Test
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23.12.2017

Praxis

Ich habe die Acidbox III, noch nicht ausgepackt, gleich zu einer Live-Jam-Session in den Club mitgenommen und direkt einen Korg Kaossilator durchgejagt. Eine tolle Sache. Nach wenigen Minuten hat man das Gerät gecheckt und erfreut sich an den Möglichkeiten. Im Gegensatz zur recht schwer zähmbaren Fusionbox reagiert die Acidbox III absolut kontrolliert und vorhersehbar und liefert aus dem Stand überzeugende Ergebnisse.

Bei voll aufgedrehtem Cutoff-und voll runtergedrehtem Resonanzregler läuft der Sound unbeeinflusst durch, so als wäre die Acidbox III Bypass geschaltet. Dreht man die Resonanz bei unbeschnittener Cutoff-Frequenz voll rein, zwiebelt es rhythmisch, ansonsten bleibt der Sound immer noch fast unbeeinflusst.

In seiner Video-Review für Telekom Electronic Beats und Bonedo, bemerkt auch der Hamburger Produzent STIMMING, dass die Acidbox III einen „leichten Sparkle“ in den Höhen hinzufügt, was für ein analoges Gerät auf einen hohen Frequenzgang schließen lässt. Dieser Erkenntnis schließe ich mich an, denn tatsächlich fallen ganz leichte, silbrige Resonanzen am oberen Ende des Frequenzspektrums positiv auf.

Das ändert sich allerdings drastisch, wenn die Cutoff-Frequenz verringert wird. Bei weit aufgedrehter Resonanz ab ca. zwei bis drei Uhr Stellung oszilliert die Acidbox III selbst und erzeugt die passende akustische Untermalung für Fünfziger Jahre-Science-Fiction-Laboratorien. Per LFO-Geschwindigkeit wird das Geblubber beschleunigt oder verlangsamt. Per Cutoff wird dem zwitschernden Treiben dann auch tiefere Tonalität beigemengt. Das alles wie gesagt noch ohne jeglichen Audio-Input, die Acidbox III dreht quasi frei.

Um den stehenden Resonanzton lebendiger zu machen noch rasch das Modulationslevel und die LFO-Tiefe anheben und schon pulsiert die Acidbox III je nach angewählter LFO-Wellenform mal knackig, mal behäbig, mal chaotisch. Der Wave-Anwahlschalter ist zwar selbst stufenlos, doch die Schritte zwischen den einzelnen Waves werden natürlich nicht gemorphed, sondern sind klar vernehmbar. In einer Livesituation klingt das nicht besondern elegant, wie die Audiobeispiele zeigen.

Als nächstes moduliere ich weißes Rauschen aus dem Freeware VST Synth TAL.-Elek7ro. Hier packen die LFOs sehr schön zu und nach ein wenig Schrauberei habe ich bereits einen pulsierenden Loop, den man wunderbar gesampelt unter jedweden Techno-Beat legen könnte. Möchte man es brachial, taugt der Tiefpassfilter besser, für filigranere Resultate bietet sich der Bandpassfilter an.

Aber die Acidbox III kann nicht nur böse.  Starre unmodulierte Pads erlangen interessante Strukturen, weil die Acidbox III sowohl megaschnell als auch faultierlangsam modulieren kann. Mit rhythmischem Material ist der LFO ungesynced nicht so ergiebig, das klingt dann manchmal gar so, als würde zwei Platten asynchron laufen. Hier lohnt der Envelope Follower. Je nach Intensität und Plus-oder-Minus-Stellung des Hüllkurvenverfolgertiefe pumpt oder schmatzt der Beat, dass es eine wahre Freude ist.

Auch eher schlichte Bass-Sounds klingen mit dem Envelope-Follower plötzlich wie fetter Funk. Eine weitere Spezialität ist die leichte Manipulation des Stereobildes, dass die Acidbox III erzeugt. Nicht so krass wie die Fusionbox, die ein zartes unschuldiges Monosignal brachial zu einem PA-fressenden Monster aufblasen kann, aber mit dem gewissen Mojo.

Feedback

Wer die Acidbox III nur mono betreibt, sollte unbedingt die Feedback-Optionen auschecken. Dazu wird das Signal aus dem rechten Audioausgang in den CTRL in gesteckt. Wagemutige User kriegen hier richtig dreckige Sounds hin. Natürlich in glorious mono, der rechte Ausgang dient ja als Carrier für den CTRL In.

Der rückseitige Gainregler war bei all meinen Experimenten stets auf Minimalstellung ganz nach links gedreht. Wird er hochgezogen, erhält man einerseits herrlich verzerrt-komprimierten Overdrive-Sound, leider aber nur auf dem linken Ausgangssignal. Kann man mono im Studio für krasse Effektsounds sicher gut nutzen, für den Stereobetrieb auf der Bühne erschien es mir jedoch ungeeignet. Auch das Anpassen der Lautstärke meines E-Bass war Feinarbeit, wenn man den Sound klar und unverzerrt reinschicken möchte.

 

Wieso, weshalb, warum?

Der Einsatzmöglichkeiten gibt es viele. Produzenten, die „in-the-box“ produzieren, erhalten mit der Acidbox III einen markanten und effektiven Filter, der dank Stereoeingang mit kompletten Submixes gefüttert werden und direkt wiederaufgenommen werden kann. Vor allem der Envelope Follower bewährt sich ganz hervorragend auf Beats jeglicher Art, die plötzlich ein reges Eigenleben entwickeln. Live-Acts freuen sich über die vielen direkten Zugriffsmöglichkeiten und den immer kontrollierbaren Sound.

Und auch E-Bassisten und-Gitarristen sollten das Teil einmal ausprobieren. Der Envelope-Follower moduliert Bassläufe sehr schön und dank dem CTRL In lassen sich auch Expression Pedale anschließen und die Acidbox III mutiert zu einem veritablen Wah-Pedal.

Und nicht zuletzt für DJs ist es ein Actionfilter, dass sich wohltuend von den in Mixern verbauten Filtern abhebt, ob digital oder analog. Mit dem LFO kann man herumspielen und die bekannten Wobble-Effekte machen. Noch schöner passt aber der Envelope Follower zu rhythmischem Material, weil dadurch die Beats richtig schön pumpen.

Erica Synths Acidbox III Audiobeispiele. (Loops und Tweaks produziert und ausgeführt von Mijk van Dijk)

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