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17.06.2020

Electro-Voice ZLX-12BT und ZLX-15BT Test

Aktiv-Lautsprecher

Aktiv-PA mit DSP und Bluetooth-Streaming für Bühne & Monitoring

Mit der ZLX-Serie platzierte 2013 der seit 90 Jahren am Markt maßgeblich mit tonangebende PA-Pionier Electro-Voice eine schnell aufzubauende portable Zwei-Wege Fullrange-Lautsprecherserie, die sich bis heute als großer Hit in den Verkaufscharts vor allem der kleineren bis mittleren Veranstaltungsgrößen hält.

Nun erschienen mit den neuen Modellen ZLX-12BT und ZLX-15BT zwei Nachfolgemodelle dieser Serie, die konsequenterweise um zeitgemäße Streaming-Fähigkeiten erweitert wurden. Bluetooth gefällig?

Details

Gerade bei mobilen DJs oder Verleihern, die eher auf kleine Events, Partys, Familienfeste oder Hochzeiten spezialisiert sind, ist die ZLX-Serie u. a. aufgrund des geringen Transportgewichts bei moderatem Preis recht beliebt. Leicht sind die ZLX-Speaker zum einen durch die durchgängige Verwendung von Polypropylen statt Holz als Gehäusematerial, zum anderen wiegt die darin verbaute Class-D-Verstärkung deutlich weniger als herkömmlichen Class-A-, Class-B-, Class-AB- oder Class-C-Technologien. Liest man als Testpilot bei der Recherche überall dort mal rein, wo über die ZLX-Serie diskutiert, gechattet oder reviewt wird, scheint man sich überall ziemlich einig zu sein, dass sie außerdem auch gut klingen. Dementsprechend gespannt war ich die „kleinen Großen“ selbst im Test zu hören.

Während die „große“ ZLX-15BT die Abmessungen 740 x 480 x 485 mm besitzt und 17,3 kg wiegt, wirkt die ZLX-12BT sofort deutlich kleiner. Sie hat die Maße 685 x 426 x 383 mm und wiegt dabei 15,6 kg. Die ZLX-Serie ist die Einsteigerserie bei Electro-Voice, markiert also das untere Ende, was man an der maximalen Leistung von 1000 Watt pro Speaker ablesen kann. Denn natürlich gibt es für etwas oder gleich viel mehr Geld immer woanders etwas Besseres, Lauteres oder gar Lineareres – und das sogar im Katalog bei Electro-Voice selber.

Der gute Ruf der ZLX-Serie hat sich aber nun mal ziemlich genau dort in einer Szene herausgebildet, wo sich sympathische und kerlige PA-Salesmen US-amerikanischer Zunft zuerst kurz die Schirmmütze gerade schieben, bevor sie sich im familiärem Duktus zu einer kumpelig-saloppen Umschreibung in der Art von „... sehr ordentliche und fett klingende Box, mit der du nix falsch machen kannst und die dich auf der nächsten Hochzeitsparty oder DJ-Einsatz nicht in Stich lassen wird ...“ hinreißen lassen. Kurzfristig erreichte die ZLX-Reihe sogar die Marktposition der meistverkauften PA ihres Ranges.

Warum also groß etwas ändern, dachte sich wohl Electro-Voice angesichts dieses Erfolges und ließ Verarbeitung, Innenleben und Leistungsspektrum bei den neuen „BT“-Modellen exakt gleich wie bei der vorangegangenen „P“-Reihe und fügte lediglich modernes Bluetooth-Streaming hinzu.

Für einige Leser hier ist das sicherlich auch schon die wichtigste Information in diesem Testbericht überhaupt: Wenn die neuen ZLX mit der Extension „BT“ klang- und leistungstechnisch identisch zu ihren Vorgängern sind, dann können sie doch problemlos im Mischbetrieb gefahren werden – oder? Sicher doch. So lässt sich ein neues „BT“-Modell als Master-Box mit einer 2013er ZLX koppeln, wobei die als linke Box definierte das Stereosignal per Bluetooth zugespielt bekommen könnte, um dann den rechten Kanal über ihren XLR-Out phasentreu an die zweite Box weiterzugeben. Dafür muss im „Master“-Gerät der Output im DSP-Menü einfach nur auf „R“ stehen. Doch, ja. Wer also bereits ein Pärchen der Vorgänger („P“) besitzt und lediglich „Bluetooth“ vermisst, der kann sich einfach eine ZLX-12BT oder ZLX-15BT dazu kaufen, statt gleich ein komplettes neues Paar. Oder man holt sich doch lieber gleich zwei BTs und erhält auf diese Weise zwei komplette Bluetooth-fähige Stereo-PAs, die dann sprichwörtlich auf zwei Hochzeiten gleichzeitig spielen können. Übrigens ist die „P“-Reihe weiterhin erhältlich und liegt im Straßenpreis bei etwa 35,- EUR unter dem der BT-Variante.

Konzept

Der ZLX-Lautsprecher ist prinzipbedingt eine sehr klassische „Live“-Box, die für verschiedene Standpositionen und Einsatzzwecke funktionell umgedeutet werden kann. Auf ein Stativ gesteckt, kann sie als Haus-PA dienen oder eben auf die angeschrägte Seite horizontal gekippt als liegender Bodenmonitor dem Musiker auf der Bühne helfen, sein Instrument besser zu hören. Weiterhin lässt er sich auf eine Distanzstange eines passenden Subwoofers stecken. Zum Schutz vor Bühnenunfällen oder anfliegenden Bierflaschen, Euromünzen und Wikingerhelmen besitzt die ZLX-Box vorne ein Stahlgitter, das mit einer schwarzen Pulverbeschichtung gefinisht wurde. Das eigentliche Gehäuse ist aus leichtem, aber sehr widerstandsfähigen Polypropylen, das schwarz lackiert wurde.

Zusammen mit ihrem zeitlosem Design wirken die ZLX somit sowohl wertig, technologisch performant und fast ein bisschen militärisch-unzerstörbar. Ein weißes Finish gibt es bisher nicht, aber die Boxen machen dennoch „was her“ und wirken sicher auf quasi jeder Art von Veranstaltung „richtig“ und nicht deplatziert oder allzu störend. Die Verarbeitung und der Tragekomfort geben ebenfalls ein insgesamt sehr gutes Gefühl. Gerade bei der angebotenen Funktionalität ist das im PA-Bereich, wo es immer noch zahlreiche „gute Boxen mit hässlichem Design“ aber auch den umgekehrten Fall gibt, keine Selbstverständlichkeit.

Selbst die mittig befindliche kubische Einbuchtung, in der der Griff für das Tragen in horizontaler Position längsseitig eingelassen wurde, ist stabil mit Metallwänden verstärkt, so dass die Box an dieser kritischen Verschleißstelle zusätzlich stabilisiert wird. Hier klappert rein gar nichts im Gebälk, es ist somit nicht damit zu rechnen, dass ein derart stabil konzipiertes Gehäuse gleich schon in den ersten Wochen Dauerbetrieb bei lauten Pegeln zu knarzen oder zu schnarren anfängt, sodass man beim Gig verwirrt denkt, die Musiker schlügen hinter ihrem Rücken versteckt mit einem dritten Arm noch jeder eine verrostete Schelle genau im Timing auf die Kickdrum.

Apropos sauber distribuierter Luftdruck: Die als Fullrange Aktiv-Speaker konzipierte ZLX-15BT ist mit einem 15-Zoll-Woofer bestückt, die ZLX-12BT besitzt entsprechend der Typenbezeichnung einen 12-Zoll-Woofer. In beiden verdichtet der hauseigene 1,5-Zoll- Kompressionstreiber DH-1K, der auch in höheren PA-Klassen bei Electro-Voice verbaut wird, die Höhen mit Hilfe von Titan.

Bei den Leistungsdaten sollten alle Interessenten wie immer aber besser mal aufpassen. Der verbaute Class-D-Verstärker liefert satte und hervorragend sauber abbildende 250 W Effektivwert (RMS), was man von vielen Anlagen von Konkurrenten nicht sagen kann, auf dessen Specsheets mit ähnlichen Werten geprahlt wird. Hier punktet Electro-Voice mit dem hauseigenen Wave-Guide-Konzept und hervorragender Signalverarbeitungsqualität. Wer allerdings eine Anlage sucht, die konstant 1000 Watt (RMS) Effektivwert pro Speaker liefern soll, hat sich im Datenblatt verlesen und sollte eine Liga höher bei Electro-Voice einsteigen, das ist nämlich das Hoheitsgebiet der EKX-Reihe.

Dennoch dürften die üblich eingesetzten zweimal (2 x) 250 Watt RMS aufgrund des machbaren Spitzen-Peaks pro Box von 1000 Watt für die meisten kleineren Gigs in der Praxis absolut ausreichen. Wer hier an die Grenzen kommt, sollte darüber nachdenken, erst in zwei passende Subwoofer zu investieren, bevor er in höheren Wattwahnsinn hochskaliert.

Elektronik & DSP

Eine ZLX verfügt rückseitig über ein sehr übersichtliches Anschluss- und Bedienfeld: Zuoberst ist der mit MAIN VOLUME beschriftete Bereich mit einem schnell wahrnehmbaren, rot umkringelten und angenehm großen Poti ausgestattet, auf dem wirklich jeder, der zum ersten Mal auf die Rückseite schaut, sofort die Einstellung der Gesamtlautstärke der Box finden wird. Links daneben befindet sich ein kleiner, aber sehr gut ablesbarer LCD-Screen, der oben in groß den Gesamtpegel in dB anzeigt. Darunter sind weitere drei Bildschirmzeilen, in denen die Pegel für IN1, IN2 und BT (Bluetooth) angezeigt werden.

Es gibt weiterhin dazu gehörige getrennte Eingänge, die als IN 1 und IN 2 definiert sind und als Kombibuchse ausgelegt, sowohl Klinke als auch XLR akzeptieren. Zusätzlich gibt es noch einen praktischen Miniklinkeneingang in Stereo, der seltsamerweise heutzutage überall in Reviews als Sensation abgefeiert wird, wo man noch vor Jahren die Hände über den Kopf zusammengeschlagen hätte, weil eben „Miniklinke“!

Naja, auch die Qualität von Miniklinkenkabeln hat sich verbessert, wenn man nicht ausgerechnet den meistens extrem gar nicht passgenau fabrizierten Adapterwahnsinn aus chinesischer Billigstmanufaktur erwischt und an dieser blöden Stelle vorsätzlich spart. Der Trend geht hier zur Maßanfertigung durch einen lötarbeitversierten Fachmann, es lohnt sich.

Das MAIN-Volume-Poti kann noch mehr: Drückt man es, gelangt man in das Menü, um die nicht mal wenigen Funktionen des sogenannten hauseigenen QuickSmart DSPs einzustellen, was tatsächlich trotz „One-Button-Control“ doch recht zügig von Hand geht.

Hier befindet sich auch das „Pairing“ für den Bluetooth-Betrieb, das einmal eingeschaltet genau 120 Sekunden auf einen paarungswilligen Bluetooth-Sender in der Nähe, sei es Smartphone oder anderes Gerät, treu wartet. Es gibt vier Equalizer-Voreinstellungen für die entsprechenden Einsatzzwecke wie LIVE, SPEECH, MUSIC oder CLUB, wobei die meisten Profis bei ihrer ersten Erfahrung mit Electro-Voice sicher ein Preset namens LINEAR vermissen werden. Aber keine Sorge, es ist vorhanden und entspricht dem Preset „LIVE“. Schnell stellt man hier im DSP-Menü einen der passenden Subwoofer der aktuelleren Electro-Voice Riege ein. Wählbar sind ELX200-12SP, ELX200-18SP, EKX-15SP, EKX-18SP oder ELX118P.

Alternativ kann aber natürlich auch einfach eine passende Trennfrequenz für das Hochpass-Filter bei 80 Hz,100 Hz,120 Hz oder 150 Hz gewählt werden, wobei die Frequenzweiche laut Hersteller standesgemäß mit einem 24 dB/Oktave Linkwitz/Riley-Filter trennt.

Keinesfalls übersehen werden sollte das sogenannte LOCATION-Menü, hier trägt man ein, in welcher Position/Funktion sich die entsprechende ZLX-Box befindet: Steckt sie auf einem Ständer und dann also nicht in direkter Nähe einer Wand, stellt man hier POLE ein. Liegt sie auf dem Boden und wird als Monitor verwendet, entfernt der Betriebsmodus MONITOR die typischerweise durch den Boden überhöhten tiefen Frequenzen. Der Modus BRACKET erledigt das Gleiche, sollte die ZLX in der Nähe einer Wand stehen oder daran sogar montiert sein. 

Ein Zweiband-EQ regelt in +/-10 dB Schritten in stimmig klingenden Einsatzfrequenzen die Höhen ab 6 kHz und den Bass bei subsonischen 60 Hz mit jeweils einem Shelving-EQ, was z. B. bei Verwendung einer ZLX ohne Subwoofer schnell nötig wird, um den Bassbereich im Betrieb ohne Sub dann z. B. 1 bis 3 dB anzuheben.

Last but not least gibt es die Möglichkeit, bis zu fünf vom Benutzer programmierbare Presets abzuspeichern und natürlich später wieder aufzurufen. Eine visuelle Überwachung der Limiter-Statusanzeige, die sich mit einem groß ausgeschriebenen „CLIP“ am Display meldet, wenn es übersteuert, ist hier ebenfalls zu finden. Außerdem liest man hier die Eingangspegel und ‑anzeige sowie den Master-Output-Level ab. Der Limiter in der Summe schützt die PA vor einem Pulswellen-Desaster. Sobald ein kleingeschriebenes „LIMIT“ auf dem Display erscheint, hat der Limiter die Verstärkung im Griff und in der Regel wird dann auch noch kein Limiter-Artefakt zu hören sein.

Ein großgeschriebenes „LIMIT“ bedeutet allerdings, dass die Soundqualität bereits beeinträchtigt wurde und man den Eingangspegel besser herunterregeln sollte, bevor ein allzu musikalisches Ohr zu bluten beginnt oder der Verstärker durchzuknallen droht. Letzteres ist bei Class-D-Systemen oft mit dem Komplettaustausch der Verstärkeranlage verbunden, was im schlechtesten Falle in etwa die Hälfte der Anschaffungskosten der PA-Box nach sich ziehen kann. Dies ist bei sachgemäßer Anwendung allerdings sehr unwahrscheinlich, denn nur ein Depp reitet seine Anlage im Dauerbetrieb auf der Einstellung CLIP!

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