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06.01.2021

Ein Verschwörungsmythos: 5G-Chip im Covid-Impfstoff zeigt sich als Gitarren-Effektpedal

Die sozialen Medien sind seit je her eine Spielwiese für Informatives, Selbstdarstellerisches und für allerlei Gerüchte um alles, was so in der Welt passiert. Hat sich erst ein Thema gefunden, lassen sich viele begeistern ihre Meinung darüber abzugeben oder selbst neue ‚Informationen‘ zu stricken, die einerseits Kritik, Bestätigung, aber auch viel Kurioses beinhalten können, was wiederum viele andere dazu animiert, auf diesen Zug aufzuspringen. Neuerdings finden sich auch Verschwörungstheorien im aktuellsten Thema, das eher als weniger lustig zu bezeichnen ist: Corona und den Impfstoff, der Covid den Garaus machen soll. So kursiert in den sozialen Medien ein Schaltbild, das angeblich die Abläufe in einem 5G-Nanochip zeigt. Ein solcher Chip soll im Covid-Impfstoff versteckt sein und die damit Geimpften manipulieren können.

Soll uns ein mit 5G-Chips angereicherter Covid-Impfstoff krank machen?

Eine interessante Theorie! Und die Verfechter solcher Theorien sind davon überzeugt, dass auf diese Weise verimpfte und somit im Körper befindliche 5G-Nanochips nur darauf warten, von einer zentralen Stelle mit elektrischen Impulsen gesteuert Krankheiten auslösen und sonstige Kuriositäten im Körper des Geimpften starten. Was sonst noch passiert, ist wiederum Gegenstand verschiedener anderer Mythen in diesem Zusammenhang.

Wie sieht das Schaltbild des ominösen 5G-Chips aus?

Ein solcher 5G-Chip, der gerade in den sozialen Medien Italiens kursiert, zeigt sich nach einer Beschreibung auf dieser anonymen Website als wahrer Alleskönner. Er kann nicht nur Stimmen im Kopf des Geimpften erzeugen, er kann auch Stimmungen beeinflussen und Bewegungsreize erzeugen – so der anonyme Autor – der sein Wissen von ‚den Russen‘ hat, wie er meint.

Mario Fusco, seines Zeichens Open-Source-Entwickler, kam das Schaltbild des dubiosen 5G-Nanochips zum einen bekannt, zum anderen absolut unplausibel vor. Warum sollte ein 5G-Chip Routinen besitzen, um Einstellungen der Klangregelung und der Lautstärke vornehmen zu können? Was hat eine ‚Footswitch‘-Routine darin verloren? 

Nach weiterer Google-Recherche wurde jedoch schnell klar, dass besagter 5G-Nanochip aus dem Impfstoff von Biontech-Pfizer gegen Covid-19 alles andere ist als das auf der schematischen Darstellung gezeigte. Diese zeigt nämlich das Schaltbild eines aktuellen Gitarren-Effektpedals, im Detail, die des Boss Metal Zone MT-2.

Schon aufgrund der Größe schlecht zu verimpfen: Boss Metal Zone MT-2

Sicherlich kann man mit dem Boss-Effektpedal eine Menge anstellen, es lässt sich aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht in einem Impfstoff verstecken, auch kann es von dort aus keine Stimmungen ändern, Bewegungen auslösen oder Stimmen hörbar machen. Das Ding ist einfach zu groß, um intramuskulär zu injiziert zu werden. Schon alleine deswegen sollte das Boss Metal Zone MT-2 Pedal da bleiben, wo es hingehört, denn es erfreut besonders Gitarren spielende Hardrock- und Heavy-Metal-Musiker.

Somit ist diese Erkenntnis eine von der Sorte, über die man selbst in den anstrengenden Tagen von Neuinfektionen und Lockdowns lachen kann. Und nein, es wird nicht soweit kommen, dass Geimpfte dadurch nur in Form stark verzerrter Riffs sprechen können oder darauf spekulieren, dass der Impfstoff vielleicht doch noch mit einem passenden Verstärker käme.

Bleibt gesund!

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