleichmäßig auf beiden Seiten ausgegeben. Den ersten Kanal kann man mit einem fünften Poti im Panorama regeln. Der zweite Kanal verfügt über einige interessante Features. So kann man mit einem Kippschalter wählen, ob das Signal um +6 dB verstärkt werden soll, ob es als normaler Stereo-Kanal fungieren soll, oder ob man zwei Mono-Signale in beide Buchsen stecken kann, welche dann auch auf beiden Ausgangsbuchsen gleichzeitig ausgegeben werden, anstatt das eine Signal nur links und das Andere rechts.

Ganz zum Schluss finden wir das Link Modul im Techno System. Dieses ist ein ganz simples, aber ein besonders für Live-Auftritte, sehr nützliches Werkzeug. Hier hat es fünf Mini-Klinken Eingänge, die auf fünf 6,3 mm Klinken-Ausgänge geschickt werden. Hierbei werden die modularen Signale auf Line-Level gedämpft, sodass man das Techno System bequem an externe Mischer oder Soundkarten anschließen kann, ohne sich dabei Gedanken über Konverter oder Übersteuerung machen zu müssen.

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