Test
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19.08.2019

Earthworks SR314 Test

Handheld-Kondensatormikrofon

Klang und Design: glatte Eins!

Das in diesem Testbericht besprochene Handheld-Kondensatormikro Earthworks SR314 gehört zu den wenigen Produkten, die schon bei der ersten Pressemeldung Vorschusslorbeeren von mir bekommen hat. Das hat weniger damit zu tun, dass mir Eartworks-Produkte klanglich in durchweg guter Erinnerung sind, sondern zugegebenermaßen damit, dass das Live-Gesangsmikrofon einfach um-wer-fend aussieht. Bedenkt man, dass schon das Studio-Kondensatormikro SV33 Eindruck bei mir geschunden hat, scheint man bei Earthworks wirklich Geschmack zu haben. Doch klar: Aussehen ist zweitrangig, bei Studio- wie Bühnenmikrofonen kommt es schließlich auf den Sound an. 

Details

Nicht das erste Gesangsmikro

Earthworks SR314 ist ein Livemikro, das aus gutem Hause stammt. Das amerikanische Unternehmen Earthworks hat sich einen Namen gemacht mit seinen Kleinmembran-Kondensatormikros. Das SR25, besagtes Studiomikrofon SV33, aber auch die Drummikros CMK4 sind allesamt klanglich beeindruckend. Mit dem SR314 ist aber nicht das erste Mikrofon für die Hände von Sängerinnen und Sängern erhältlich, das SR40V (Hyperniere, Frequenzgang bis 40 kHz) und das längliche SR20 (geringere Vocal-Spezialisierung) gibt es schon länger.

Kleinmembran-Kondensatorkapsel

Wie alle Earthworks-Mikros basiert auch das SR314 auf einer Kondensatorkapsel kleinen Membrandurchmessers. Und schraubt man den Metallgitterkorb ab, blickt man auf eine Konstruktion, die aussieht, als habe jemand ein Earthworks SR25 halbiert und die Kapselseite in das SR314 verfrachtet: Die charakteristischen Schalleintrittsschlitze zur Erzeugung der Nierencharakteristik sind auch dort zu sehen.

 

Der Korb selbst verfügt ebenfalls über reichlich große Schalleintrittsöffnungen und stellt einen Mindestabstand zwischen Schallquelle und Membran her. Zusätzlich zur Metallgaze sind im Korb jedoch keine Schaumstoffe und dergleichen zu finden. Wohl auch dadurch kann eine durchaus hohe obere Grenzfrequenz von 30 kHz erreicht werden. Im Praxisteil wird es jedoch interessant, ob den Earthworks-Entwicklern beim SR314 gelungen ist, die Poppempfindlichkeit unter Kontrolle zu halten.

Nicht durchgängig linear, sondern leicht für Stimme vorbereitet

Brettlinear zeigt sich der Pegelverlauf von 20 Hertz bis hinauf zu 3 kHz – gemessen für 12,5 cm Abstand. Aufgrund des Nahbesprechungseffekts wird bei korbnaher Besprechung eine ordentliche Portion Bass hinzukommen. Dass um die 4 kHz, besonders aber bei 8 kHz leichte Einbrüche im Pegelfrequenzgang zu verzeichnen sind, ist hingegen kein Makel, sondern für die Nutzung mit der menschlichen Stimme absolut sinnvoll, wenn man zu scharfe und spitze S-Laute vermeiden will. Im Vergleich zur 1kHz-Referenz gibt es kleine Boosts bei 10 und 15 kHz. Das ist ein Hinweis darauf, dass das Earthworks SR314 sehr offen klingen wird. Es ist zu hoffen, dass der Detailreichtum dem Pegel in den Höhen gerecht werden kann. Von 20 bis 30 kHz ist die Kurve übrigens linear, das ist keine Selbstverständlichkeit.

Anerkennung verdient in jedem Fall das sanft verlaufende Polardiagramm. Es zeigt keine relevanten frequenzabhängigen Ausbrüche bis 90 und 270 Grad, bis 150 und 210 Grad nehmen die Präsenzen eher ab als Höhen und Tiefen. Das ist üblich.

Rauscharm

Nach A-Filterung rauscht das Mikrofon mit 15 Dezibel, verträgt aber als „Peak Acoustic Input“ 145 dB SPL. Als Signal-Rauschspannungsabstand ist 79 dB(A) angegeben, als Empfindlichkeit 10 mV/Pa. Auch hier: alles ordentliche Werte.

Kein Koffer

Das Mikrofon ist aus massivem Stahl gefertigt, macht einen dementsprechend unzerstörbaren Eindruck und wiegt stolze 680 Gramm! Ein Koffer gehört nicht zum Lieferumfang, der Käufer des nicht gerade preiswerten Edelmikrofons muss sich mit einer Reißverschlusstasche und einem einfachen Gummi-Mikrofonclip begnügen. 

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